Börsenausblick Rally droht ein abruptes Ende

Nach der Euphorie der vergangenen Wochen rechnen Analysten in zum Start in das vierte Quartal mit leichten Kursrückgängen. Die Handelswoche ist mit zahlreichen Notenbankterminen gespickt - doch die Erwartungen sind niedrig.
Wertpapierhändler in Frankfurt: Anleger schalten in den Rückwärtsgang

Wertpapierhändler in Frankfurt: Anleger schalten in den Rückwärtsgang

Foto: REUTERS

Frankfurt am Main - Die Hoffnung der Anleger auf eine Fortsetzung des Dax-Höhenflugs von September dürfte in der neuen Woche enttäuscht werden. Analysten schließen für die erste Oktoberwoche weitere Kursverluste nicht aus, nachdem die europäischen Aktienmärkte bereits in der vergangenen Woche den Rückwärtsgang eingelegt haben.

"Der Auftrieb, den die Börsen zuletzt bekommen haben, lässt nach. Man wendet sich wieder der Realwirtschaft zu und da werden eher schlechtere Daten erwartet", sagt Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. "Ich erwarte zwar keinen großen Rückgang, aber die Kurse könnten schon etwas abbröckeln, denn es war zuletzt sehr viel Euphorie im Markt."

Im September hat der Dax  um 3,5 Prozent zugelegt, unterstützt vor allem durch Hilfszusagen der Europäischen Zentralbank (EZB) für klamme Euroländer und weitere geldpolitische Lockerungen der US-Notenbank Fed. In der zu Ende gehenden Woche allerdings büßte der Leitindex bis zum Freitagmittag 3,2 Prozent ein.

Auch die Aktienstrategen der Landesbank Berlin sind vorsichtig: "Insgesamt dürfte eine schwierige Woche vor uns liegen." Zu den konjunkturellen Risiken könnten sich auch politische Risiken gesellen, wie etwa die Unsicherheit über einen Hilfsantrag Spaniens oder der ausstehende Troika-Bericht zu Griechenland. Rahn sieht weitere Gefahren für den Aktienmarkt in der näher rückenden Berichtssaison. "Da könnte es noch die eine oder andere Prognosesenkung geben", warnt er.

Niedrige Erwartungen an Notenbanken

Bereits in den vergangenen Tagen häuften sich die Aussagen von Unternehmen, die alles andere als zuversichtlich in die Zukunft schauen, darunter der Autokonzern Daimler , der Chiphersteller Infineon  und die Fluggesellschaft Lufthansa . Der Startschuss für die Bilanzsaison fällt allerdings erst in der zweiten Oktoberwoche, wenn in den USA der Aluminiumkonzern Alcoa  traditionell als erster Großkonzern seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsquartal vorstellt.

In der neuen Woche strotzt der Terminkalender nur so vor Terminen von Notenbanken. Am Donnerstag trifft sich der Rat der EZB in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana, um erneut über die Zinsen in der Eurozone zu beraten. Am gleichen Tag wird außerdem das Protokoll zum letzten Treffen des Offenmarktausschusses der Fed erwartet und die Bank of England berät ebenfalls über die Leitzinsen. Am Freitag verkündet dann die japanische Notenbank ihren Zinsentscheid.

Die EZB werde wohl keine weiteren Maßnahmen beschließen und auch Details zum im September angekündigten Anleihenkaufprogramm seien nicht zu erwarten, schrieben die Analysten der Commerzbank. "Erst mal abwarten", betitelten sie den Ausblick auf die EZB-Sitzung.

Während von den Notenbanken kaum Impulse für die Aktienmärkte erwartet werden, könnten eine Reihe von Konjunkturdaten in der ersten Oktoberwoche die Kurse bewegen. Am Montag steht aus den USA der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe an, am Mittwoch folgt sein Pendant für den Dienstleistungssektor, am Freitag wird der stets mit Spannung erwartete monatliche Arbeitsmarkbericht erwartet.

Glänzendes Quartal an der Wall Street

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten gehen davon aus, dass im September in der weltgrößten Volkswirtschaft 120.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft geschaffen wurden, nach 96.000 im Vormonat. "Dieses Tempo reicht nicht aus, um die Arbeitslosigkeit zu verringern", stellt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz fest. Aus Deutschland wird unter anderem am Montag der Einkaufsmanagerindex für die Industrie erwartet. Am Mittwoch wird in Deutschland trotz des Tages der Deutschen Einheit an den Börsen gehandelt.

Für Dienstag hat der Versicherungskonzern Talanx seine Erstnotiz an der Börse angekündigt. Das wäre der erste große Börsengang in Deutschland in diesem Jahr. Für Talanx wäre es der zweite Anlauf: Mitte September hatte der Konzern den geplanten Börsengang abgesagt.

US-Wahlkampf im Blickfeld der Anleger

Die Wall Street hatte am Freitag zwar ein glänzendes Quartal, am letzten Handelstag des Vierteljahres sowie auf Wochensicht aber Verluste verbucht. Die Gewinne in den vergangenen drei Monaten resultierten weitgehend aus der Hoffnung der Anleger auf Konjunkturstützen der Zentralbanken, so dass die Investoren auch in den nächsten Tagen ihr Augenmerk auf die Federal Reserve, die EZB, die Bank of England und die japanische Notenbank richten werden.

Wenige Wochen vor der US-Präsidentenwahl rückt auch die Politik verstärkt ins Blickfeld der Anleger. Der demokratische Amtsinhaber Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney treffen am Mittwoch zu ihrem ersten Rededuell aufeinander. Obama führt in den Umfragen, und nach Einschätzung des Investmentstrategen Jack de Gan von Harbor Advisory Corp liegt die Latte für Romney sehr hoch.

Allerdings sei die Bedeutung der Kandidaten-Debatte für die Märkte vergleichsweise gering: Sollten am Donnerstag irgendwelche Nachrichten aus Europa zu Spanien oder der EZB kommen, wäre das Rededuell von Mittwochabend auf dem Parkett schon vergessen.

mahi/rtr
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