Dienstag, 17. September 2019

Kritischer Höhenflug Ölpreis-Rally schockiert Euro-Wirtschaft 

Rohölförderung in den USA: Die aktuelle Euro-Schwäche lässt die Benzinpreise stark anschwellen
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Rohölförderung in den USA: Die aktuelle Euro-Schwäche lässt die Benzinpreise stark anschwellen

Die krisengeplagte Euro-Zone steht vor einer weiteren Herausforderung: Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent bewegt sich in Euro gerechnet auf Rekordniveau. Auch Heizöl kostet wieder viel Geld. Beides kann die Konjunktur mitten in der Krise zusätzlich belasten.

London/Frankfurt am Main - Öl bleibt teuer, und das mitten in der Wirtschaftskrise: Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen lag mit 116,30 Dollar nur einen knappen halben Dollar unter dem Dreimonatshoch des Vortages. Das US-Öl WTI verteuerte sich um 0,1 Prozent auf 94,47 Dollar.

Auch der Heizölpreis hat trotz des Hochsommers wieder den Jahreshöchststand erreicht: Ein Liter kostet weit über 95 Cent, wie der Hamburger Fachdienst EID auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd mitteilte. Damit ist praktisch das Niveau vom März mit 96 Cent erreicht, dem bisherigen Jahresrekord. Noch teurer war es nur Mitte 2008, als der Ölpreis mitten im damaligen Wirtschaftsboom ebenfalls Rekordhöhen erreichte. Am Donnerstag lag der Preis für ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl bei 114 Dollar.

Im aktuellen konjunkturellen Abschwung - die Euro-Wirtschaft ist bereits im zweiten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft, auch wenn sich Deutschlands Wirtschaft mit einem kleinen Plus in Höhe von 0,3 Prozent noch über Wasser hält - kommt diese Entwicklung äußerst ungelegen.

Den wichtigsten Grund für das teure Öl sehen Experten in der Euro-Schwäche. Gegenüber dem Dollar, in der weltweit mit Abstand die meisten Ölgeschäfte abgewickelt werden, hat die europäische Gemeinschaftswährung seit Jahresbeginn um 15 Prozent an Wert eingebüßt. Und Analysten erwarten, dass der Euro Börsen-Chart zeigen vorerst unter Druck bleibt.

Denn die Skepsis der Investoren scheint größer denn je. Zudem müssen am 12. September mit Fiskalpakt und dauerhaftem Rettungsfonds ESM zwei tragende Säulen der künftigen Grundordnung im Euro-Raum das deutsche Verfassungsgericht in Karlsruhe passieren. Bis dahin bleibt die Ungewissheit bei Anlegern hoch. Athanasios Vamvakidis, Währungsexperte der Bank of America, rechnet damit, dass der Euro-Kurs bis zum Jahresende bis auf 1,15 Dollar fällt.

Exporteuren im Euro-Raum kommt der schwächere Euro-Kurs zwar entgegen, da die Produkte dadurch günstiger im Ausland angeboten werden können. Solange sich die globalen Wirtschaftsaussichten jedoch weiter eintrüben, dürfte das ein schwacher Trost sein. Und Verbraucher zahlen einen hohen Preis.

Heizölpreis auf höchstem Stand seit vier Jahren

Wenn der Ölpreis steigt und der Euro-Kurs sinkt, klettern auch die Preise für Ölprodukte wie Benzin und Heizöl in die Höhe. Die Heizölpreise sind am Donnerstag bereits auf den höchsten Stand seit vier Jahren geklettert. Der bundesweite Durchschnittspreis stieg nach Einschätzung einschlägiger Internetportale auf mehr als 95 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern).

Als weitere Ursachen für die jüngsten Anstiege der Rohölpreise gelten das Ölembargo gegen den Iran und abnehmende Lagerbestände in den USA. Zuletzt sorgten weltweite geopolitische Risiken wieder stärker für Preisauftrieb. Spekulanten nutzen unter anderem die Furcht vor einem israelischen Militärschlag gegen den Iran für Wetten auf steigende Ölpreise.

Als weiterer Krisenherd in der Region ist laut Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, Ägypten hinzugekommen. Der neugewählte Präsident hatte zuletzt die Armeeführung entmachtet und den Verteidigungsminister des bevölkerungsreichsten arabischen Landes ausgewechselt. Ägypten ist wegen des Suezkanals ein wichtiges Öltransitland. Dies erklärt laut Weinberg den im Vergleich zu Rohöl der US-Referenzsorte WTI um rund 20 Dollar höheren Brent-Preis.

mg/dpa-afx

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