Börse Dax beendet viertägige Gewinnserie

Nach vier Tagen mit deutlichen Kursgewinnen schließt der Dax hauchdünn im Minus. Auch die US-Börsen geben im Vorfeld des Notenbanktreffens leicht nach. Deutliche Gewinne verbuchen die Aktien von Infineon und Bayer.
Börse in Frankfurt: Der Dax hat zeitweise die Marke von 6800 Zähler überschritten

Börse in Frankfurt: Der Dax hat zeitweise die Marke von 6800 Zähler überschritten

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Der Dax  hat am Dienstag seine vier Tage andauernde Gewinnserie unterbrochen. Der Leitindex ging mit einem hauchdünnen Minus von 0,1 Prozent bei 6772 Punkten aus dem Handel, nachdem er zuvor schon um bis zu 0,9 Prozent gestiegen war.

Börsianer begründeten das Schwinden der Aufschläge mit einsetzenden Gewinnmitnahmen, nachdem das Kursbarometer seit dem Zwischentief am Donnerstag in der Spitze um mehr als 8 Prozent zugelegt hatte. Am Dienstag Morgen war der Dax zunächst erstmals seit Anfang Mai wieder über 6800 Punkte gestiegen.

Die übrigen Indizes schlossen etwas tiefer im Minus: Belastet von deutlichen Kursverlusten bei einigen Einzelwerten verlor der MDax (Kurswerte anzeigen) 1,00 Prozent, und der TecDax (Kurswerte anzeigen) gab 0,3 Prozent auf 777 Punkte nach.

EZB, Fed und BoE entscheiden über weiteren geldpolitischen Kurs

Auch an der Wall Street starteten die Indizes verhalten. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) notierte zum Xetra-Schluss in Deutschland knapp im Minus bei 13.021 Punkten.

Vor dem Beginn des Treffens der US-Notenbank warten Investoren zunächst einmal ab. Experten zufolge hoffen einige Anleger auf ein weiteres umfassendes Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen. Die Mehrheit rechne aber erst im September mit entsprechenden Maßnahmen.

Am Mittwoch und Donnerstag werden mit der Europäischen Zentralbank (EZB), der US-Notenbank Fed und der Bank of England drei der weltweit führenden Notenbanken ihre geldpolitischen Entscheidungen bekanntgeben.

Neues iPhone im September: Apple legt zu

Bei Apple (Kurswerte anzeigen) sorgte die Vorfreude auf das neue iPhone für Kursgewinne von rund 2 Prozent. US-Medien zufolge wird der Konzern das neue Modell am 12. September vorstellen. Im vergangenen Quartal sackten schon die Verkäufe des aktuellen iPhone 4S ab, weil viele Kunden lieber das nächste Modell abwarten wollten.

Die Titel von Seagate Technology büßten hingegen mehr als 8 Prozent an Wert ein, nachdem der Spezialist für Festplatten und Bandlaufwerke mit seinem Umsatzausblick für das erste Geschäftsquartal enttäuscht hatte.

Zahlenflut: Infineon, Bayer und Metro mit Gewinnen

Am deutschen Markt steht die Berichtssaison im Blickpunkt. Zahlreiche Unternehmen aus der ersten und zweiten Reihe haben ihre Geschäftszahlen vorgelegt.

Die Aktien von Infineon (Kurswerte anzeigen) sprangen mit einem Plus von zeitweise knapp 10 Prozent an die Dax-Spitze. Der Chiphersteller habe beim Umsatz und der operativen Marge (Ebit) im dritten Geschäftsquartal seine Erwartungen übertroffen, kommentierte DZ-Bank-Analyst Dirk Schlamp.

Nach Zahlenvorlage sehr fest präsentierten sich auch die Papiere des Handelskonzerns Metro (Kurswerte anzeigen) und des Pharmakonzerns Bayer (Kurswerte anzeigen) . Der Pharma- und Chemiekonzern hatte nach einem operativ starken zweiten Quartal die Prognose für das Gesamtjahr erhöht. Beim Handelskonzern Metro war es dagegen nicht zu der von Analysten befürchteten Prognosesenkung gekommen.

Deutsche Bank setzt 1500 Investmentbanker vor die Tür

Mit ihrem endgültigen Quartalsergebnis sorgte die Deutsche Bank  zunächst einmal für Enttäuschung unter Anlegern. Die Aktie rutschte zunächst um bis zu 2,1 Prozent ab. Nach Bekanntgabe drastischer Einsparungen notierte sie zeitweise 4,6 Prozent im Plus und schloss schließlich auf Xetra 0,1 Prozent fester bei 24,88 Euro.

"Der entscheidende Punkt ist, dass drei Milliarden Euro eingespart werden sollen", sagte ein Börsianer. "Erwartet wurden zwei Milliarden." Im Rahmen ihrer Schrumpfkur will die Deutsche Bank knapp 2000 Mitarbeiter vor die Tür setzen, darunter 1500 hoch bezahlte Banker aus dem Bereich Investmentbanking.

Im Bankensektor notierten Commerzbank (Kurswerte anzeigen) nach vorläufigen Zahlen kaum verändert. Das Institut verhinderte im zweiten Quartal einen weiteren Gewinneinbruch. Zudem verkauft das Kredithaus die ukrainische Tochter Bank Forum. Die Verkaufsankündigung sei ein Beispiel dafür, dass der Aufsichtsrat gewillt sei, falsche Entscheidungen des früheren Managements zu korrigieren, sagten Händler. Dies sei positiv.

Die Anteilsscheine von HeidelbergCement (Kurswerte anzeigen)waren das Dax-Schlusslicht, obwohl der Baustoffkonzern im zweiten Quartalvor allem dank seines Sparkurses und Preiserhöhungen einen Gewinnzuwachs verzeichnet hatte.

Fiat und BP enttäuschen Anleger

An der Londoner Börse standen BP unter hohem Verkaufsdruck, nachdem der Ölkonzern wegen milliardenschwerer Abschreibungen einen Quartalsverlust bekanntgegeben hatte. "Selbst wenn man diese Abschreibungen herausrechnet, sind die Ergebnisse deutlich schlechter als erwartet", monierten die Analysten von RBC Capital Markets. BP fielen um 4,4 Prozent auf 426,8 Pence.

In Mailand fielen Fiat  trotz eines Handelsgewinns über Markterwartungen um 4,4 Prozent auf vier Euro. Anleger seien enttäuscht von der stagnierenden Gewinnmarge der US-Sparte Chrysler, sagten Börsianer.

SGL Carbon senkt Ausblick

Im MDax (Kurswerte anzeigen) rutschten die Titel der SGL Group (Kurswerte anzeigen) mit minus 3,36 Prozent auf den vorletzten Platz. Der Kohlenstoffspezialist hatte wegen schwacher Nachfrage für Karbonfasern seinen Jahresausblick gesenkt. Das Unternehmen habe immer versucht, die Karbonsparte als Wachstumsgeschäft zu positionieren, doch nun habe der Bereich die Erwartungen ein weiteres Mal verfehlt, sagte ein Händler.

Öl und Euro notieren kaum verändert

Notenbankentscheidungen dieser Woche haben sich die Anleger am Renten- und Devisenmarkt am Dienstag zunächst zurückgehalten. Der Euro (Kurswerte anzeigen) notierte mit Kursen um 1,2260 Dollar auf dem Vortagesniveau (EZB-Referenzkurs: 1,2246 Dollar).

Der Bund-Future profitierte von der Verunsicherung der Marktteilnehmer und kletterte um 46 Ticks auf 143,85 Punkte. Die Renditen der zehnjährigen spanischen und italienischen Anleihen zogen leicht an. "Es gibt etwas Skepsis, einige fürchten, Draghi könnte vorige Woche zu viel Hoffnung geschürt haben", sagte ein Händler. Der EZB-Chef hatte in London erklärt, die Europäische Zentralbank sei innerhalb ihres Mandats bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten. "Und glauben Sie mir, das wird reichen", hatte er hinzugefügt.

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) wurde zuletzt nahezu unverändert notiert. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Dienstag kostete ein Barrel (159 Liter) am Montag im Durchschnitt 102,94 US-Dollar. Das waren zwei Cent mehr als am Freitag. Die Opec berechnet ihren durchschnittlichen Ölpreis täglich auf Basis von zwölf wichtigen Sorten des Kartells.

rei/dpa/rtr
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