Samstag, 7. Dezember 2019

Daimler, VW, BMW Euro-Optimisten kaufen Autoaktien

Kühne Kursziele: Was Autoaktien laut Analysten wert sind
DPA

Erst gefeiert, dann fallen gelassen: Die Aktienkurse von VW, Daimler und BMW haben stark nachgegeben, da viele Anleger eine Rezession befürchten. Doch sollte Europa der Schuldenkrise und einer Rezession entkommen, sind Autobauer wieder erste Wahl.

Hamburg - Wer glaubt, der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen habe in den vergangenen Wochen einen Rückschlag erlitten, der sollte sich erstmal die Aktien der Autohersteller anschauen. Volkswagen Börsen-Chart zeigen: Minus 20 Prozent seit dem Hoch im März. BMW Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen: Sogar Minus 30 Prozent. Mit dem Dax ging es in der gleichen Zeit lediglich um 15 Prozent abwärts.

Anlegern drängen sich da einige Fragen auf: Warum werden ausgerechnet die Papiere der Autobauer so massiv verkauft? Sind das nun Kaufkurse? Oder steht eine Erholung der Aktien so bald nicht bevor?

An dieser Stelle käme gewöhnlich eine Argumentation mit so genannten Fundamentaldaten, die für die Börsenbewertung eines Unternehmens ausschlaggebend sein sollten. Wie sind die Gewinnaussichten? Wie entwickeln sich Umsatz und Marktanteil? Gibt es Potenzial für Kostensenkungen? Kommen neue Produkte? Solche Dinge.

Doch nur wenig an der Börse ist derzeit gewöhnlich. Die große Ungewissheit darüber, wie es mit der Euro-Schuldenkrise weitergeht und wohin die Weltwirtschaft steuert, beherrscht das Geschehen. Und allgemeiner Pessimismus überdeckt vieles: Nicht einmal jeder sechste Anleger glaubt daran, dass sich die Lage positiv entwickeln wird, ergab gerade eine Befragung durch TNS Infratest im Auftrag der DZ Bank.

Dies erklärt auch die Kurssprünge im Dax Börsen-Chart zeigen am Freitag: Die Stimmung ist inzwischen so negativ, dass schon kleine positive Überraschungen wie die Zugeständnisse an Italien und Spanien während des Euro-Gipfels ausreichen, um den gesamten Markt kräftig nach oben zu hieven.

Markt erwartet Gewinnrückgänge bei VW & Co von bis zu 50 Prozent

Laut Umfrage der DZ Bank befindet sich die Börsenstimmung zurzeit auf einem Rekordtief. Nur noch jeder Fünfte erwartet, dass die Aktienkurse in den kommenden sechs Monaten steigen werden. "Im Grunde", so fasst es Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler zusammen,"geht man mittlerweile von einer Weltrezession beziehungsweise der Gefahr derselben aus."

In diesem Umfeld spielen Fundamentaldaten, etwa zu Umsatz und Gewinn, zwar nach wie vor eine wichtige Rolle. Es erscheint jedoch noch schwieriger als ohnehin schon, ihre Entwicklung vorherzusagen. Für die Autoaktien gilt das in besonderem Maße. Denn das Geschäft der Hersteller schwankt traditionell stark mit den Zyklen der Konjunktur.

"Mit Blick auf die Unternehmensergebnisse hält man es für zunehmend unwahrscheinlich, dass die Rekordmargen etwa bei VW und BMW gehalten werden können", sagt Analyst Pieper. "Der Markt geht von einem sehr signifikanten Gewinneinbruch bei Herstellern und Zulieferern aus. Erwartet werden Rückgänge von etwa einem Drittel bis der Hälfte, also ein 'normales' Reagieren in Rezessionszeiten."

Auch Sorgen um das Wachstum in China sowie inzwischen zunehmend auch um den Markt in Nordamerika spielen dabei eine Rolle - die Aktien reagieren sogar auf negative Gerüchte. Das zeigte sich am Dienstag dieser Woche deutlich. Die chinesische Regierung wolle die heimische Autonachfrage derzeit eher nicht stimulieren, lautete eine Meldung des Tages. Die Papiere von Volkswagen, Daimler und BMW verzeichneten daraufhin Verluste von zeitweise mehr als 2 Prozent.

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