Mittwoch, 18. September 2019

Nach ESM-Urteil Dax gibt Großteil der Gewinne ab

Börse in Frankfurt: Der Dax gibt im späten Handel einen Teil der Gewinne wieder ab

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum ESM hat den Dax zeitweise über die Marke von 7400 Punkten und auf den höchsten Stand seit 14 Monaten getrieben. Doch im späten Handel legt sich die Euphorie, die Gewinne bröckeln.

Frankfurt am Main - Das Karlsruher Urteil zum Euro-Rettungsschirm ESM hat an Europas Börsen am Mittwoch zeitweise für Kurssprünge gesorgt. In Frankfurt am Main kletterte der Dax unmittelbar nach der Urteilsverkündung um 1,4 Prozent auf ein 14-Monats-Hoch bei 7410 Zählern. Doch im späten Handel legte sich die Euphorie, der Dax notierte zum Handelsschluss auf Xetra nur noch 0,4 Prozent im Plus und ging bei 7343 Zählern aus dem Handel.

Auch der Euro Börsen-Chart zeigen hat am Mittwoch auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts mit Aufschlägen reagiert. Die Gemeinschaftswährung stieg bis auf 1,2906 US-Dollar. Das ist der höchste Stand seit Mitte Mai.

Kursgewinne in den USA - Treffen der Fed beginnt

In den USA notierte der Dow Jones Börsen-Chart zeigen zum Handelsschluss in Deutschland noch 0,2 Prozent fester. Der Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen stieg um 13 Punkte auf 2792 Zähler. Anleger erwarten zudem die Vorstellung des neuen iPhone 5 von Apple Börsen-Chart zeigen - die Präsentation soll um 19 Uhr deutscher Zeit in San Francisco beginnen.

In den USA richten sich die Blicke außerdem auf ein am (heutigen) Mittwoch beginnendes Treffen der Nationalbank, von dem neue Maßnahmen erwartetet werden, um die schwächelnde US-Konjunktur zu beleben.

Erleichterung in Deutschland und Europa

Trotz der Erleichterung nach dem Urteil der Karlsruher Richter bleiben einige Experten skeptisch. "Aktien aus anderen Euro-Ländern, vor allem vereinzelte Titel, haben nun sicherlich großes Aufholpotenzial", sagt Markus Zschaber, Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltung, gegenüber manager magazin online. "Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass bei einer erneuten Zuspitzung der Krise, diese egal ob gesund oder nicht überproportionale Kursschwankungen durchlaufen."

Stefan Hölscher von der Stubenrauch & Hölscher Fondsberatung sagt: "Nach meiner Einschätzung ist der Befreiungsschlag nicht von langer Dauer. Zunächst werden dadurch voraussichtlich die kurzfristigen Kreditzinsen für einige Peripherie-Länder deutlich sinken. Langfristig entscheidend ist jedoch, ob die Peripherie-Länder mit Strukturreformen insbesondere im Bereich Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und Bürokratieabbau vorankommen."

Commerzbank legt zu, Deutsche Bank gibt nach

Zu den Favoriten des Tages zählten erneut die Finanzwerte. Der Branchenindex der Banken aus der Euro-Zone gewann 0,9 Prozent. Aktien der deutschen Commerzbank Börsen-Chart zeigen waren mit einem Plus von rund 7 Prozent stärkster Wert im Dax, gefolgt von den Aktien von Volkswagen mit einem Plus von 2,3 Prozent.

Die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen gaben dagegen bis Xetra-Schluss 0,5 Prozent nach. Die Titel hatten in den vergangenen drei Handelstagen bereits mehr als 15 Prozent zugelegt.

Auch die Aktien von K+S sind am Mittwoch infolge eines Presseberichts ins Minus gerutscht. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, der Salz- und Düngemittelproduzent wolle sich auf dem Weltmarkt für Kaliumchlorid auch in Zukunft allein behaupten. "In der Rolle des kleineren, dafür aber unabhängigen Anbieters fühlen wir uns durchaus wohl", sagte Konzernchef Norbert Steiner gegenüber der Zeitung.

Renditen in Spanien und Italien sinken

Für spanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit sanken die Zinsen am Mittwoch auf 5,599 Prozent. Am Dienstag hatten sie noch bei 5,694 Prozent geschlossen. Die Rendite für zweijährige Anleihen sanken von 2,953 Prozent auf 2,854 Prozent. In Italien sanken die Zinsen für zehnjährige Anleihen von 5,079 Prozent auf 5,044 Prozent. Bei zweijährigen Anleihen verringerten sich die Renditen von 2,310 Prozent auf 2,259 Prozent.

Der ESM soll künftig auch Staatsanleihen direkt von kriselnden Euro-Staaten kaufen können. Dadurch soll der Rettungsschirm Zinsdruck von diesen Ländern nehmen können. Staatsanleihen sind im Kern Schuldscheine, mit denen sich Länder gegen Zins bei Anlegern Geld besorgen, um ihre Staatsausgaben oder auch alte Schulden zu finanzieren.

Ölpreis fällt - US-Lagerbestände legen zu

In den USA sind die Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche gestiegen. Die Öl-Reserven seien um 2,0 Millionen Barrel (je 159 Liter) auf 359,1 Millionen Barrel geklettert, teilte das US-Energieministerium am Mittwoch in Washington mit. Die Benzinbestände verringerten sich hingegen um 1,2 Millionen auf 197,7 Millionen Barrel.

Die Destillate-Vorräte (Heizöl, Diesel) stiegen um 1,5 Millionen auf 128,6 Millionen Barrel. Der Preis für US-Öl rutschte nach Veröffentlichung der Daten auf ein Tagestief bei 96,31 Dollar je Barrel.

got/apd/dpa/dpa-afxp/reuters

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