Freitag, 28. Februar 2020

IPO von O2 Milliardenbörsengang mit vielen Unbekannten

O2-Sitz in München: Das Unternehmen plant den ersten Milliarden-Börsengang hierzulande seit fünf Jahren

Mit einem Volumen von 1,7 Milliarden Euro soll der O2-Börsengang der größte hierzulande seit Jahren werden. Doch Anleger sollten auf der Hut sein: Das Parkettdebüt ist eine Notgeburt. Und klar ist: Die Tochter der hochverschuldeten spanischen Telefónica steckt auch künftig in einem fatalen Dilemma.

Hamburg - Ein Milliardenbörsengang - das hat es hierzulande seit 2007 nicht mehr gegeben. Seinerzeit emittierte die Hamburger Hafengesellschaft HHLA Börsen-Chart zeigen Papiere im Wert von mehr als einer Milliarde Euro.

Und jetzt also Telefónica Deutschland, bekannt für Marken wie O2 und Fonic. Etwas mehr als 23 Prozent der Anteile des Unternehmens will der spanische Mutterkonzern Telefónica am 30. Oktober an der Börse Frankfurt platzieren, zum Preis von bis zu 6,50 Euro. Fast 1,7 Milliarden Euro könnte das an Einnahmen bringen.

Telefónica Deutschland wäre damit insgesamt rund 6,5 Milliarden Euro wert, was nach Ansicht von Analyst Markus Friebel von Independent Research im Gegensatz zu vorher kolportierten Werten von bis zu elf Milliarden Euro eine "relativ faire Bewertung" darstellt.

Ob es sich aber um ein attraktives Angebot für Anleger handelt, ist eine andere Frage. Einen guten Hinweis gibt da die Verwendung des IPO-Erlöses. Die deutsche Telefónica jedenfalls bekommt von der Milliardensumme nicht viel zu sehen. Dabei könnte sie das Geld gut gebrauchen, denn wenn O2 im Wettbewerb mit Vodafone Börsen-Chart zeigen, Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen und E-Plus auf dem deutschen Mobilfunkmarkt nicht zurückfallen will, sind dringend Investitionen nötig. "Beim Mobilfunknetz von O2 besteht schon jetzt ein Nachholbedarf", sagt Analyst Friebel.

Schuldenkönig Telefónica

So gilt das Netz der Münchener bereits heute als das zweitschlechteste hierzulande, unterboten nur noch durch jenes der KPN-Tochter E-Plus. Zudem muss sich auch O2 auf den neuen, schnelleren Mobilfunkstandard LTE einstellen - und das kostet ebenfalls.

Das Problem ist jedoch: Die Milliarden aus dem IPO braucht die spanische Mutter Telefónica dringend selbst. Der Grund: Mit einem Kreditstand von weit mehr als 50 Milliarden Euro zählt Telefónica europaweit zu den am höchsten verschuldeten Firmen der Branche (siehe Grafik links). Der Konzern sieht bereits sein Investmentgrade-Rating bei den führenden Agenturen in Gefahr - und tut alles, um dessen Verlust zu vermeiden.

Um den Schuldenberg abzubauen, hat Telefónica daher bereits die Dividende gestrichen. Zudem treibt der Konzern den Verkauf von Tochtergesellschaften voran, wie zuletzt des Call-Center-Betreibers Atento, der für rund eine Milliarde Euro zum Finanzinvestor Bain Capital wechselte.

Für Telefónica Deutschland sind das keine angenehmen Voraussetzungen. Denn um aus den roten Zahlen zu kommen, werden die Spanier, die an O2 mit rund 77 Prozent beteiligt bleibt, auch künftig weiter Liquidität benötigen. Analysten schätzen, dass Telefónica allein in den kommenden zwei Jahren 15 Milliarden Euro refinanzieren muss.

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