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Kühne Kursziele: Was Autoaktien laut Analysten wert sind

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Daimler, VW, BMW Euro-Optimisten kaufen Autoaktien

Erst gefeiert, dann fallen gelassen: Die Aktienkurse von VW, Daimler und BMW haben stark nachgegeben, da viele Anleger eine Rezession befürchten. Doch sollte Europa der Schuldenkrise und einer Rezession entkommen, sind Autobauer wieder erste Wahl.

Hamburg - Wer glaubt, der deutsche Leitindex Dax  habe in den vergangenen Wochen einen Rückschlag erlitten, der sollte sich erstmal die Aktien der Autohersteller anschauen. Volkswagen : Minus 20 Prozent seit dem Hoch im März. BMW  und Daimler : Sogar Minus 30 Prozent. Mit dem Dax ging es in der gleichen Zeit lediglich um 15 Prozent abwärts.

Anlegern drängen sich da einige Fragen auf: Warum werden ausgerechnet die Papiere der Autobauer so massiv verkauft? Sind das nun Kaufkurse? Oder steht eine Erholung der Aktien so bald nicht bevor?

An dieser Stelle käme gewöhnlich eine Argumentation mit so genannten Fundamentaldaten, die für die Börsenbewertung eines Unternehmens ausschlaggebend sein sollten. Wie sind die Gewinnaussichten? Wie entwickeln sich Umsatz und Marktanteil? Gibt es Potenzial für Kostensenkungen? Kommen neue Produkte? Solche Dinge.

Doch nur wenig an der Börse ist derzeit gewöhnlich. Die große Ungewissheit darüber, wie es mit der Euro-Schuldenkrise weitergeht und wohin die Weltwirtschaft steuert, beherrscht das Geschehen. Und allgemeiner Pessimismus überdeckt vieles: Nicht einmal jeder sechste Anleger glaubt daran, dass sich die Lage positiv entwickeln wird, ergab gerade eine Befragung durch TNS Infratest im Auftrag der DZ Bank.

Dies erklärt auch die Kurssprünge im Dax  am Freitag: Die Stimmung ist inzwischen so negativ, dass schon kleine positive Überraschungen wie die Zugeständnisse an Italien und Spanien während des Euro-Gipfels ausreichen, um den gesamten Markt kräftig nach oben zu hieven.

Markt erwartet Gewinnrückgänge bei VW & Co von bis zu 50 Prozent

Laut Umfrage der DZ Bank befindet sich die Börsenstimmung zurzeit auf einem Rekordtief. Nur noch jeder Fünfte erwartet, dass die Aktienkurse in den kommenden sechs Monaten steigen werden. "Im Grunde", so fasst es Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler zusammen,"geht man mittlerweile von einer Weltrezession beziehungsweise der Gefahr derselben aus."

In diesem Umfeld spielen Fundamentaldaten, etwa zu Umsatz und Gewinn, zwar nach wie vor eine wichtige Rolle. Es erscheint jedoch noch schwieriger als ohnehin schon, ihre Entwicklung vorherzusagen. Für die Autoaktien gilt das in besonderem Maße. Denn das Geschäft der Hersteller schwankt traditionell stark mit den Zyklen der Konjunktur.

"Mit Blick auf die Unternehmensergebnisse hält man es für zunehmend unwahrscheinlich, dass die Rekordmargen etwa bei VW und BMW gehalten werden können", sagt Analyst Pieper. "Der Markt geht von einem sehr signifikanten Gewinneinbruch bei Herstellern und Zulieferern aus. Erwartet werden Rückgänge von etwa einem Drittel bis der Hälfte, also ein 'normales' Reagieren in Rezessionszeiten."

Auch Sorgen um das Wachstum in China sowie inzwischen zunehmend auch um den Markt in Nordamerika spielen dabei eine Rolle - die Aktien reagieren sogar auf negative Gerüchte. Das zeigte sich am Dienstag dieser Woche deutlich. Die chinesische Regierung wolle die heimische Autonachfrage derzeit eher nicht stimulieren, lautete eine Meldung des Tages. Die Papiere von Volkswagen, Daimler und BMW verzeichneten daraufhin Verluste von zeitweise mehr als 2 Prozent.

"Ein gutes zweites Quartal würde die Skepsis noch steigern"

Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB glaubt zwar, dass der weltweite Automobilabsatz auch 2012 wachsen wird. Weitere Kurseinbußen schließt er aber nicht aus. Schließlich haben die Autoaktien inzwischen eine gewaltige Fallhöhe erreicht.

Als es beispielsweise in den ersten drei Monaten dieses Jahres an der Börse steil nach oben ging, lief es für die rekordverwöhnten deutschen Hersteller besonders gut. Die Volkswagen-Papiere etwa legten von Januar bis März um 26 Prozent zu, bei BMW und Daimler waren es sogar rund 45 Prozent. Der Gesamtmarkt verzeichnete in der Zeit, gemessen am Dax, ein Plus von 23 Prozent.

Und damit nicht genug: Die Kurse der deutschen Hersteller haben sich zwischen Januar 2009 und 2011 in etwa verdreifacht (Daimler ), vervierfacht (BMW ) oder verfünffacht (Volkswagen Vorzüge ), rechnet Schwope vor. Es sei schon zu Übertreibungen gekommen, die jetzt teilweise korrigiert würden, sagt er.

Doch wann enden diese Korrekturen? Wann werden die Geschäfte wieder besser laufen und die Kurse wieder steigen? Erst wenn eine echte Lösung der Euro-Schuldenprobleme in Sicht ist, da sind sich die Börsianer einig, dürften auch die Märkte ihre Unsicherheit wieder ablegen. Dann hellen sich die Aussichten für die Wirtschaft auf und mit ihnen die Perspektiven für die Börse.

Kursziele aus einer anderen Welt

Tatsächlich sorgte bereits die in Brüssel erzielte Einigung auf einen Wachstumspakt sowie eine zentrale Bankenaufsicht am Freitag für Kurssprünge an der Börse, auch bei Autowerten. Doch viele Streitpunkte sind beim Euro-Thema weiterhin ungelöst, etwa um die Einführung gemeinsamer Bonds oder Bills.

Gleichzeitig ziehen die Probleme immer weitere Kreise, wie die jüngsten Hilfsanträge Richtung Brüssel für die spanischen Banken sowie für das bislang unauffällige Euro-Land Zypern zeigen.

"So wie die Dinge liegen, geht es erst wieder richtig aufwärts, wenn tatsächlich ein oder zwei schwächere Quartale durch sind", sagt Analyst Pieper. "Absurderweise würde ein wiederum gutes zweites Quartal die Skepsis sogar noch steigern." Das Motto, so der Aktienfachmann, wäre dann: Alles nur aufgeschoben.

Immerhin, es gibt auch jetzt schon Optimisten: Vermutlich mit besagten Fundamentaldaten im Fokus sehen die Analysten insgesamt in den aktuellen Kursabschwüngen Übertreibungen. Die weitaus größte Zahl von ihnen rät bei Autoaktien auf dem aktuellen Kursniveau jedenfalls zum Kauf.

Die Kursziele, die sie dabei vorgeben, wirken wie aus einer anderen Welt: Volkswagens Vorzugsaktien und die Papiere von BMW sehen die Fachleute im Schnitt jeweils mehr als 50 Prozent über dem aktuellen Niveau. Bei Porsche  sind es knapp 60 Prozent und bei Daimler sogar noch ein wenig mehr.

Auch die DZ Bank stützt ihre jüngste Prognose offenbar auf Fundamentaldaten. Die Bank setzt auf steigende Kurse und sieht den Dax einer aktuellen Mitteilung zufolge Ende 2012 bei 6600 Punkten, also deutlich über dem aktuellen Niveau von rund 6150 Punkten. Ein Aufschwung, den sicher auch die Papiere der Autoindustrie mitmachen würden.

Zur Begründung verweisen die Aktienstrategen der Bank auf den bevorstehenden europäischen Wachstumspakt, über den Milliarden in die Wirtschaft gepumpt werden sollen. Aufgrund der starken Verflechtung der deutschen Unternehmen in Europa würden diese überproportional davon profitieren, so die Mitteilung.

Die Umfrageergebnisse zur Börsenstimmung und zum Pessimismus der Anleger dagegen, von der DZ Bank selbst bei TNS Infratest in Auftrag gegeben, nimmt das Instituts offenbar nicht sehr ernst.

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