Börse Anleger sind extrem nervös

Der Dax fällt weiter. Nachdem die US-Ratingagentur Moody´s Spanien und Zypern herabgestuft hat, klettert die Rendite für spanische Anleihen auf ein Rekordhoch von mehr als 7 Prozent. Adidas verliert deutlich. Im TecDax brechen die Aktien von Centrotherm ein.
Börse in Frankfurt: Der Dax pendelt um die Marke von 6100 Punkten

Börse in Frankfurt: Der Dax pendelt um die Marke von 6100 Punkten

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Die jüngste Herabstufung Spaniens und die Unsicherheit vor der Wahl in Griechenland hat den Dax  am Donnerstag belastet. Der deutsche Leitindex schloss mit 6138,61 Punkten bei dünnen Umsätzen 0,2 Prozent niedriger.

Auch an anderen europäischen Handelsplätzen ging es bergauf, nachdem sich die US-Börsen in der Pluszone behaupten konnten. Große Sprünge wagte aber auch dort kaum ein Anleger. "Bevor um Griechenland und Spanien nicht mehr Ruhe einkehrt, sollte man sich lieber einfach ein wenig zurückhalten und schauen, was passiert", empfahl Aktienstratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank.

Seit Tagen trauen sich die Investoren wegen der Probleme in der Euro-Zone und der bevorstehenden Parlamentswahl in Griechenland nicht, größere Positionen einzugehen. Die Ratingagentur Moody's hatte am Mittwochabend die Bonität Spaniens gleich um drei Stufen auf "Baa3" gesenkt. Damit rangiert das Land nur noch eine Stufe über Ramsch-Status. Eine weitere Herabstufung sei außerdem denkbar, hieß es von Moody's. Als Grund nannte die Agentur die Hilfen von 100 Milliarden Euro für die spanischen Banken, die die Schuldenlast des Landes weiter erhöhten.

Athener Bankenindex klettert um mehr als 20 Prozent

Je näher die neuen Parlamentswahl in Griechenland rückt, desto mehr nimmt die Verunsicherung an den Börsen zu. Analysten machen den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone davon abhängig, welche Parteien das Ruder letztlich übernehmen können. "Die Ungewissheit darüber belastet auf jeden Fall die Märkte", sagte ein Händler.

Bei griechischen Bankaktien überwog allerdings das Prinzip Hoffnung. Anleger setzten darauf, dass die sparwilligen Kräfte bei den Wahlen am Sonntag die Nase vorn haben. Der Athener Bankenindex schoss um 23,4 Prozent nach oben. Außerhalb Griechenlands zeichnete sich bei Finanzwerten kein klarer Trend ab. Der europäische Bankenindex drehte nach einem wechselvollen Handel ins Plus und schloss 0,3 Prozent fester.

Autowerte geben weiter nach

Wie am Vortag waren im Dax  die defensiven Werte gefragt, also jene Aktien, die als weniger abhängig von der Konjunkturentwicklung gelten. Die Papiere des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer (Kurswerte anzeigen) standen mit einem Plus von 1,4 Prozent weit oben auf den Kaufzetteln. Die Papiere des Gesundheitskonzerns Fresenius (Kurswerte anzeigen) rückten um 1,3 Prozent vor, die von Eon  legten 0,9 Prozent zu.

Dagegen standen besonders konjunkturabhängige Titel wie die Aktien der Autokonzerne und Finanzwerte auf der Verliererseite. BMW (Kurswerte anzeigen) und Daimler (Kurswerte anzeigen) gaben 2,6 und zwei Prozent nach.

Centrotherm bricht ein

Im TecDax  stürzten die Aktien von Centrotherm zeitweise um rund 40 Prozent auf 3,08 Euro ab und markierten damit ein Rekordtief. Am Vorabend hatte der auf die Solarbranche spezialisierte Anlagenbauer mitgeteilt, derzeit mit den Banken zu verhandeln, um die Geldversorgung sicherzustellen. In den Sog von Centrotherm gerieten auch Solarworld . Sie rutschten in der Spitze um rund zehn Prozent auf 1,2720 Euro ab - der tiefste Stand seit Mai 2004.

Die Centrotherm-Aktie schloss mit einem Abschlag von 26,5 Prozent bei 3,75 Euro, die von Solarworld ging mit einem Minus von 4,2 Prozent bei 1,35 Euro aus dem Handel.

Nokia verlieren knapp 20 Prozent

An den europäischen Börsen rutschten die Aktien von Nokia um 17,8 Prozent auf 1,82 Euro ab und waren damit so billig wie seit 1996 nicht mehr. Der Handy-Hersteller gab seine zweite Gewinnwarnung binnen neun Wochen heraus und will 10.000 Stellen streichen. Der Kampf gegen Rivalen wie Samsung und Apple macht dem finnischen Konzern immer zu mehr zu schaffen.

Nike zieht Adidas nach unten

Aktien von Adidas  gerieten am Donnerstag deutlich unter Druck. Börsianer verwiesen auf die Aktie von Nike  , die tags zuvor an der Wall Street um 5 Prozent abgerutscht war. Begründet wurde dies mit einer schwächeren Wachstumsdynamik in China und einem ebenfalls leichten Rückgang auf dem US-amerikanischen Heimatmarkt.

Die Aktien von Kabel Deutschland  waren zunächst mit Gewinnen in den Handel gestartet, bis zum Mittag allerdings rutschten die Papiere nach Gewinnmitnahmen mit rund 3 Prozent in die Verlustzone. Der Kabelnetzbetreiber hat das vergangene Geschäftsjahr erstmals mit einem Gewinn von 159,4 Millionen Euro abgeschlossen. Für das laufende Geschäftsjahr nimmt sich der Vorstand ein Umsatzplus zwischen 7,5 und 8,5 Prozent und ein bereinigtes Ergebnis (Ebitda) zwischen 855 und 870 Millionen Euro vor. Die Dividende dürfte bei rund 1,50 Euro je Aktie konstant bleiben.

Heidelberger Druck erneut mit Verlust

Auf die Veröffentlichung des Berichts für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011/12 haben die Aktien der Heidelberger Druckmaschinen kaum reagiert. Den Verlust für das abgelaufene Geschäftsjahr wertete ein Börsianer als leichte Enttäuschung. Anleger könnten jedoch die freundlichere Auftragslage im ersten Quartal nach der Branchenmesse Drupa als Hoffnungsschimmer konzentrieren. Die mittelfristigen Ziele wurden bestätigt.

rei/la/dpa-afx/rtr
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