Montag, 22. Juli 2019

Südeuropäische Aktien Stunde der Schnäppchenjäger

Alles muss raus: Die Finanzkrise eröffnet Chancen für Anleger - allerdings müssen sie feste Nerven haben
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Alles muss raus: Die Finanzkrise eröffnet Chancen für Anleger - allerdings müssen sie feste Nerven haben

Die Euro-Krise erschüttert das Vertrauen der Investoren. Dabei kamen in den vergangenen Monaten auch viele Spitzenwerte aus den südeuropäischen Krisenländern unter die Räder. Antizyklische Investoren nutzen jetzt die Gunst der Stunde.

Hamburg - Europa arbeitet fieberhaft an der Lösung seines Schuldenproblems. Doch noch immer fehlt es aus Sicht der Finanzmärkte an einem durchgehenden Gesamtkonzept. Mal hier ein Wachstumspaket, dort eine mögliche Bankenunion: Die Finanzmärkte zweifeln noch immer an der Therapie der Euro-Chefs. Sie sehen in den Aktionen lediglich Notoperationen, die dem Patienten langfristig nicht wieder auf die Beine helfen. Dabei gibt es Grund zur Hoffnung: Den Euro-Ländern bleibt kein anderer Weg als den einer fortgesetzten europäischen Integration mit einer Fiskalunion.

Die Alternative ist das Scheitern der europäischen Währungsunion, das in allen Ländern mit hohen Kosten, einem Erdbeben auf den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft verbunden wäre. Daran ist kein einziges Land aus der Eurozone interessiert. "Spätestens wenn der politische Wille für eine stärkere Integration der Mitgliedsstaaten vorhanden ist, wird die Europäische Zentralbank wohl bis zum Äußersten gehen und eine quantitative geldpolitische Lockerung nach US-amerikanischem, britischem oder japanischem Vorbild betreiben", sagt Harald Preißler, Chefvolkswirt und Leiter Anlagemanagement beim Anleihemanager Bantleon. Dann ist der Applaus der Finanzmärkte gewiss.

Hoffen auf die Beruhigung

Für mutige Investoren bieten sich bereits schon jetzt attraktive Kaufgelegenheiten: "Die Krisen in Spanien und Griechenland haben die zyklische Erholung in der Eurozone unterbrochen. Wir gehen davon aus, dass sich die Eurokrise im zweiten Halbjahr beruhigt und im Zuge dessen der außenwirtschaftliche Rückenwind wieder stärker zum Tragen kommt", betont Preißler.

Auch Uwe Zöllner, Head of Pan-European Equity bei Franklin Templeton und Manager des Franklin European Dividend Fund, ist optimistisch. Seine Grundannahme: "Wir sind auf dem richtigen Pfad und erleben strukturelle Reformen, die langfristig Früchte tragen." Die Debatte erinnert stark an die Diskussionen in der Bundesrepublik vor zehn Jahren, als Deutschland als der "kranke Mann" Europas galt. "Reformen gehen nicht über Nacht, sondern brauchen Zeit. Auch in Deutschland hat sich die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte und die Reform der Sozialsystem über drei bis vier Jahre hingezogen", betont Zöllner. Auch Spanien muss jetzt erst die Probleme auf dem Arbeitsmarkt lösen und wieder an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen.

Die Krise hat die europäischen Aktienmärkte hart getroffen. Die Bewertungen befinden sich auf niedrigem Niveau. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Unternehmen aus dem Aktienindex MSCI Europe ist auf 11,8 gefallen, in USA notieren Unternehmen mit dem 15-fachen ihres Gewinns deutlich höher. Noch gravierender ist die Diskrepanz beim Kurs-Buch-Verhältnis, das den Wert einer Aktie zum Unternehmenswert pro Anteilsschein in Beziehung setzt. In Europa liegt es gerade mal bei 1,4, in den USA dagegen bei 2,2. Die Märkte strafen derzeit auch erstklassig aufgestellte Unternehmen ab, selbst wenn sie über intakte Geschäftsmodelle und sogar in Krisenzeiten über stabile Cash-Flows verfügen. Sie notieren teilweise weit unterhalb des Buchwertes. Für Schnäppchenjäger bieten sich jetzt attraktive Kaufgelegenheiten.

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