Verkauf der deutschen Tochter Telefónica will O2 an die Börse bringen

Spaniens Telefonriese Telefónica will Kasse machen: Europas größte Telefonfirma erwägt, sich zumindest zum Teil von zwei seiner wichtigsten Sparten zu trennen. Telefonica plant offenbar, seine Deutschland-Tochter O2 an der Börse bringen - und sein Lateinamerika-Geschäft gleich dazu.
Telefónicas Deutschland-Zentrale München: Börsengang für O2 eingeleitet

Telefónicas Deutschland-Zentrale München: Börsengang für O2 eingeleitet

Foto: Telefonica

Madrid - Die O2-Mutter Telefónica erwägt wegen ihrer hohen Verschuldung den Börsengang zwei seiner wichtigsten Sparten: Telefonica will ihre Deutschland-Tochter an die Börse bringen. Die Vorbereitungen für ein Listing von Telefonica Deutschland mit seiner Mobilfunkmarke O2 seien begonnen worden, teilte der spanische Telekomkonzern am Mittwoch mit. Zudem erwäge Telefonica eine Börsennotierung des Lateinamerika-Geschäfts.

Telefónica sitzt auf einem Schuldenberg von rund 57 Milliarden Euro und litt zudem zuletzt unter der Wirtschaftskrise im Heimatland. Diese führte auch dazu, dass Telefonicas Zinslasten für die eigenen Milliardenschulden deutlich gestiegen sind - offenbar zu hoch für das Unternehmen.

Das lateinamerikanische Geschäft war im ersten Quartal der größte Gewinnbringer des Konzerns. Zudem zog der Umsatz dort deutlich an, während er in Europa vor allem wegen der Schwäche in Spanien sank. Sollte es zum Gang aufs Parkett kommen, wäre es wohl einer der größten Börsengänge in Deutschland seit vielen Monaten.

Telefónica profitiert in Deutschland wie auch die Telefónica-Rivalen etwa von E-Plus vom weiter ungebrochenen Trend zu Smartphones und mobilem Internet. Zwischen Januar und März stieg die Zahl der Mobilfunkkunden um 7,1 Prozent auf rund 18,6 Millionen. Telefonica Deutschland rangiert damit unter den Handy-Netzbetreibern auf dem vierten Platz hinter der KPN-Tochter E-Plus sowie den beiden Platzhirschen Deutsche Telekom  und Vodafone .

Schwäche des Heimatmarktes trifft Telefonica

Im ersten Quartal hatte Telefónica  dank des Erfolgs seiner Mobilfunkmarke O2 den operativen Gewinn in Deutschland um 13 Prozent auf 295 Millionen Euro steigern können. Für 2012 will Telefonica 1,50 Euro je Aktie an die Aktionäre ausschütten, teilte der spanische Konzern am Mittwoch weiter mit. 1,30 Euro je Aktie sollten sie als Dividende erhalten, den Rest durch Aktienrückkäufe.

Telefónica hatte im ersten Quartal dieses Jahres allerdings bereits weniger verdient als erwartet. Der operative Gewinn vor Abschreibungen sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um fast 9 Prozent auf 5,08 Milliarden Euro. Vor allem in Spanien trifft es den Konzern: Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit wandern viele Spanier zu Billiganbietern ab. Dabei steuerte das Heimatgeschäft noch ein Drittel zum operativen Gewinn bei. Zudem wagte der Konzern einen neuen Schritt, nach dem Neukunden beim Kauf von Smartphones keine Subvention mehr erhalten.

Der Konzern bekräftigte am Mittwoch das Ziel, die Verschuldung bis Ende 2012 unter das 2,35-fache des operativen Gewinns zu drücken. Zudem will das Unternehmen auch im kommenden Jahr eine Dividende ausschütten. In Europa ist Telefónica neben Deutschland noch stark in Tschechien und Großbritannien vertreten.

kst/dpa-afx/rtr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.