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Facebook: Wer vom Börsengang profitiert

Foto: ? Rick Wilking / Reuters/ REUTERS

Chaotischer Handel SEC untersucht Facebook-Börsengang

23 Cent. Das ist das magere Plus der Facebook-Aktie nach dem Börsendebüt. Anleger zeigten sich nicht nur enttäuscht von der Performance des Papiers - sondern auch von einem chaotischen Handelstag an der Nasdaq, den die US-Börsenaufsicht SEC nun untersucht.

New York - Offenbar nur dank massiver Stützungskäufe durch die beteiligten Banken fielen die Facebook-Aktien nicht unter den Ausgabekurs von 38 Dollar. Am Ende eines nervenaufreibenden Handels schloss die Aktie am Freitagabend lediglich 23 Cent höher. Das war ein Plus von 0,6 Prozent. Die den Börsengang begleitenden Banken hatten die Anteilsscheine offenbar wiederholt mit Zukäufen über dem Ausgabepreis von 38 Dollar gehalten. Im Vorfeld hatten Börsianer Aufschläge von bis zu 50 Prozent erwartet.

Dabei hatte der Tag vielversprechend begonnen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg läutete aus der Firmenzentrale in Kalifornien die Eröffnungsglocke der US-Technologiebörse Nasdaq - angefeuert vom Jubel seiner Mitarbeiter. "Der Börsengang ist ein Meilenstein in unserer Geschichte", sagte Zuckerberg. "Doch eigentlich geht es um Folgendes: Unsere Mission ist es nicht, ein börsennotiertes Unternehmen zu sein. Unsere Mission ist es, die Welt offener und vernetzter zu machen."

Kurz darauf musste Zuckerberg mit anschauen, wie Facebook mit Pannen in die Börsenkarriere startete. Der Handel mit den Aktien hätte eigentlich um Punkt 11.00 Uhr an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq beginnen sollen (17.00 Uhr MESZ). Doch es dauerte eine geschlagene halbe Stunde, bis der erste Kurs draußen war - für Börsianer eine Ewigkeit.

Die Nasdaq-Systeme waren mit den Millionen Kauf- und Verkaufsaufträgen überfordert. Börsianer beschwerten sich, dass sie auch nach Stunden immer noch nicht wussten, ob ihre Order nun erfolgreich war oder nicht. Dabei verspricht gerade die rein computergestützt arbeitende Nasdaq superschnelle Abläufe. Die US-Börsenaufsicht SEC leitete nach Handelsschluss eine Untersuchung ein.

"Wir mussten vollkommen blind fliegen"

wechselten 83 Millionen Aktien des Börsenneulings den Besitzer. Der erste Kurs lag bei 42 Dollar und damit gut 10 Prozent über dem Ausgabepreis, doch im weiteren Handelsverlauf konnte sich das Papier nicht halten. "Da gab es einige Unsicherheit rund um die Eröffnung, weil die Leute nicht wussten, auf welchem Stand ihre Aufträge waren", sagte ein Händler.

Mehrere Broker sagten, die Nasdaq sei bis zum Ende des Handelstages die sonst in Sekundenschnelle vorliegende Auftragsbestätigung schuldig geblieben. "Wir mussten vollkommen blind fliegen", sagte ein Händler von Morgan Stanley, der mehr als 30 Kaufanfragen eingereicht hatte. Auch ein Broker von Raymond James Financial wartete vergeblich auf eine Quittung für seine vor Handelsbeginn vorgelegten Bestellungen ab einem Preis von 42 Dollar je Aktie. "So etwas haben wir durchaus erlebt, wenn der Markt verrückt spielt, aber noch nicht, wenn es nur um ein einzelnes Papier geht", sagte der Händler.

Der glanzlose Handelsauftakt von Facebook belastete den ganzen Aktienmarkt, besonders aber andere Internetfirmen. Das berufliche Onlinenetzwerk LinkedIn  büßte 6 Prozent ein, das Schnäppchenportal Groupon und das Internetradio Pandora verloren jeweils 7 Prozent. Der Facebook-Partner und Spieleentwickler Zynga rutschte um 13 Prozent ab. Bei Zynga wurde der Handel sogar zweimal gestoppt, weil die Verluste so hoch waren.

Alle Genannten waren erst in den vergangenen Monaten an die Börse gegangen. Doch selbst der seit acht Jahren börsennotierte Internetriese Google  konnte sich dem Negativtrend nicht entziehen und verlor 3 Prozent, beim Branchenurgestein AOL lag das Minus bei 1 Prozent.

Zuckerberg verkauft eigene Aktien

Einzig Yahoo  legte um 3 Prozent zu. Nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg verhandelt das Unternehmen gerade mit seinem chinesischen Partner Alibaba über den Rückkauf eines Anteilspakets, was mehrere Milliarden in die Kasse spülen würde. Das scheint Yahoo vor dem Schicksal seiner Rivalen bewahrt zu haben.

Insgesamt nahmen das Unternehmen und seine Alteigentümer 16 Milliarden Dollar durch den Börsengang ein. Auch Zuckerberg hat einen Teil seiner Aktien verkauft, aber nur, um fällige Steuern zu begleichen. Der Gründer behält die Kontrolle über Facebook, weil er Aktien mit besonders vielen Stimmrechten besitzt.

Der Börsengang des sozialen Netzwerks ist der Höhepunkt einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Zuckerberg hatte Facebook zusammen mit Kommilitonen 2004 als digitales Jahrgangsbuch für Studenten auf die Beine gestellt. Schon im ersten Jahr zog das Netzwerk rund eine Million Nutzer an. Noch in diesem Jahr dürfte die Milliardenmarke geknackt werden.

Trotz der Irrungen und Wirrungen am ersten Tag dürfen sich Zuckerberg und die anderen Anteilseigner aber nicht beklagen: Der Gesamtwert von Facebook belief sich am Ende des Tages auf annähernd 105 Milliarden Dollar oder umgerechnet rund 82 Milliarden Euro. Das ist mehr als die deutschen Traditionsunternehmen BMW , Deutsche Bank  und Adidas  zusammen kosten.

ts/dpa/rtr
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