Börse Dax taucht ab - Schuldendrama droht zu eskalieren

Verluste an der Wall Street sowie wachsende Sorgen um die spanischen Banken sorgen dafür, dass der Dax am Nachmittag seine Verluste ausbaut. Vor allem Finanztitel werden abgestraft. Die EU-Kommission will Spanien ein Jahr mehr Zeit für die Verringerung seines Haushaltsdefizits geben.
Wie man das Blatt auch wendet: An der Börse herrscht Krisenstimmung

Wie man das Blatt auch wendet: An der Börse herrscht Krisenstimmung

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

New York / Frankfurt am Main - Eine Fülle negativer Nachrichten aus den hoch verschuldeten Eurozonen-Staaten sowie schwache US-Daten haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch kräftig ins Minus gedrückt.

Der Dax  beschleunigte in der letzten Handelsstunde seine Talfahrt und beendete den Handel mit einem Minus von 1,8 Prozent auf 6280 Punkten. Der MDax  gab um 2,01 Prozent nach und der TecDax  verlor 1,7 Prozent auf 751 Punkte.

An der Wall Street baute der Dow Jones  unterdessen seine Verluste auf 1,4 Prozent aus. Händler machten vor allem die Euro-Krise sowie schwache Konjunkturdaten für die Verkäufe verantwortlich.

"Die Euro-Krise hat die Märkte wieder voll im Griff", sagte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Spanien habe massive Probleme, was sich daran zeige, dass das Land seine Einsparziele vor 2014 nicht in den Griff bekomme. Die Politik müsse nun rasch zu einer Lösung kommen, mit einer Stimme sprechen und klare Rettungswege aus der Krise aufzeigen.

Renditen spanischer Anleihen über 6 Prozent

In Europa sorgt derweil die Zurückhaltung der Europäischen Zentralbank (EZB) bei den Hilfen für die in Schieflage geratene Bankia-Sparkasse für Unsicherheit. Zudem stieg die Rendite für fünfjährige spanische Staatsanleihen erstmals seit Ende November über 6 Prozent und eine Auktion italienischer Staatsanleihen verlief enttäuschend.

Euro fällt unter 1,24 US-Dollar

Belastend wirkten zudem neue Wahlumfragen in Griechenland, die nun das reformfeindliche Linksbündnis Syriza vor der konservativen Nea Dimokratia (ND) sehen, sowie deutlich schwächer als erwartet ausgefallene Daten vom US-Häusermarkt. Angesichts dieser negativen Gemengelage gerät der Euro immer stärker ins Kreuzfeuer: Die Gemeinschaftswährung sackte am Nachmittag unter die Marke von 1,24 US-Dollar. An den Anleihenmärkten steigt der Druck auf Italien und Spanien.

Stahlwerte und BASF sehr schwach

Stahlwerte präsentierten sich besonders schwach und litten unter den insgesamt gedämpften Konjunkturperspektiven. ThyssenKrupp  rutschten ans Dax-Ende mit minus 3,34 Prozent, Klöckner & Co (KlöCo) verloren als zweitschwächster MDax-Wert 5,11 Prozent.

Die am Vortag noch sehr gefragten Autowerte zählten ebenfalls zu den größten Verlierern. BASF (Kurswerte anzeigen) verbilligten sich nach negativ aufgenommenen Konzernaussagen zum Asiengeschäft um 2,00 Prozent.

Metro nach Spartenverkauf im Plus

Als klarer Spitzenreiter und einziger Gewinner im Dax  stiegen die Papiere der Metro  um 1,28 Prozent. Der Handelskonzern verkauft die britische Großhandelsgesellschaft Makro an die Booker Group. Börsianer sahen die Transaktion angesichts des geringen Volumens weniger als Kurstreiber denn als Anlass, bei der zuletzt abgestraften Aktie einzusteigen.

Die Aktien des Halbleiter-Zulieferers Süss Microtec büßten im TecDax  rund 3,14 Prozent ein. Als Grund sahen Händler die Nachricht, dass Finanzvorstand Michael Knopp gut ein Drittel seiner Aktien verkauft hat.

Deutsche Börse mit Aktienrückkauf

Den Aktien der Deutschen Börse (Kurswerte anzeigen) hielten sich dank eines angekündigten Aktienrückkaufprogramms etwas besser als der Gesamtmarkt. Der Börsenbetreiber plant, bis Ende Juli für rund 100 Millionen Euro eigene Aktien zurückzukaufen. Die Maßnahme finde im Rahmen des für 2012 geplanten Rückkaufvolumens von insgesamt bis zu 200 Millionen Euro statt, heißt es weiter.

Bankenwerte unter Druck

Die Bankenwerte gaben indes nach und folgten damit dem europaweit schwachen Branchentrend. Händler werteten einen Bericht der "Financial Times" negativ, wonach die EZB die von der spanischen Regierung geplante Sanierung von Bankia mit Staatsanleihen ablehnt. Das trübe die ohnehin schlechte Stimmung in dem Sektor noch weiter ein. Hinzu komme ein Bericht im britischen "Telegraph", wonach Barclays (Kurswerte anzeigen) den geplanten Verkauf seiner Sparten in Frankreich und Italien aufgibt.

Ölpreise rutschen weiter ab

Die Ölpreise haben ihre Kursverluste vom Vortag ausgeweitet. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Auslieferung im Juli kostete 106,38 Dollar. Das waren 33 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 40 Cent auf 90,36 Dollar.

nis/dpa-afx
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