Börse Euro-Spitzen streiten, Börsen tauchen ab

Während sich die EU-Spitzen beim Euro-Gipfel über mögliche Wege aus der Schuldenkrise streiten, sind sich die Akteure an den Finanzmärkten einig. Seite an Seite taumeln Dax und Dow Jones abwärts. Bankentitel brechen ein.
Händler in Frankfurt: Die Indizes schwenken einträchtig Richtung Süden

Händler in Frankfurt: Die Indizes schwenken einträchtig Richtung Süden

Foto: Arne Dedert/ dpa

New York / Frankfurt am Main - Der EU-Gipfel zur Schuldenkrise hat am Donnerstag den Takt an den europäischen Aktienmärkten vorgegeben. Allzu viel Hoffnung auf einen Durchbruch bei den Verhandlungen machten sich die Anleger aber nicht.

Der deutsche Leitindex Dax  schloss deshalb 1,3 Prozent niedriger bei 6149 Punkten. Der EuroStoxx  beendete den Handel mit einem Abschlag von 0,4 Prozent bei 2156 Zählern.

Auch an den US-Börsen ging es kräftig abwärts. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) gab im frühen Handel 1,1 Prozent nach, und auch an der Nasdaq  zeigten die Indizes nach Süden.

Renditen für spanische Anleihen über 7 Prozent

Der Euro fiel auf 1,2433 Dollar. Die Renditen der zehnjährigen spanischen Anleihen kletterten zeitweise wieder über die als kritisch geltende Sieben-Prozent-Marke.

Zumindest an den Aktienbörsen in Mailand und Madrid schöpften die Anleger aber wieder etwas Mut: Die dortigen Leitindizes gingen mit Aufschlägen von 0,7 und 0,8 Prozent aus dem Handel.

Euro-Gipfel: Entlastung für Spanien und Italien?

Einem Entwurf für die Abschlusserklärung des Gipfels zufolge sollen die Präsidenten von EZB, Eurogruppe, EU-Kommission und EU-Rat damit beauftragt werden, einen konkreten Fahrplan für eine Wirtschafts- und Fiskalunion auszuarbeiten. Eine anvisierte Bankenunion sollte zudem alle EU-Länder umfassen. Unterschiede zwischen Ländern innerhalb und außerhalb der Euro-Zone sollten aber berücksichtigt werden.

Nach Reuters-Informationen sollen darüber hinaus Spanien und Italien kurzfristig entlastet werden. Die EU-Staats- und Regierungschefs wollten auf dem Gipfel demnach über die Möglichkeit beraten, dem Rettungsschirm EFSF grünes Licht für einen Ankauf von Anleihen am Primärmarkt zu erlauben. Die Idee gehöre zu den Maßnahmen zur Stabilisierung der Euro-Zone, über die auf dem Treffen in Brüssel gesprochen werde, sagten mehrere mit den Diskussionen vertraute Personen.

Commerzbank-Aktien brechen ein - Manager wollen Aktien nicht halten

Angesichts der großen Unsicherheit gab es am Aktienmarkt kaum fundamental zu begründende Einzelbewegungen. Größte Verlierer im Dax waren die Papiere der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) , die 7,2 Prozent auf 1,26 Euro absackten.

Das Institut platzierte zu 1,27 Euro neue Anteilsscheine am Markt, die Führungskräfte als Bonus bekommen hatten und gleich wieder verkaufen wollten. Die dadurch stattfindende Kapitalerhöhung sei nicht sonderlich groß, sagten Händler. Dass das Management die Aktien aber nicht halten wolle, lasse an deren Zuversicht hinsichtlich ihres eigenen Instituts zweifeln.

Zinsmanipulation: Aktie der britischen Barclays verliert zweistellig

Unter die Räder gerieten auch andere Bankaktien, was Händler nur zum Teil auf die Schuldenkrise zurückführten. Vielmehr belasteten Untersuchungen über angebliche Manipulationen bei Interbanksätzen wie Libor vor allem die Papiere von Barclays (Kurswerte anzeigen) , die an der Londoner Börse um mehr als 15 Prozent einbrachen.

Auch Deutsche Bank im Visier

Auch andere britische Bankenwerte gingen in den Keller. Royal Bank of Scotland, Lloyds Banking Group (Kurswerte anzeigen) und HSBC Holdings  fielen um 11,5 bis 2,6 Prozent. Die Untersuchung konzentriert sich unter anderem auch auf die Deutsche Bank  , die französische Societe Generale sowie die US-Großbank JP Morgan, deren Aktien in New York um 3,9 Prozent fielen. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank verloren 4,5 Prozent, die von Societe Generale 2,1 Prozent.

Anleger geben die Hoffnung nicht auf

Trotz der aktuellen Kursabschläge sind Börsianer aber optimistisch, dass es zumindest mittelfristig im Dax wieder aufwärts gehen könnte. Von Reuters befragte Aktien-Strategen setzen auf ein Anziehen der Weltkonjunktur und sehen den deutschen Leitindex Ende Dezember im Schnitt bei 6600 Punkten. Im Vergleich zu seinem aktuellen Stand wäre das ein Plus von mehr als sieben Prozent. Impulse für die exportorientierten deutschen Unternehmen erwarten die Analysten vor allem aus Asien und Lateinamerika.

mg/dpa-afx
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