Kurssturz Dax und Bankentitel rauschen in die Tiefe

EZB-Chef Mario Draghi hat die Erwartungen der Investoren enttäuscht und sich nicht konkret zu EZB-Anleihenkäufen geäußert. Dies löst einen Kurssturz europäischer Finanzwerte aus. Der Euro gibt deutlich nach. Der Dax fällt im späten Handel um mehr als 2 Prozent.
Händler in Frankfurt: Der Dax dreht ins Minus

Händler in Frankfurt: Der Dax dreht ins Minus

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Die hohen Erwartungen im Vorfeld der EZB-Sitzung wurden bitter enttäuscht: Nachdem der Dax  zu Beginn der EZB-Pressekonferenz noch deutlich angezogen war, bröckelte er im weiteren Verlauf ab und drehte schließlich immer stärker ins Minus.

Im späten Handel verzeichnete der deutsche Leitindex Dax einen Abschlag von 2,2 Prozent und schloss auf Xetra nur noch knapp über der Marke von 6600 Zählern. Der spanische Leitindex stürzte zeitweise um mehr als 5 Prozent ab.

Der Euro (Kurswerte anzeigen) büsste seine Gewinne ebenfalls wieder ein und fiel zurück auf 1,2195 Dollar. Der Bund-Future legte dagegen deutlich zu auf ein Plus von 110 Ticks bei 144,57 Punkten.

Verluste auch an der Wall Street

An der Wall Street weitete der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) seine Verluste aus. Als Reaktion auf die Nachrichten von der EZB notierte er zum Xetra-Schluss in Deutschland 1,1 Prozent schwächer bei 12.838 Punkten. Der Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) verlor 0,8 Prozent auf 2887 Zähler.

"Draghi hat nichts gesagt, was aufregend war, und uns vorgeführt wie einen Haufen Trottel beim Poker", zeigte sich Todd Schoenberger von der BlackBay Group in New York verärgert. "Die Investoren und die Händler sind sauer."

Bei den Einzelwerten standen Aktien von General Motors im Interesse der Anleger. Der Opel-Mutterkonzern verdiente im Frühjahrsquartal deutlich mehr als erwartet. Allerdings schreibt die Europatochter wegen der Krise tiefrote Zahlen. Die Aktie von General Motors  verlor 2,2 Prozent.

Papiere des Cornflakes-Herstellers Kellogg wurden mit einem Plus von 2,8 Prozent gehandelt. Das Unternehmen kämpft zwar mit einem Umsatz-Rückgang in Europa. Dieser fiel im zweiten Quartal aber geringer als im ersten. Der Konzern hielt zudem an seinen Jahreszielen fest.

Bankentitel stürzen ab - Deutsche Bank sehr schwach

Der Brachenindex der Finanz-Institute der Euro-Zone brach um 4,6 Prozent ein, nachdem er unmittelbar vor der Pressekonferenz des EZB-Chefs Mario Draghi noch drei Prozent fester notiert hatte

"Die Enttäuschung ist groß, dass die EZB nun doch nicht direkt mit Staatsanleihen-Käufen in den Markt eingreift", sagte Rainer Sartoris, Volkswirt bei HSBC Trinkaus. "Das heißt aber nicht, dass die EZB in der Euro-Krise keine aktivere Rolle einnehmen will."

Im europäischen Vergleich verloren die spanischen Institute Banco Sabadell und Banco Popular mit Verlusten von 7,7 beziehungsweise 8,4 Prozent am stärksten. Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen) gaben 4 Prozent und Commerzbank  zeitweise rund 6 Prozent nach.

Renditen für spanische Anleihen ziehen wieder an

Die Renditen spanischer und italienischer Anleihen zogen an. Die Rendite spanischer zehnjähriger Papiere kletterte auf 6,880 Prozent, die italienischer Bonds auf 6,168 Prozent. "Die Enttäuschung ist groß, dass die EZB nun doch nicht direkt mit Staatsanleihenkäufen in den Markt eingreift", sagte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus.

Eugen Keller vom Bankhaus Metzler sagte: "Was enttäuscht, ist die mangelnde Konkretheit von EZB-Chef Mario Draghi. Die Märkte haben auf präzise Angaben gehofft, was die EZB nun künftig tun wird - doch die hat die Zentralbank nicht geliefert."

la/reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.