Börse Wie Anleger ihr Geld beschützen

Wer auf Aktien setzt, wird derzeit schnell ausgekontert. Wegen der Unsicherheit vor dem Ausgang der Wahl in Griechenland zucken die Kurse nervös hin und her. Wie Anleger mit der stark gestiegenen Volatilität umgehen sollten.
Von Arne Gottschalck
Händler an der Wall Street: Je größer die Nervosität, desto größer die Schwankungen

Händler an der Wall Street: Je größer die Nervosität, desto größer die Schwankungen

Foto: Spencer Platt/ Getty Images

Hamburg - Der Rasen ist zu trocken, moserte Vicente del Bosque, Trainer der spanischen Fußballnationalmannschaft. Und erklärte unter anderem damit das Unentschieden seiner Mannschaft gegen Italien. Eine einfache Erklärung für komplexe Zusammenhänge. Genau wie auf dem Börsenparkett.

Die Politik sei am Zug, erklären Anlageexperten. Seien es Euro-Bonds oder Finanzmarkttransaktionssteuer - Politiker sollen die Probleme lösen. "Die Politik ist gefragt", überschreibt zum Beispiel der Vermögensverwalters Johannes Führ eine aktuelle Studie. Doch weil Politiker in erster Linie nur ihren nationalen Interessen verpflichtet sind und auch die EZB bislang noch ihr Pulver trocken hält, geht es nur quälend langsam voran.

Doch die Märkte kennen keine Geduld, wie das Beispiel des Dax  zeigt. Der deutsche Leitindex startete mit einer Kursrally ins Börsenjahr 2012, stieg von knapp 5800 auf gut 7200 Punkte. Doch dann bröckelten die Gewinne, bis dem Dax zuletzt im Vergleich zum Jahresauftakt nur noch ein Plus von 100 Punkten blieb. Und die Volatilität, die Schwankungsintensität der Börsenkurse also, betrug zuletzt 32.

Zum Vergleich: Im Jahr 1992 hatte die Volatilität den Wert von 14. Der Angstmesser an der Börse hat sich seitdem also mehr als verdoppelt.

Starke Schwankungen werden der Börse erhalten bleiben

"Generell spiegelt die Volatilität der Märkte die Unsicherheit der Anleger wider. Hierzu tragen auch die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen bei, sei es durch die sich verändernden Vorgaben der Politik oder immer neue Hiobsbotschaften aus den Krisenstaaten", sagt Michael Schmidt, Leiter des Aktienfondsmanagements bei Union Investment. Und auch andere Gründe könnten eine Rolle spielen. "Kommt die Volatilität von den immer schneller werdenden Systemen, die weltweit spekulieren, oder kommt sie durch eine immer schnellere Berichterstattung, die die Marktteilnehmer zum schnelleren Verarbeiten von Informationen und somit zu schnellerem Handeln animiert", fragt Stefan Hölscher von der Stubenrauch & Hölscher Fondsberatung.

Oder hat es schlicht und einfach damit zu tun, dass Finanzkrisen zuletzt in immer kürzeren Zeitabständen eskalierten? Fakt ist: Anleger müssen mit der extrem gestiegenen Schwankungsbreite zurechtkommen wie die spanischen Fußballer mit dem Grün in Danzig. Kaufen und Halten hat ausgedient.

Geldanlage ist harte Arbeit. So barmte der Vermögensverwalter Henrik Leber jüngst gegenüber manager magazin, in einem irrationalen Umfeld würden rationale Konzepte nicht greifen. Kein Wunder also, wenn die Skepsis vor Aktien groß ist und sich vor allem kurzfristig orientierte Anleger an der Börse tummeln. Langfristig orientierte Investoren dagegen scheuen den nächsten Rücksetzer.

Auch deutsche Papiere verlieren an Qualität

Auf dem Fußballplatz würde der Trainer in solchen Fällen die Defensive verstärken. Doch auch die Defensive schwächelt: Denn die Renditen für defensive Anlagen wie zehnjährige Bundesanleihen liegt derzeit bei nur 1,2 Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei fast 3 Prozent. Gerade deutsche Anleihen stellen eine Versicherung gegen das Auseinanderbrechen des Euro dar, schreibt Dieter Hein von Banque de Luxembourg Investments. Sicherheit ist also möglich - doch zu welchem Preis?

"Diese Staatsanleihen haben eine negative reale Verzinsung und sind durch die große Risikoschutz-Nachfrage vieler Anleger mittlerweile überteuert", urteilt Giordano Lombardo über die deutschen, japanischen und amerikanischen Staatsanleihen. Lombardo ist globaler Investmentchef der Fondsgesellschaft Pioneer Investments. Und der hohe Preis bei kümmerlicher Rendite ist nicht das einzige Risiko.

Denn mit der Sicherheit, die sich die Investoren mit solchen Papieren zu erkaufen hoffen, ist es nicht weit her. Das ist zumindest die Lesart von Investoren wie Pimco. Der Anleihenmanager trennt sich von einem Großteil seiner deutschen Staatsanleihen. Immerhin werde der deutsche Haushalt durch die Beteiligung an den Rettungsschirmen belastet. Deutschland verliert durch die zunehmenden Risiken an Qualität", sagt Andrew Bosomworth, Deutschland-Chef des Hauses.

Was also bleibt Anlegern, um das eigene Spiel zu stabilisieren? Nicht viel. Denn auch die Alternativen zu Aktien und Anleihen können nicht wirklich überzeugen.

Preisschub bei Immobilien, Black Box bei Hedgefonds

Immobilien dürften nur noch in den prosperierenden Ländern Europas interessant sein. Und genau die gelten inzwischen bereits als teuer. Und andere Alternativen? Hedgefonds beispielsweise legten zwar - gemessen am Dow Jones Credit Suisse Core Hedge Fund Index - seit Jahresbeginn um 0,8 Prozent zu. Doch das bedeutet, dass Anleger mit dem Dax nicht unbedingt schlechter gefahren wären.

Also Stock Picking, Auswahl bestimmter Einzeltitel? Die Aktie des Konsumgüterherstellers Beiersdorf  zum Beispiel legte seit Jahresbeginn um rund 18 Prozent zu. Aktien bleiben für viele Experten daher erste Wahl - allerdings ausgewählte und nicht jede innerhalb eines Index. Für Bert Flossbach, Vermögensverwalter und Fondsmanager von Flossbach & Storch, ist die Strategie daher klar. Er sehe die Aktie als die "mit Abstand beste Anlage".

Allein auf Aktien setzen will aber auch Flossbach nicht. Er setzt als Ergänzung auch auf Gold . "Wer keine Diversifikation eingeht, sondern aus Angst vor dem Auf und Ab der Märkte sein Geld aufs Festgeldkonto legt oder in Bundesanleihen, wird zwangsläufig einen Vermögensverlust erleiden." Kontrollierte Offensive würde man so eine Strategie im Fußball vermutlich nennen. Der Hurra-Stil ist erstmal Geschichte.

"Würden die Rahmenbedingungen wie Regulierung, Politik oder Wachstumsaussichten über eine längeren Zeit konstant bleiben, hätten die Investoren wieder eine Planungssicherheit, was die Volatilität reduzieren würde", sagt Schmidt von Union Investment. "Damit ist allerdings in den nächsten Jahren nicht zu rechnen, denn die Strukturanpassungen und die Schuldenkrise dürften uns noch eine ganze Weile beschäftigen."

Der Rasen mag also tatsächlich zu trocken sein - und dürfte es auch eine ganze Weile noch bleiben. Doch er ist nun einmal da - ebenso wie die hohe Volatilität. Spieler wie Anleger müssen damit leben.

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