Börsenschluss Wachstumssorgen drücken Dax ins Minus

Die Erholung währte nur kurz: Nach einem freundlichen Auftakt hat der Dax schnell ins Minus gedreht und an seinen schwachen Wochenauftakt angeknüpft. Die Unsicherheit über die Weltkonjunktur machen den Börsen zu schaffen, eine IWF-Prognose drückt auf die Stimmung. Der Dax schließt im Minus
Händler in Frankfurt: Die Unsicherheit über die Weltkonjunktur trübt die Stimmung der Börsianer

Händler in Frankfurt: Die Unsicherheit über die Weltkonjunktur trübt die Stimmung der Börsianer

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Der Dax hat am Dienstag an seinen schwachen Wochenauftakt angeknüpft. Nach einer freundlichen Eröffnung gewannen Sorgen um die Weltwirtschaft und die Eurokrise die Oberhand, und drückten den Leitindex bis zum Mittag um 0,41 Prozent auf 7261 Punkte. Der MDax mittelgroßer Werte verlor 0,38 Prozent auf 11 206 Punkte und der TecDax fiel um 0,85 Prozent auf 817 Punkte. Auch der Euro zeigte sich weiter schwach.

Der EuroStoxx 50 schloss 0,96 Prozent tiefer bei 2472,23 Punkten. Auch für die nationalen Indizes in Paris und London ging es nach unten, und in New York notierte der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss ebenfalls im Minus.

"Mancher Marktteilnehmer hatte wohl vor allem den Griechenland-Besuch von Angela Merkel im Auge und erhoffte sich von einer Pressekonferenz der Kanzlerin konkrete Hinweise zum weiteren Prozedere in Sachen Schuldenkrise. Doch diese Hoffnung wurde enttäuscht", begründete Marktexperte Gregor Kuhn vom Broker IG die zeitweise freundliche Stimmung und die dann einsetzenden deutlichen Verluste am Markt.

Zuvor hatten andere Experten schon auf die weiter bestehenden Sorgen über den möglichen Euro-Rettungsschirm-Kandidaten Spanien sowie die weltweite Wirtschaftsentwicklung verwiesen. "Die Risiken für eine ernsthafte globale Konjunkturabkühlung sind alarmierend hoch", warnt der IWF in seinem heute veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick. Auch für Deutschland senkte die Institution wegen der unsicheren Lage ihre Prognose deutlich. Stratege Robert Halver von der Baader Bank sagte, die Frage sei: "Ist die aktuelle konjunkturelle Schwäche nur eine Delle oder wächst sie sich zu einer kräftigen Beule aus?"

Neben den Unsicherheiten um die Weltkonjunktur sah Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank auch die Sorgen um Spanien als erneute Belastung. "Das Loch im spanischen Haushalt dürfte größer als erwartet ausfallen. Da sich Spanien jedoch noch weigert unter den neu gegründeten ESM zu schlüpfen, bleiben auch hierbei die Unsicherheiten groß."

EZB-Chef Mario Draghi sah in seiner Rede vor dem Europäischen Parlament allerdings auch Gründe für mehr Zuversicht. Für eine Bewertung der Lage in Griechenland verwies er allerdings auf den Bericht der Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF. Deutschland und Frankreichsetzten sich derweil mit einer europäischen Finanzsteuer durch - wenn auch nur im kleinen Rahmen. Obwohl die Steuer nicht in der gesamten EU umsetzbar ist, wollen elf EU-Länder mitmachen, darunter auch die Schwergewichte Spanien und Italien. Die Aktien der Deutschen Börse (Kurswerte anzeigen), die das Thema Finanzsteuer besonders betrifft, verloren 0,98 Prozent.

Neun-Monats-Absatz hievt VW an Dax-Spitze

Die Tags zuvor besonders gebeutelte Autotitel zeigten sich deutlicher erholt. Volkswagen Vorzüge (Kurswerte anzeigen) waren mit plus 1,51 Prozent der Dax-Favorit. Die Zahl der Auslieferungen des Konzerns legte von Januar bis September 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 Prozent zu. Dies berichtete das Unternehmen in einer Präsentation von gestern zum Golf VII. Analysten lobten zudem den optimistischen Tenor des Konzerns auf einer Auftaktveranstaltung.

BMW-Titel (Kurswerte anzeigen) folgten mit plus 0,1 Prozent. Auch im September erzielten die Münchner einen Absatzrekord. Bei Mercedes-Benz lief es Gewinnwarnung und Sparpaket zum Trotz ebenfalls gut. Daimler verkaufte in seiner Pkw-Sparte im September 132.606 Autos der Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach, ein Plus von 2,4 Prozent. Von Januar bis September lag der Absatz bei rund 1,04 Millionen Autos - ein Rekord mit einem Plus von 4,7 Prozent. Die Daimler-Aktien gaben dennoch um 1,29 nach.

Um deutliche 1,91 Prozent nach unten ging es für die Aktien von RWE (Kurswerte anzeigen) , was die rote Laterne im Dax bedeutete. Der Versorger könnte seine Ziele für den Verkauf von Unternehmensteilen nicht ganz überraschend verfehlen, sagten Börsianer.

Im MDax standen die EADS-Aktien (Kurswerte anzeigen) im Fokus. Die geplante Rüstungsfusion mit BAE Systems zu einem neuen Luftfahrt- und Rüstungskonzern ist Insidern zufolge geplatzt. Nach einem kurzzeitigen Kurssprung notierten die Titel zum Handelsschluss in Frankfurt 0,67 Prozent schwächer.

ElringKlinger (Kurswerte anzeigen) profitierten im MDax (Kurswerte anzeigen) mit einem Kursaufschlag von 1,64 Prozent von einer HSBC-Empfehlung. Die Experten hoben die Papiere des Autozulieferers auf "Overweight". Trotz des Absatzdrucks in Europa sei 2013 dank neuer Produkte mit deutlichem Umsatzwachstum zu rechnen, hieß es. Die Papiere von Douglas (Kurswerte anzeigen) hielten sich nach gemischt ausgefallenen Zahlen ebenfalls relativ stabil.

Eine Herunterstufung der HSBC hat hingegen Leoni (Kurswerte anzeigen) belastet. Die Aktien des Autozulieferers verloren 3,8 Prozent und waren damit größter MDax -Verlierer. Das Jahr 2013 dürfte für die Branche nicht unbedingt leichter werden, schrieben die Analysten in einem Kommentar. Sie setzten die Papiere herunter auf "Neutral" von "Overweight" und senkten das Kursziel auf 33 von 43 Euro.

Euro rutscht deutlich ab

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,21 Prozent am Vortag auf 1,20 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,09 Prozent auf 134,17 Punkte. Der Bund Future stieg um 0,02 Prozent auf 141,42 Punkte. Der Kurs des Euro sank deutlich auf 1,2877 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,2953 (Montag: 1,2958) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7720 (0,7717) Euro gekostet.

Die Ölpreise haben am Dienstag angesichts des verschärften Syrien-Konflikts ihre anfänglichen Kursgewinne im Handelsverlauf deutlich ausgeweitet. Am frühen Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im November 114,36 US-Dollar. Das waren 2,54 Dollar mehr als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) stieg um 2,92 auf 92,26 Dollar.

wed/kst/dpa-afx/rtr