Samstag, 7. Dezember 2019

Wichtige Wahlen Europäische Börsen am Scheideweg

Beherrschendes Thema auch an der Börse: Wer gewinnt die Wahl in Frankreich?

Die Euro-Krise macht die Anleger nervös und schickte die Aktienkurse in den letzten Monaten ins Minus. Jetzt richten sich die Blicke nach Frankreich und Griechenland, wo wichtige Wahlen bevorstehen. Die Börsen brauchen dringend eine klare politische Linie.

Hamburg - Nur noch wenige Tage, dann könnte die politische Landkarte Europas in anderen Farben leuchten. Griechenland, möglicherweise unregierbar. Frankreich von einem Sozialisten gelenkt. Schwarze Zeiten für die Börse? Immerhin haben europäische Börsenindizes seit März an Wert verloren. 6 Prozent büßte zum Beispiel der Dax Börsen-Chart zeigen seit seinem Hoch im März von über 7100 Punkten ein, 10 sein französisches Pendant, der CAC 40 Börsen-Chart zeigen.

Denn was geschieht, sollten die neuen Regierungen den mühsam gefundenen Sparkonsens missachten? Brauchen wir etwa eine Margaret Thatcher in Europa, worüber die Saxo Bank zuletzt in einem Kommentar laut nachdachte? Politiker also, die einen einmal eingeschlagenen Kurs stetig, vielleicht stur verfolgen und nicht erst dem Sparen das Wort reden, dann Konjunkturprogrammen und dann wieder dem Sparen? Investoren zumindest spähen gebannt nach Paris und Athen.

"Europa steht am Scheideweg und sucht nach der neuen Politik", sagt einer von ihnen. Philippe Mimran gibt bei La Française AM die Richtlinien für die Geldanlage vor. "Wenn François Hollande wie weitestgehend erwartet gewählt wird, wird es einige politische Anpassungen geben. Aber niemand darf vergessen, dass die französische Sozialistenpartei sehr pro-Euro eingestellt ist und nichts tun würde, was die EU gefährden würde."

"Die Märkte treiben die Politik vor sich her"

Alles in Ordnung also? Nein, räumt auch Mimran ein. "Wenn eine Wahl starken Einfluss auf die Märkte hat, könnte es die in Griechenland sein." Nicht unbedingt wegen der Wahl selbst. Sondern wegen der Reformen oder des Mangels an Reformen. Spanien oder auch Frankreich zum Beispiel sind "starre Volkswirtschaften", die Renten und Arbeitsmarktreformen brauchen, schreibt Ad van Tiggelen, Senior Investment Spezialist von ING Investment Management. Die Politik ist also am Zuge. Doch zieht sie?

Offenbar nein. "Die Märkte treiben die Politik vor sich her", sagt gegenüber manager magazin online Harald Preißler, Chefvolkswirt des Anleihenmanagers Bantleon. "Sie kommentieren allerdings nicht, es ist eher wie bei Abstimmungen - sie kennen nur 'kaufen' oder 'verkaufen'. Und derzeit sind die Märkte nicht glücklich, aber auch noch nicht so unglücklich wie im Herbst letzten Jahres. Außerdem sind in den letzten Wochen nicht 'die Märkte' unter die Räder gekommen, sondern nur die Staatsanleihenmärkte."

Tatsächlich stiegen die Risikozuschläge, die sieche Länder wie Italien oder Spanien für ihre Anleihen zahlen mussten, zuletzt wieder an. Doch anders als sonst, hält die Unsicherheit an und damit die Schwankungen. Selbst der Goldpreis bewegt sich seit März seitwärts - Zeichen dafür, dass die Investoren einfach nicht weiter wissen. "Die Krise läuft seit zwei Jahren, oder seit 12 Jahren, je nach Sichtweise. Es gab aufsichtspolitische Fehler, auch Fehler in der Geldpolitik - und die löffeln wir jetzt langsam aus." Ein Zustand, der andauern dürfte.

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