Mittwoch, 18. September 2019

Börse Euro-Krise kommt in Deutschland an

Kanzlerin Merkel, Finanzminister Schäuble: Beide sind in Euro-Land derzeit wenig populär. Auch deutsche Aktien und Anleihen sind nicht mehr so beliebt wie einst - der steigenden Lasten wegen

Von der steigenden Euro-Nervosität hat Deutschland bislang profitiert - der Bund bekam Geld von schutzsuchenden Anlegern praktisch geschenkt. Doch nun bekommt auch Europas Vorzeigewirtschaft die Krise zu spüren: Investoren wenden sich ab, Konjunktur und Geschäftsklima trüben sich ein.

Hamburg - In der Lurgiallee in Frankfurt kann man sich die Hände reiben - noch. Nur gut 1,2 Prozent Zinsen musste Deutschland zuletzt für Anleihen zahlen, die über zehn Jahre laufen. Ein Grund zur Freude für die Finanzagentur der Bundesrepublik, die die Auktionen der Anleihen betreut.

Seit Monaten schwanken die Aktienkurse auf Grund der Schuldenkrise nervös hin und her. Entsprechend suchen vor allem institutionelle Investoren, zum Beispiel Lebensversicherungen, nach Sicherheit. Erstklassige Bonität, stabiler Ausblick des Langfrist-Ratings und "eine sehr große Liquidität und damit Handelbarkeit" seien die Stärken der deutschen Staatsanleihen, erklärt die bundeseigene Finanzagentur.

So fließen dem deutschen Staat durch die geringe Arbeitslosigkeit und das Wirtschaftswachstum derzeit Steuern in Rekordhöhe zu. Bis 2016 rechnet Finanzminister Wolfgang Schäuble mit einem Steuerplus von 30 Milliarden Euro.

Deutschland steht im Vergleich zu Spanien, Italien oder Frankreich sehr gut da. Genau das könnte nun zu hohen Belastungen führen: Denn diese Stärke bedeutet, dass Deutschland als wirtschaftlich potentestes Mitglied der Euro-Zone früher oder später einen Großteil der Rettungskosten schultern muss. Und das schreckt inzwischen immer mehr Investoren ab.

Deutsche Anleihen überteuert - gemessen an steigenden Euro-Risiken

"Diese Staatsanleihen haben eine negative reale Verzinsung und sind durch die große Risikoschutz-Nachfrage vieler Anleger mittlerweile überteuert", urteilt zum Beispiel Giordano Lombardo mit Blick auf deutsche, japanische und US-Staatsanleihen. Lombardo ist globaler Investmentchef der Fondsgesellschaft Pioneer Investments.

Der hohe Preis bei kümmerlicher Rendite ist nicht das einzige Risiko. "Wir haben unsere Fonds neu sortiert und alle Bundesanleihen verkauft", sagt zum Beispiel Eric Le Coz, Vizechef der Fondsgesellschaft Carmignac. Bundesanleihen erscheinen ihm nicht mehr sicher. So fürchtet das Haus eine Überforderung Deutschlands durch die Euro-Krise, vor der auch die Kanzlerin bereits warnte.

Dabei geht es nicht nur um die hohen Summen, die Deutschland zur Euro-Rettung schultern muss: Die nicht enden wollende Euro-Krise sorgt auch dafür, dass Unternehmen in Deutschland ihre Geschäftserwartungen immer weiter herunterschrauben und das Geschäftsklima inzwischen auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen ist.

Dies trifft auch deutsche Aktien, den klassischen Gegenpart zu Bundesanleihen. Die meisten Dax-Konzerne sind zwar wie Siemens Börsen-Chart zeigen, Volkswagen Börsen-Chart zeigen oder BASF Börsen-Chart zeigen auf dem Weltmarkt tätig, doch die drohende Rezession in Europa und die Ermüdungserscheinungen der globalen Wirtschaft treffen zunehmend auch die deutschen Exportmeister.

Hinzu kommt: Deutschland ist ein Herststück von Euro-Land - und da viele Investoren aus Asien und USA sich immer mehr aus Euro-Anlagen verabschieden, schwindet zwangsläufig auch die Nachfrage nach deutschen Aktien. Der Dax Börsen-Chart zeigen setzte am Freitag seine Talfahrt fort.

Kein Wunder also, wenn sich Investoren anderweitig umschauen.

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