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Aktien, Immobilien, Gold und Co.: Assetklassen im Renditevergleich

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Investition in Sachwerte Mit Sicherheit weniger Geld

Vor den Turbulenzen der Kapitalmärkte fliehen Anleger seit Monaten in die Sicherheit von Sachwerten wie Immobilien oder Gold. Ein Performancevergleich zeigt jedoch: Wer auf Aktien verzichtet, hat bereits einiges an Rendite verpasst. Und der Rückstand könnte künftig noch zunehmen.

Hamburg - In den Turbulenzen der Euro-Krise und dem ständigen Auf und Ab an der Börse kann das Wesentliche leicht aus dem Blick geraten: Der Dax  legt 2012 bislang eines der besten Jahre seit langem hin.

Mit mehr als 20 Prozent befindet sich der Index seit Januar bereits im Plus - das ist ungefähr so viel, wie 2009 zu Silvester zu Buche stand. Und in jenem Jahr wurde immerhin der katastrophale Lehman-Einbruch von 2008, als die Kurse auf Jahressicht um mehr als 40 Prozent in den Keller gestürzt waren, wieder wettgemacht. Fakt ist zudem: Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 verbuchte der Aktienmarkt in drei von fünf Jahren zweistellige Kursgewinne.

Vor allem jene Anleger, die wegen der allgemeinen Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten und die Entwicklung an den Kapitalmärkten mit ihrem Geld die viel zitierte Flucht in die Sicherheit angetreten haben, dürften da aufhorchen. Denn die deutschen Standardaktien, die nach gängiger Definition keineswegs zu den risikolosen Assets gezählt werden, schlagen sich damit deutlich besser, als viele vermeintlich sichere Häfen.

Beispiel Immobilien: Die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern ist seit Monaten gigantisch, ist vielfach zu hören. Häuslebauer und Kapitalanleger nutzen das niedrige Zinsniveau zum Kauf. Folge: Die Preise und Mieten steigen.

Immobilienpreise steigen im Schnitt nur mäßig

Ein genauer Blick zeigt jedoch: Mit der Performance des Aktienmarktes kann das Betongold hierzulande kaum mithalten. In Großstädten wie Hamburg, München oder Berlin mögen die Preise auf Jahressicht mitunter zweistellig in die Höhe springen. Dort kann aber nicht jeder kaufen. Insgesamt jedoch ergibt sich ein anderes Bild: Um lediglich 3,1 Prozent legten die Preise und Mieten von Eigentumswohnungen im vergangenen Jahr im bundesweiten Schnitt zu, teilte kürzlich der Immobilienverband IVD mit. Das Statistische Bundesamt beziffert den Anstieg der Kosten für Neubauten zwischen August 2011 und August 2012 sogar nur auf 2,5 Prozent.

Ähnlich sieht es bei anderen Anlageformen der Abteilung Sicherheit aus: Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen etwa bewegt sich seit einiger Zeit unter der offiziellen Inflationsrate. Die Zinsen für Fest- und Tagesgelder schaffen es schon seit Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 im Schnitt kaum noch über die Zwei-Prozent-Marke.

Selbst Gold , als Mittel zur Absicherung gegen die häufig heraufbeschworene Inflationsgefahr viel gepriesen, konnte die Anleger in den vergangenen Monaten kaum zufriedenstellen. Zuletzt kam zwar wieder ein wenig Schwung in den Goldpreis, ansonsten ging es damit aber seit dem Hoch im vergangenen Jahr tendenziell eher seit- bis abwärts.

Ist das Risikoinvestment Aktie also doch die bessere Wahl? Immer mehr Privatanleger scheinen allmählich zu diesem Schluss zu gelangen, wie beispielsweise eine Umfrage des Instituts Forsa für die Deutsche Wertpapierservice Bank ergeben hat. Demnach liegen zwar sichere Investments wie Immobilien oder festverzinsliche Wertpapiere weiterhin im Trend. Die Skepsis gegenüber Aktien und Aktienfonds lässt jedoch merklich nach, so die Umfrage.

Dax-Rekord in Sicht?

Die Gründe dafür dürften zum Teil in der starken Börsen-Performance bis dato liegen. Zum Teil spielen jedoch auch andere Aspekte eine Rolle. So wird beispielsweise auch Aktien mitunter ein sachwertähnlicher Charakter zugeschrieben. Immerhin gibt es als Gegenwert ein wirtschaftlich tätiges Unternehmen, dass sich auch in der schlimmsten Krise nicht unbedingt plötzlich in Luft auflösen wird. Zudem verfügen manche, vor allem große Konzerne über eine erhebliche Preissetzungsmacht in ihren Märkten - heruntergebrochen auf die Anteilsscheine lässt sich daraus durchaus die Möglichkeit zur Absicherung gegen die Inflation ableiten.

Bleibt die Frage, ob die Börse auch künftig so stark performen wird wie bisher. Vieles wird vom Verhalten der Zentralbanken abhängen, die mit ihrer Liquiditätsflut schon bisher die Kurshausse stark angetrieben haben. Allen voran die Europäischen Zentralbank (EZB), die den Euro  um jeden Preis stützen und dazu Anleihen schwächelnder Länder kaufen will, womöglich bis zum Sankt Nimmerleinstag.

Auf der anderen Seite steht die bereits stark erkennbare Eintrübung der Konjunktur, die früher oder später auf die Unternehmensgewinne drücken dürfte. Nicht nur die Absätze im Autobau brechen bereits ein, auch in der Elektroindustrie und im Maschinenbau kommen die Einschläge näher - weitere Branchen dürften folgen.

Und die Prognosen sehen nicht rosig aus. Die Wirtschaftsleistung Europas wird nach dem zweiten und dritten ebenso im vierten Quartal sinken, sagt das Ifo-Institut. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet in der gesamten Euro-Zone 2012 ein Minus von 0,4 Prozent. Und für 2013 haben die führenden Institute in ihrem Herbstgutachten erst am Donnerstag ihre Prognose halbiert, von bisher 2 Prozent erwarteten Wachstums auf jetzt nur noch 1 Prozent.

Dax-Rekord in Sicht?

Bei den Börsianern jedoch überwiegt trotz allem offenbar der Optimismus. Speziell in Europa seien die Aktienkurse den Unternehmensgewinnen zwar weit vorausgeeilt, sagt etwa Ad van Tiggelen, Investmentexperte von ING. Mit Blick auf die Aktivitäten der Notenbanken sieht er aber dennoch weitere Chancen für Kurssteigerungen.

So ähnlich klingt auch die Einschätzung des internationalen Investmenthauses Fidelity. "In einem Umfeld, in dem die Notenbanken in großem Ausmaß Geld drucken, sind Aktien die attraktivste Alternative", findet Fondsmanager Amit Lodha. Er rät zu Unternehmen, die durch Ölquellen, Immobilien oder ähnlich Substanzielles abgesichert sind. "Denn dadurch ist es wahrscheinlicher, dass diese Wertpapiere der Inflation trotzen", so Lodha.

Besonders bullisch schließlich ist die Firma Bantleon. Das Unternehmen, von Haus aus Anleihemanager und damit kaum der übermäßigen Börseneuphorie verdächtig, verweist ebenfalls auf die Rückendeckung durch die EZB - und prognostiziert einen Anstieg des Dax noch über den bisherigen Höchststand von 8151 Punkten in den kommenden sechs bis neun Monaten.

Ob das wirklich eintritt, bleibt abzuwarten. Das Jahr 2012 jedenfalls wäre dann endgültig eines der stärksten seit langem.

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