Mittwoch, 16. Oktober 2019

Crash-Jubiläum Die Angst fährt mit

Wie geht es weiter: Die politischen Unsicherheiten sind so groß wie lange nicht
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Wie geht es weiter: Die politischen Unsicherheiten sind so groß wie lange nicht

2. Teil: Ungeduldiges Kapital: Der Fluch des kurzfristigen Anlegens

Trotzdem gibt es kurzfristiges Denken. Und daran sind laut Skeoch nicht zuletzt die Regulatoren schuld - wenn auch unbeabsichtigt. "Weil die Incentives, die von den Regularien im System eingebettet sind, geduldiges Kapital zu ungeduldigem Kapital machen und auf sehr kurzfristige Bewegungen der Asset-Preise (…) fokussieren lässt."

Auch der Hochfrequenzhandel befeuert das Kurzfristdenken. Denn hochgerüstete Computer suchen nach Mustern an der Börse und handeln automatisch - in Millisekunden.

Privatanleger trauen sich in so einem Umfeld kaum an die Börse. Beispiel Deutschland. "Wenn überhaupt Aktien gekauft werden, dann solche aus Deutschland", erklärt Markus Weis von Goldman Sachs Asset Management. "Die Risikoaversion überlagert alles." Das gilt selbst mit Blick auf die Wachstumsregionen der Weltwirtschaft. "Die Investoren erkennen zwar die wachsende Bedeutung der asiatischen Ökonomien, doch findet das kaum einen Niederschlag in den Portfolios", beobachtet Weis. Eine Umfrage des Geldinstituts unter deutschen Privatanlegern zeigt, dass 88,8 Prozent von ihnen in den kommenden zwölf Monaten nicht in deutsche Geldanlagen investieren wollen. Und sie zeigt, dass das mit Aktien verbundene Risiko in den Augen der Deutschen in den vergangenen Jahren gestiegen ist.

Trotz Unsicherheit - das Szenario 2012 sieht anders aus

Nervosität, kurfristiges Handeln, politische Unsicherheit - weisen also alle Zeichen auf einen erneuten Crash hin?

Nicht wenn man einem Börsianer glauben mag, der damals schon aktiv war. "Es gibt praktisch keine Parallelen zwischen 1987 und 2012", sagt Uwe Lang. "Damals lagen die Aktienindizes vorher weit über ihrem fairen Wert, heute deutlich darunter. Damals waren die Anleihezinsen kräftig gestiegen - in den USA auf 10 Prozent. Heute liegen sie unter 2 Prozent. Damals herrschte hoher Optimismus. Heute sind die Anleger - zumindest in Deutschland - für Aktien pessimistischer denn je."

Zur Seite springt ihm Didier Saint-Georges von der Fondsgesellschaft Carmignac. "Der globale Anleger kann künftig mittelfristig durch das Sicherheitsnetz der Europäischen Zentralbank ermutigt, neue Anlagechancen für sein Kapital nutzen, das er bisher auf risiko- und ertragslose Anlagen beschränkt hatte."

Außerdem - ohne Aktien geht es nicht. "Heute sind sie ein Muss, weil es sonst außer der eigengenutzten Immobilie keine sinnvolle Geldanlage gibt, die Aktienindizes weit unter ihrem fairen Wert liegen", sagt Lang. "Der Eurostoxx50 beispielsweise notiert um 40 Prozent tiefer als 2007 und außerdem läuft das Winterhalbjahr am Aktienmarkt durchschnittlich besser als die Sommermonate." Setzt sich diese Erkenntnis bei den Investoren auf breiter Front durch und handeln sie entsprechend, werde die Liquiditätswelle die Aktienkurse nach oben treiben. Doch mittelfristig fährt die Angst weiter mit.

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