Aktionärszahl steigt Schuldenkrise treibt Anleger in Aktien

Angesichts mauer Zinsen am Kapitalmarkt und der Unsicherheit durch die Euro-Schuldenkrise werden Aktien für deutsche Anleger wieder attraktiv. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der Aktionäre deutlich zugenommen.
Das Auf und Ab an der Börse: Die eher risikoscheuen Deutschen trauen sich wieder an die Börse

Das Auf und Ab an der Börse: Die eher risikoscheuen Deutschen trauen sich wieder an die Börse

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Frankfurt am Main - Die Zahl der Aktionäre stieg im ersten Halbjahr 2012 um 1,5 Millionen, wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) mitteilte. Das ist eine Steigerung von 17,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und die dritte Zunahme in Folge. Ein noch stärkeres Wachstum war nur im Ausnahmejahr 2000 mit damals 3,6 Millionen neuen Aktienanlegern (43,7 Prozent) zu verzeichnen.

Insgesamt sind laut DAI 10,2 Millionen Deutsche am Aktienmarkt aktiv, dies entspricht 15,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Damit hat die Aktionärsquote in Deutschland fast wieder das Niveau von 2007 erreicht. Gegenüber dem Tiefststand Ende 2010 konnten mehr als zwei Millionen Anleger zurückgewonnen werden.

Ein Großteil der Aktionäre (5,3 Millionen) hält dem DAI zufolge nur Aktienfondsanteile, 2,9 Millionen Menschen investieren direkt in Aktien, die restlichen zwei Millionen besitzen sowohl Fondsanteile als auch Aktien. Überproportional hat auch die Zahl der Belegschaftsaktionäre zugenommen, die seit 2009 um mehr als 700.000 gestiegen ist.

International hinkt Deutschland hinterher

"Die seit der Finanzmarktkrise verloren gegangenen deutschen Anleger, die in Aktien investieren, sind zurückgekehrt", erklärte DAI-Direktor Franz-Josef Leven. Von einer endgültigen Stabilisierung der Aktionärszahlen könne aber noch nicht gesprochen werden.

Verantwortlich für die deutliche Zunahme seien zwei Faktoren. Angesichts der immer noch ungelösten Staatsschuldenkrise in Europa werde die Aktie als Sachwert geschätzt, erklärte Leven. Außerdem seien die Dividendenrenditen von 4 Prozent attraktiv, da mit festverzinslichen Anlageformen meist noch nicht einmal ein Inflationsausgleich erzielt werden könne.

Zu Zeiten des Börsenbooms im Jahr 2001 lag die Zahl der Aktionäre und Fondsbesitzer in Deutschland noch bei fast 13 Millionen. Börsencrash, Kursabstürze und Finanzmarktkrise verunsicherten in der Folge insbesondere viele Kleinanleger nachhaltig. Auch im internationalen Vergleich hinkt Deutschland laut DAI weiter hinterher.

mg/dpa/afp
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