Börsenschluss Gewinnmitnahmen nach Leitzinssenkung

Auf und ab an der Börse: Unmittelbar nach der Leitzinssenkung durch die EZB sprangen in Frankfurt die Kurse nach oben. Wenig später verflog die Euphorie. Der deutsche Aktienleitindex Dax schloss klar im Minus. Auch Euro und Wall Street stehen unter Druck.
Händler in Frankfurt: Die Leitzinssenkung der EZB war an der Börse erwartet worden

Händler in Frankfurt: Die Leitzinssenkung der EZB war an der Börse erwartet worden

Foto: REUTERS

Frankfurt am Main - Gewinnmitnahmen nach einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) und schwache US-Daten haben die deutschen Aktien am Donnerstag ins Minus gedrückt. Der Dax (Kurswerte anzeigen) schloss nach einer Berg- und Talfahrt 0,45 Prozent tiefer bei 6535,56 Punkten. Für den MDax (Kurswerte anzeigen) ging es um 0,79 Prozent auf 10.606,38 Punkte bergab und der TecDax (Kurswerte anzeigen) verlor 0,26 Prozent auf 770,89 Punkte.

Der EuroStoxx 50  schloss 1,19 Prozent tiefer bei 2.284,92 Punkten. In Paris zeigte sich der CAC 40  ebenfalls schwach, während der Londoner FTSE 100  moderat stieg. An der Wall Street lag der Dow Jones Industrial  zum europäischen Handelsschluss knapp im Minus.

Bis in den Nachmittag hinein hatte der Dax noch der Leitzinssenkung der EZB sowie der überraschend gelockerten Geldpolitik in China profitiert. Zudem hatte die deutsche Industrie im Mai ihren Auftragsbestand leicht gesteigert. Nach bis zu knapp 9 Prozent Plus in sechs Handelstagen setzten beim deutschen Leitindex aber starke Gewinnmitnahmen ein.

Beschleunigt wurde die Abwärtsbewegung, nachdem EZB-Präsident Draghi ein weiterhin schwaches Wachstum in der Euro-Zone konstatiert und von einer hohen Unsicherheit und einem belasteten Vertrauen gesprochen hatte. Am Nachmittag sorgten enttäuschende Daten aus den USA für zusätzlichen Verkaufsdruck. Dort hatte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor im Juni unerwartet deutlich abgekühlt.

Nach der EZB-Zinssenkung werde die Luft dünner, da der Spielraum der Währungshüter weiter geschrumpft sei, sagte Marktexperte Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. "Viel trockenes Pulver ist jetzt nicht mehr vorhanden. Man kann nur hoffen, dass sich die konjunkturelle Entwicklung bald wieder fängt." Auch von der Euro-Krise dürfe nicht mehr zu viel Ungemach kommen, da es außer weiteren Anleihekäufen durch die EZB kaum noch schlagkräftige Gegenmittel gebe. Händler Markus Huber von ETX Capital nannte die Zinssenkung der EZB einen psychologisch wichtigen Schritt, warnte aber, dass die Maßnahmen der Notenbanken in Europa und China nicht ausreichten, um die Wirtschaft weltweit anzukurbeln.

Unter den Einzelwerten standen die Aktien von Volkswagen (Kurswerte anzeigen) mit einem Gewinn von 5,08 Prozent im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. VW hatte angekündigt, das Porsche-Sportwagengeschäft bereits im August komplett zu übernehmen. Die Wolfsburger zahlen für die noch fehlenden 50,1 Prozent der Porsche AG rund 4,46 Milliarden Euro an die Dachgesellschaft Porsche SE . Dagegen profitierten die Papiere von Porsche nur anfangs deutlich von der Nachricht. Sie schlossen 1,24 Prozent im Minus. "Die Porsche-Aktionäre haben nichts von dem frühzeitig abgeschlossenen Deal", begründete ein Händler die unterschiedliche Kursentwicklung. Nur VW profitierte über die Erhöhung des Ergebnisses je Aktie.

Eine Rettung in letzter Minute bescherte den Praktiker-Aktien  einen Gewinn von 2,67 Prozent. Die beiden Großaktionäre der kriselnden Baumarktkette hatten nach einer Kehrtwende nun doch grünes Licht für ein Sanierungskonzept und eine überlebensnotwendige Kapitalspritze signalisiert. Sie sieht eine Kapitalerhöhung von 60 Millionen Euro vor - als Voraussetzung für ein 85 Millionen Euro schweres Darlehen eines US-Investors.

Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,22 (Freitag: 1,26) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,10 Prozent auf 133,83 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,60 Prozent zu auf 143,19 Punkte. Der Euro  sank hingegen deutlich auf 1,2385 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,2426 (Mittwoch: 1,2560) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,8048 (0,7962) Euro gekostet./gl/he

mg/cr/dpa
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