Kurssprung Börsianer feiern EZB-Entscheid

Kurssprung im Dax: Börsianer reagieren mit Käufen auf die Entscheidung der EZB. Der deutsche Leitindex legt im späten Handel um knapp 3 Prozent zu.
Dax-Kurve an der Frankfurter Börse: Anleger erhoffen sich Einzelheiten zu den umstrittenen Anleihekäufen der EZB

Dax-Kurve an der Frankfurter Börse: Anleger erhoffen sich Einzelheiten zu den umstrittenen Anleihekäufen der EZB

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Die Bestätigung unbegrenzt möglicher Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat dem Dax (Kurswerte anzeigen) einen Kurssprung beschert. Zudem sorgten gute US-Konjunkturdaten dafür, dass der deutsche Leitindex 2,91 Prozent höher bei 7167 Punkten schloss - zum bisherigen Jahreshoch bei 7194 Punkten aus dem März fehlen ihm damit weniger als 30 Punkte. Zu den größten Gewinnern gehörten Finanztitel.

"Die Anleger freuen sich, dass sie das bekommen haben, was sie wollten", fasste Jörg Rahn, Marktstratege von Marcard, Stein & Co, die Stimmung zusammen. Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus sagte: "Die erhofften Punkte hat Draghi alle ziemlich klar angesprochen." Ein nun möglich gewordenes, koordiniertes Vorgehen von EZB und Regierungen sei dazu geeignet, die Märkte für längere Zeit zu beruhigen.

Auch an den US-Börsen sorgte die Entscheidung der EZB für Euphorie. Der US-Leitindex Dow Jones (Kurswerte anzeigen) legte bis zum Xetra-Schluss in Deutschland um mehr als 200 Punkte (1,8 Prozent) auf 13.280 Zähler zu. Der EuroStoxx 50 (Kurswerte anzeigen)gewann zwischenzeitlich sogar 2,8 Prozent auf 2511 Zähler. Der Leitindex im hoch verschuldeten Spanien kletterte um 3,7 Prozent, in Mailand legte der Index um 2,8 Prozent zu. Spanische und italienischen Anleihen zogen kräftig an.

Sorge um Gewinnwarnung belastet Deutsche Börse

Unter den Einzelwerten büßten die Aktien der Deutschen Börse (Kurswerte anzeigen) als Dax-Schlusslicht 1,36 Prozent ein. Nach zuletzt sehr schwachen Handelszahlen für den August kursieren am Markt Gerüchte, dass der Börsenbetreiber sein Ergebnisziel für das Gesamtjahr möglicherweise nicht halten kann. Die Prognose galt allerdings nach dem jüngsten Quartalsbericht bereits als unsicher.

Dagegen stiegen die Lufthansa -Aktien  ungeachtet weiterer Streikankündigungen um überdurchschnittliche 1,47 Prozent auf 9,792 Euro. Sie hatten wegen des Ausstands des Kabinenpersonals an den zwei vorangegangenen Tagen leicht an Wert eingebüßt.

Für den Freitag strich die Fluggesellschaft knapp 1000 der ursprünglich rund 1800 geplanten Flüge und zeigte sich laut "Financial Times Deutschland" erstmals offen für eine Schlichtung. Allerdings nur in der Tariffrage, wie die Zeitung berichtet. Vom wesentlichen Punkt, den neuen niedrigeren Entlohnungsstrukturen für das Kabinenpersonal, will sie nicht abrücken. Diese Strukturen sind jedoch die Ursache, weshalb die Gewerkschaft Ufo mit den Streiks begonnen hatte.

Solarwerte profitieren von EU-Verfahren

Im MDax  legten die Aktien des Verkehrstechnikkonzerns Vossloh (Kurswerte anzeigen) um 2,58 Prozent zu. Sie profitierten davon, dass die chinesische Regierung ein umfangreiches Infrastrukturprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft beschloss. Ein Börsianer sah in der Nachricht angesichts der Bedeutung des chinesischen Marktes für Vossloh und der jüngsten Probleme dort ein positives Signal.

Bei den Technologiewerten profitierten die Solarworld -Papiere  mit plus 4,63 Prozent von der Einleitung eines EU-Dumpingverfahrens gegen die chinesische Solarbranche. Die EU-Kommission reagierte damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Europaweit zählten Erneuerbare-Energien-Aktien zu den Favoriten der Anleger. Für die Papiere des Windturbinenbauers Nordex (Kurswerte anzeigen) ging es um 3,65 Prozent hoch. Auch die Titel des norwegischen Photovoltaikkonzerns Renewable Energy sowie der Nordex-Rivalen Vestas (Kurswerte anzeigen) und Gamesa (Kurswerte anzeigen) verzeichneten deutliche Gewinne. Nach dem "desaströsen Kursverlauf" vieler Titel aus diesem Bereich seien nun die ersten Schnäppchenjäger unterwegs, kommentierte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade.

Euro reagiert kaum, Ölpreise legen zu

Der Euro  profitierte dagegen wenig und notierte bei 1,2591 Dollar auf dem Niveau vom Vortag. Analysten zufolge hatten Devisenanleger das Anleihenkaufprogramm der EZB schon eingepreist.

Die Ölpreise haben in Erwartung sinkender Ölreserven in den USA zugelegt. Im asiatischen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) mit Auslieferung im Oktober 113,49 Dollar. Das sind 40 Cent mehr als am Vortag. Ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich am Morgen um 49 Cent auf 95,85 Dollar.

Experten erwarten in den USA einen der stärksten Rückgänge der Ölreserven in den vergangenen Wochen. Am Nachmittag werden die neusten Lagerdaten in der größten Volkswirtschaft der Welt veröffentlicht. Ein deutlicher Rückgang der Reserven deutet auf eine steigende Nachfrage in den USA hin und dürfte den Ölpreisen neuen Auftrieb verleihen.

mg/dpa-afx/rtr