Samstag, 7. Dezember 2019

Ausgebremst US-Börse leidet unter Euro-Doppelschlag

Händler an der Wall Street: Furioser Jahresstart längst verspielt

Amerikas Börsenkommentatoren sind in Aufregung: Der Wall Street setzt ein harter Euro-Doppelschlag zu, denn die kriselnde Europa-Währung bringt US-Unternehmen unter Druck. Jetzt sind die Kursgewinne des Jahresbeginns fast verpufft - und die Prognosen düster.

New York - An den US-Börsen ist die Euphorie der Trübsal gewichen, und es gibt nach offizieller Lesart nur einen Schuldigen: Die Euro-Zone. Wegen der eskalierenden Schuldenkrise auf der östlichen Seite des Atlantiks purzeln an der Wall Street seit Wochen die Aktienkurse, nur gestern hat es eine kräftige Gegenbewegung gegeben. Dennoch kam der Dow Jones Index Börsen-Chart zeigen im Mai mit 820 Punkten Verlust so schwer unter die Räder wie seit zwei Jahren nicht mehr - dabei hatte der US-Leitindex noch im Januar und Februar mit einem Kavalierstart von fast 9 Prozent den besten Jahresauftakt seit drei Jahrzehnten hingelegt.

Doch geblieben ist nahezu nichts von der Rally. Jetzt notiert das Barometer im laufenden Jahr an der Nullinie. Der marktbreitere S&P 500 kann sich für 2012 nur mühsam und knapp etwas besser schlagen.

Im US-Wirtschaftskanal CNBC wurde am Freitag der Panikknopf gedrückt, als die Aktien der Wall Street mehr als 2 Prozent verloren: "Die Märkte in Aufruhr", lautete die Überschrift über einer Sondersendung zum schlechtesten Börsentag des laufenden Jahres. Vor Beginn des Handels hatte das Arbeitsministerium in Washington eine katastrophale Zahl gemeldet: Nur 69.000 neue Jobs wurden im Mai von der US-Wirtschaft produziert. Vier bis fünf Mal so viele neue Stellen bräuchte die größte Volkswirtschaft auf dem Planeten, um eine sich selbst tragende Erholung zustande zu bringen.

Auch das Stimmungsbarometer des Institute for Supply Management in Chicago präsentierte miserable Zahlen. Der Einkaufsmanagerindex für den Mai stürzte um über drei Zähler ab und machte mit 52,7 Punkten nur knapp über der Linie halt, ab der ein Rezession angezeigt wird.

Im Klartext: Die Beteuerungen der US-Administration von diesem Frühjahr, die Krise in Europa könne nicht die US-Konjunktur aus der Bahn zu werfen, werden Lügen gestraft. "Das US-Finanzsystem ist in einer sehr starken Position, um dem Druck, den wir aus Europa erwarten, zu widerstehen", sagte Ende April US-Finanzminister Timothy Geithner vor dem Commonwealth Club in San Francisco. Jetzt, sechs Wochen später, warnen nicht nur Techfirmen wie Cisco Börsen-Chart zeigen, Autofirmen wie General Motors Börsen-Chart zeigen und Gerätehersteller wie Caterpillar Börsen-Chart zeigen vor den Folgen des unerwarteten Einbruchs in Europa. Die dortige Wirtschaft "wirft jetzt auch auf uns einen Schatten", gestand am Montag selbst US-Präsident Obama.

Dollar auf gefährlichem Steigflug

Dass sich der US-Präsident zu Wort meldet, ist keine Überraschung. Er hatte der US-Wirtschaft im Jahr 2010 eine Verdoppelung der Exporte binnen fünf Jahren versprochen. Im Februar gab sich der Präsident bei einem Besuch der Boeing-Werke noch sehr zuversichtlich, dass er die ehrgeizige Vorgabe einhalten könne. "Vor zwei Jahren habe ich das Ziel gesetzt, die Ausfuhren zu verdoppeln, wir sind auf dem Weg, das zu erreichen." Jetzt, drei Monate später, hat der Dollar gegenüber dem schwachen Euro aber schon 6 Prozent zugelegt.

Der Finanzprofessor Jeremy Siegel an der Wharton School sagt dem Dollar innerhalb von nur sechs Monaten sogar eine weitere rasante Aufwertung voraus - bis hin zur Parität zum Euro. Für die USA hätte das schlimme Folgen. Denn die Krise im Euro-Land trifft Amerika doppelt: Die Aufwertung des Dollars verteuert die Ausfuhren und macht die US-Exporteure weniger Wettbewerbsfähig. Gleichzeitig bricht in der Euro-Zone wegen grassierender Rezession die Nachfrage nach amerikanischen Produkten ein.

Das kann man jetzt schon gut sehen. Der Netzwerkausrüster Cisco drosselt seine Prognose für 2012 und gibt Sorgen über das Geschäft in Europa zur Begründung an. Der Uhrenhersteller Fossil berichtet von lahmendem Absatz in Deutschland sowie größeren Rückschlägen in Italien und Spanien. Celanese erklärt enttäuschende Quartalszahlen mit schwächerer Nachfrage auf der anderen Seite des Atlantiks. Viele große US-Firmen machen einen erstaunlichen Teil ihres Geschäfts in Europa. Bei General Electric Börsen-Chart zeigen ist es rund ein Viertel. Bei Coca-Cola Börsen-Chart zeigen knapp über 20 Prozent. Bei Philip Morris werden 64,9 Prozent angegeben. Bei McDonald's immerhin fast 40 Prozent. Selbst Notenbankchef Ben Bernanke muss zugeben, dass der Wechsel der Windrichtung an der Wall Street "signifikanten Problemen und Sorgen in Europa" zu verdanken ist.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung