Donnerstag, 2. April 2020

EU-Kommissar Andor "Eurobonds sind einziger Krisen-Ausweg"

Laszlo Andor: "Was ich immer sage: Entweder die jetzige Krise - oder die nächste - wird uns Eurobonds bringen."

Da kann Angela Merkel noch so laut Nein sagen - in Brüssel wollen die Rufe nach Eurobonds einfach nicht verstummen. EU-Sozialkommissar László Andor hält die Anleihen für unverzichtbar im Kampf gegen die Krise. Dadurch würden Europas Rentensysteme gestützt.

Brüssel - EU-Sozialkommissar Laszlo Andor sieht Eurobonds angesichts neuer negativer Ratingausblicke für Europa als einzigen Ausweg aus der Krise. Gemeinsame Anleihen der Euro-Staaten seien "die einzig wirklich sichere Anlageform", um die europäischen Sozial- und Rentensysteme zu sichern, sagte Andor in Brüssel. Die Einführung der "Stabilitätsanleihen", wie die EU-Kommission ihre Modelle für die Bonds offiziell nennt, sei unumgänglich. "Was ich immer sage: Entweder die jetzige Krise - oder die nächste - wird uns Eurobonds bringen."

Bei Eurobonds, die Kanzlerin Angela Merkel strikt ablehnt, würden sich die Zinsen für Deutschland erhöhen - aus Sicht der Finanzmärkte ist die Bundesrepublik ein verhältnismäßig solider Schuldner. Hoch verschuldete Staaten wie Griechenland oder Spanien kämen über die Eurobonds am Kapitalmarkt hingegen deutlich billiger an Geld.

Der Ungar Andor, der in der EU-Kommission für die Bereiche Arbeit und Soziales zuständig ist, verglich die Eurozone mit dem wiedervereinigten Deutschland 1990. "Wenn es eine Währungsunion gibt, in der Länder ihre Wechselkurspolitik aufgeben, dann wird dies zu erheblichen fiskalischen Transfers führen." Im Zuge der Wiedervereinigung habe es Großinvestitionen in Ostdeutschland gegeben, dadurch sei die deutsche Staatsverschuldung beträchtlich gestiegen. Andor deutete damit an, dass die Bundesrepublik wie schon im Zuge der Wiedervereinigung finanzielle Lasten auf sich nehmen müsse, um einem wirtschaftlich schwächeren Teil Europas zu helfen.

Der Ökonom Andor war vor seinem Wechsel zur EU-Kommission Wirtschaftsberater der ungarischen Sozialisten sowie später Vorstand der Osteuropabank. Er bedauerte, dass die EU-Mitgliedstaaten keine Lehren aus der jüngsten Vergangenheit gezogen hätten. Die EU-Staaten würden sich durch die aktuelle Krise nur "durchwurschteln". Den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) lobte er hingegen als "sehr innovativ". Dadurch habe die EU mehr Zeit bekommen, "um eine richtige, nachhaltige Lösung zu finden".

<i>Joachim Weidemann, dpa</i>

oa/dpa

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