Börse Dax mit mieser Mai-Bilanz

Die Unsicherheit der Anleger über die weitere Entwicklung in der Schuldenkrise prägt erneut den Aktienhandel in Europa. Enttäuschende Arbeitsmarktdaten aus den USA komplettieren das trübe Bild. Der Dax hat im Mai rund 7 Prozent an Wert verloren.
Börse in Frankfurt: Der Dax leidet unter der eskalierenden Schuldenkrise in Europa

Börse in Frankfurt: Der Dax leidet unter der eskalierenden Schuldenkrise in Europa

Foto: REUTERS

Frankfurt am Main - Der Dax  beendete am Donnerstag den Xetra-Handel mit einem Minus von 0,3 Prozent und schloss bei 6264 Zählern. Bereits am Mittwoch hatte der deutsche Leitindex um 1,8 Prozent nachgegeben.

Auch der spanische Ibex konnte sich nicht von seinen jüngsten Abschlägen erholen. Der italienische Leitindex Mib gewann immerhin 0,5 Prozent, der französische CAC40 0,1 Prozent.

Die Mai-Bilanz fällt für die Indizes verheerend aus. Viele Anleger scheinen der Börsenweisheit "Sell in May - and go away" gefolgt zu sein: Der deutsche Index Dax  , der spanische Ibex und der italienische Index Mib weisen die schlechteste Mai-Entwicklung in ihrer Geschichte auf.

Im abgelaufenen Monat hat der deutsche Leitindex Dax  sieben Prozent verloren, der spanische Ibex gut 13 Prozent, der Mib 11 und der CAC40 5,7 Prozent.

Euro-Schuldenkrise belastet die Indizes

Börsianer machen für die Kursverluste die Euro-Schuldenkrise verantwortlich. Dabei missfällt ihnen vor allem die Ratlosigkeit der Verantwortlichen in den Hauptstädten der EU-Staaten und am EU-Sitz in Brüssel. "Man hat den Eindruck, die Politiker hätten noch nicht begriffen, wie brenzlig die Lage ist", kritisierte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. EZB-Chef Mario Draghi forderte die Regierungen auf, eine klare Vision für die Zukunft der Währungsunion zu entwerfen. Die Notenbank könne das durch Inaktivität entstandene Vakuum nicht füllen, fügte der Italiener bei einer Anhörung im Europäischen Parlament in Brüssel hinzu.

Rückenwind könnten Europas Börsen aber von der Abstimmung in Irland über den EU-Fiskalpakt bekommen - sollten die Umfragen stimmen und die Iren den ansonsten äußerst umstrittenen Pakt zur Haushaltskonsolidierung annehmen.

US-Privatwirtschaft schafft weniger Stellen als gedacht

In den USA schuf die Privatwirtschaft Daten des Anbieters ADP zufolge im Mai nur 133.000 Stellen. Analysten hatten mit 148.000 gerechnet. Auch die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel in der Vorwoche mit 383.000 höher aus als gedacht. Für Börsianer dürften die Zahlen kein gutes Omen für den offiziellen Arbeitsmarktbericht am Freitag sein. Die US-Börsen eröffneten denn auch leicht im Minus.

Metro gegen den Trend fest

Im Dax  gab es nur wenige Ausreißer: Metro  setzten ihren Aufwärtstrend vom Vortag fort und legten um 1,5 Prozent zu. "Der Verkauf der defizitären Märkte in Großbritannien hat Hoffnungen geschürt, Metro möge sich auch von anderen Verlustbringern trennen", erklärte ein Händler. SAP profitierten von einer Kaufempfehlung der UBS und zogen um 1,6 Prozent an.

Die Aktien der Deutschen Bank  verteuerten sich um 0,9 Prozent, während die Aktionäre bei der Hauptversammlung in Frankfurt Abschied von Josef Ackermann nahmen. Der scheidende Bank-Chef stimmte seine Nachfolger auf schwierige Zeiten ein. Auch die anderen Finanzwerte tendierten europaweit leicht im Plus. Die zuletzt arg gebeutelten Bankia-Titel gaben indes ihre Anfangsgewinne ab und verloren 2,5 Prozent.

Im TecDax  stiegen die Aktien von Nordex um 3,9 Prozent an. Die Titel profitierten laut Händlern von der Verhängung von Strafzöllen in den USA gegen chinesische Windkraftanlagen-Betreiber.

Euro und Ölpreise erholt sich

Die Ölpreise haben sich am Donnerstag leicht von ihren am Vortag verzeichneten Jahrestiefständen erholt. Experten bewerten den zaghaften Aufwärtstrend jedoch skeptisch und sprechen lediglich von einer Gegenbewegung. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) zur Auslieferung im Juli stieg bis zum Mittag auf 104,05 US-Dollar. Das waren 58 Cent mehr als am Vortag. Ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 36 Cent auf 88,19 Dollar zu. Damit notieren die Preise weiterhin auf äußerst niedrigem Niveau.

Die Rohstoff-Experten der Commerzbank machen den im Zuge der Verschärfung der Euro-Schuldenkrise weiter aufwertenden Dollar und die zunehmenden Konjunktursorgen als Belastung für die Ölpreise aus. WTI tendiere fast 20 Prozent niedriger als im Jahreshoch und habe damit den sogenannten "Bärenmarkt" erreicht. Es seien vor allem die externen Faktoren, die die grobe Richtung vorgeben. Zudem sehe der Markt die Angebotslage als äußerst komfortabel.

Gefahren eines Angebotsausfalls wie sie derzeit beispielsweise von dem Atomkonflikt des Westens mit dem Iran ausgehen, würden komplett ignoriert, so die Commerzbank-Analysten. Dabei habe der iranische Präsident gestern die Erwartungen an das Treffen Mitte Juni in Moskau gedämpft. Eine Neueinschätzung der geopolitischen Risiken könne die Stimmung immer schnell drehen lassen.

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hat sich ein wenig von seinen drastischen Vortagesverlusten erholt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde im frühen Handel mit 1,2393 Dollar gehandelt. Ein Dollar war 0,8069 Euro wert. Im asiatischen Handel hatte der Euro zeitweise nur 1,2359 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch noch auf 1,2438 (Dienstag: 1,2523) Dollar festgesetzt.

mg/nis/dpa-afx/rtr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.