Dienstag, 17. September 2019

"Alles tun für den Euro-Erhalt" EZB-Chef Draghi katapultiert Welt-Börsen in die Höhe

EZB-Chef Mario Draghi: Emotionale Angriffserklärung des Italieners

Es war ein emotionaler Moment und ein aufsehenerregender Auftritt: EZB-Chef Mario Draghi hat mit einer Brandrede die Börsen weltweit zu einem Kurssprung getrieben. Die Notenbank werde alles tun, um den Euro zu erhalten, kündigte der Banker an. Das folgende Kursfeuerwerk erfasste auch den Euro-Kurs.

London - Inmitten großer Sorgen über die Finanzlage Spaniens hat EZB-Präsident Mario Draghi Erwartungen auf ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) geweckt. "Die EZB ist bereit, alles Notwendige zum Erhalt des Euro zu tun", sagte Draghi am Donnerstag. Wörtlich fügte er hinzu: "Und glauben Sie mir - es wird ausreichen."

An Europas Börsen stiegen daraufhin die Aktienkurse: Der deutsche Aktienleitindex Dax Börsen-Chart zeigen schoss zwischenzeitlich um 3 Prozent in die Höhe, schloss schließlich mit einem Gewinn von 2,8 Prozent bei 6582,96 Zählern. Der Europa-Index EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen legte um starke 4,0 Prozent zu, Frankreichs CAC 40 Börsen-Chart zeigen ebenfalls um 4,0 Prozent, der Londoner Leitindex FTSE 100 Börsen-Chart zeigen notierte 1,7 Prozent im Plus, der ATX in Österreich kletterte um 3,5 Prozent auf 1963,76 Stellen - und besonders stark ging es natürlich an den Euro-Krisenbörsen in die Höhe: In Mailand und Madrid stiegen die Notierungen sogar um rund 4,5 und 4,9 Prozent. Besonders Bankaktien gewannen an Wert.

Mehr noch, auch in New York gingen die Kurse in die Höhe: Zuletzt rückte der Dow Jones Industrial Börsen-Chart zeigen um 1,35 Prozent auf 12.847,17 Punkte vor, alle 30 Dow-Werte notierten im Plus. Auch der Euro-Kurs reagierte: Am Nachmittag erreichte der Euro Börsen-Chart zeigen ein Tageshoch von 1,2330 Dollar. Vor den Aussagen von Draghi hatte er lediglich 1,2118 Dollar gekostet.

Draghi deutete an, dass die Frankfurter Währungshüter erneut auf dem Markt für Staatsanleihen eingreifen könnten. Es gehöre zum Mandat der EZB, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen "unter Kontrolle zu halten", sagte Draghi. Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici begrüßte die Aussagen des EZB-Chefs als "durchweg positiv".

Zitterprämie für Spaniens Staatsanleihen gesunken

Um die Euro-Zone zu stabilisieren, haben die Frankfurter Euro-Banker bereits mehrfach Staatschulden schlingernder Euro-Länder wie Spanien aufgekauft, um deren Zinslast zu mindern. Zuletzt war die EZB im März auf diese Art aktiv geworden. Die Äußerungen Draghis dürften nun besonders in Madrid mit Erleichterung aufgenommen worden sein.

Die Risikoaufschläge für zehnjährige spanische Staatsanleihen sanken nach den Äußerungen Draghis erstmals seit dem 19. Juli wieder unter den bedrohlichen Schwellenwert von sieben Prozent - nachdem sie noch am Mittwoch das höchste Niveau seit Gründung der Eurozone erreicht hatten. Ab einer Marke von sieben Prozent gilt die Zinslast als dauerhaft nicht tragbar.

Zwar hatte die Euro-Gruppe erst vor knapp einer Woche ein Hilfsprogramm in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro für die angeschlagenen spanischen Banken endgültig beschlossen. Seitdem war das als möglicher Kandidat für eine Flucht unter den Euro-Rettungsschirm geltende Land jedoch massiv unter Druck geraten.

In der Euro-Zone wird deshalb einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge erwogen, über den Euro-Rettungsfonds EFSF spanische Staatsanleihen aufzukaufen, um die Zinsen zu drücken. "Falls Madrid einen Antrag stellt, sind wir bereit zu handeln", sagte ein EU-Diplomat dem Blatt.

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