Chinas Dumping-Exporte US-Strafzölle beflügeln Solaraktien

Ramponierte Solaraktien ziehen am Freitag kräftig an. Anlass sind neue US-Strafzölle gegen chinesische Module, die zu Dumpingpreisen den US-Markt überfluten. Analysten glauben aber, dass die Erholung nicht lange anhalten wird.
Hatte die US-Strafzölle gefordert: Solarwolrd-Chef Frank Asbeck - sein Unternehmen produziert auch in den USA

Hatte die US-Strafzölle gefordert: Solarwolrd-Chef Frank Asbeck - sein Unternehmen produziert auch in den USA

Foto: ASSOCIATED PRESS/ Hermann J. Knippertz

Frankfurt am Main/Washington - Die neuen US-Strafzölle für chinesische Solar-Module haben den Solarwerten am Freitag im TecDax  erheblichen Auftrieb gegeben. Aktien von Solarworld  legten am Vormittag rund 17 Prozent zu. Auch Centrotherm  und SMA Solar  verteuerte sich zwischen 5 und 3 Prozent.

Die Forderung nach den Zöllen geht auf die US-Tochter der Bonner Solarworld und andere amerikanische Firmen zurück. Die Unternehmen werfen der chinesischen Konkurrenz unlauteren Wettbewerb vor.

DZ-Bank-Analyst Sven Kürten sieht für die Solarworld-Aktie allerdings kein langfristiges Erholungspotenzial. "Die Zölle mögen dem Unternehmen in den USA zwar helfen, aber dann werden die chinesischen Module eben in andere Märkte verkauft und dort den Preisdruck erhöhen - eine wirkliche Verbesserung der Lage ist das also nicht", schrieb er in einem Kommentar.

Das US-Handelsministerium belegte chinesische Solarimporte wegen Preisdumpings mit hohen Strafzöllen. Sie liegen zwischen 31 und 250 Prozent, wie das Ministerium auf Basis einer vorläufigen Entscheidung am späten Donnerstagabend mitteilte. Chinesische Unternehmen böten wegen staatlicher Subventionen ihre Produkte unter den Herstellungskosten an, hieß es zur Begründung. Die endgültige Entscheidung soll Anfang Oktober fallen.

Chinesische Suntech kritisiert US-Entscheidung

Der Solarworld-Konzern, der die Klage mit einigen US-Firmen in den USA ins Rollen gebracht hatte, begrüßte das Ergebnis. Die Entscheidung des US-Handelsministeriums mache Mut, dass man zu einem fairen Wettbewerb zurückkehren könne, sagte Unternehmenschef Frank Asbeck. "Illegale chinesische Handelspraktiken zerstören den Solarmarkt und gefährden zahlreiche Arbeitsplätze." Solarworld betreibt eine große Produktion in Hillsboro (Oregon). Das Urteil aus den USA sei ein "Signal an Europa, wo vergleichbare Maßnahmen greifen müssen." Asbeck hofft, dass auch Brüssel bald aktiv wird.

Das größte chinesische Solarunternehmen Suntech  wird mit Zöllen von 31,22 Prozent belegt. Vertriebschef Andrew Beebe kritisierte die Entscheidung. Sie spiegele nicht die Realität des hohen Wettbewerbs in der Industrie wider, sagte er. Suntech erziele positive Margen, weil die Umsätze höher seien als die Produktionskosten. Beebe kündigte an, eng mit dem US-Handelsministerium zusammenarbeiten zu wollen, um der Behörde zu beweisen, dass die Zölle nicht gerechtfertigt seien. Dem Vernehmen nach kommen Unternehmen, die mit dem Ministerium kooperierten, noch mit vergleichsweise niedrigen Zöllen davon.

rei/dpa/rtr
Mehr lesen über Verwandte Artikel