Donnerstag, 22. August 2019

Mark Mobius "Die Lehren für den Euro-Raum"

Indiana Jones der Geldanlage: So lautet der Spitzname von Mark Mobius. Mobius wurde 1987 Vorstand der Templeton Emerging Markets Fund und verantwortet in dieser Position das knappe Dutzend jener Fonds des Hauses.

Mark Mobius gilt als Schwellenländerguru und ist einer der erfahrensten Investoren der Emerging Markets. Im Gespräch mit manager magazin online erklärt er, mit welchen Problemen die aufstrebenden Länder derzeit kämpfen - und was Europa von deren Krisenmanagement lernen kann.  

mm: Herr Mobius, Sie sind seit Jahrzehnten in den Emerging Markets aktiv, die ein gerüttelt Maß an Erfahrung mit Krisen haben. Kann die Euro-Zone davon lernen?

Mobius: Sie kann einiges lernen, das stimmt. Vor allem, wenn man auf die Bedingungen für die Schaffung eines unternehmerischen Umfelds schaut. Singapur ist da beispielsweise sehr flexibel, ein Unternehmen ist dort im Handumdrehen hochgezogen. Das würde Wachstum schaffen, das einige Regionen der Euro-Zone so bitter vermissen lassen.

mm: Aber so gut sind die Emerging Markets ja auch nicht als Vorbild, wenn man zum Beispiel nach Argentinien blickt. Das Land will ja immerhin die Tochter eines privaten Konzerns, Repsol Börsen-Chart zeigen, verstaatlichen.

Mobius: Das gilt nicht nur für Argentinien. Venezuela ist Argentinien vorangegangen mit der Verstaatlichung der Ölindustrie. Im gewissen Rahmen ist das sicherlich verständlich. Die Länder wollen ihre Assets beschützen, also ihre Ölreserven. Aber das funktioniert in einer globalisierten Welt nicht mehr, protektionistisches Verhalten wird jedem weltweit offenbart. Ein besseres Beispiel ist Brasilien. Die brauchen ausländisches Knowhow, um ihre Tiefseequellen ausbeuten zu können. Das haben sie verstanden und werben jetzt um die entsprechenden Arbeitskräfte - vor allem Ingenieure - sowie die Zusammenarbeit mit norwegischen Spezialunternehmen. Sie versuchen aber auch langfristig, mehr Ingeneure auszubilden. Aber zurück zu Repsol - das ist nicht gut. Besser wären Wege wie zum Beispiel joint ventures.

mm: Ist es ein Problem, dass einige Emerging Markets etwas rigide geführt werden, um es höflich zu sagen?

Mobius: Einige der Länder sind in der Tat benevolente Diktaturen, Kasachstan zum Beispiel, das befindet sich de facto im Besitz einer einzigen Familie. Und in Singapur gibt es nur eine einzige Partei. Von unserem Verständnis her sind das natürlich keine Demokratien. Aber sie sorgen zunehmend für die Grundbedürfnisse der Menschen, Essen oder Unterkunft.

mm: Im Lauf der Krise hat man de Eindruck, Politik und Märkte liefern sich ein fröhliches Katz- und Igel-Spiel. Wer ist derzeit am Drücker?

Mobius: Ich denke derzeit sind es die Märkte - und die Politiker versuchen zu verstehen, was geschieht. Ist auch schwierig. Bevor die Welt so eng zusammenrückte, war das alles nicht so komplex, hing nicht alles mit allem zusammen.

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