Geldanlage Fünf Tipps für Dividendenfischer

Der Dax hat einen herben Dämpfer erlitten. Je stärker die Kurse schwanken und je höher die Nervosität, desto größer ist der Wert regelmäßiger Ausschüttungen. Fünf Dinge, die man über Dividenden wissen sollte.
Von Arne Gottschalck
Augen auf: Börsianer haben unruhige Tage hinter sich

Augen auf: Börsianer haben unruhige Tage hinter sich

Foto: Francois Mori/ AP

Hamburg - Für Dax  und Daimler war es keine schöne Woche. Der deutsche Leitindex hat kurz vor Ostern deutliche Kursverluste erlitten, und auch die Aktionäre des Stuttgarter Autobauers Daimler  waren mit Blick auf die jüngste Kursentwicklung wenig begeistert. Das Einzige, was die Anteilseigner während der Daimler-Hauptversammlung in dieser Woche in Berlin gnädig stimmte, war die Dividende von 2,20 Euro je Aktie: Eine Steigerung um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getragen durch eine Gewinnsteigerung des Konzerns um 26 Prozent.

2,3 Milliarden Euro schüttet Daimler in diesem Jahr an seine Anteilseigner aus - diese Summe wird im Dax nur noch von Siemens  (2,6 Milliarden Euro) und der Deutschen Telekom  (3 Milliarden Euro) getoppt.

Viele Anleger konzentrieren sich nicht mehr auf Kurssteigerungspotenziale, sondern auf jene Unternehmen, die regelmäßige Dividenden ausschütten. Statt hektisch hin- und herzuschichten, setzen sie darauf, Erträge für ihr Depot vor allem aus den laufenden Gewinnausschüttungen zu erzielen. Mit gutem Grund: Die 30 Dax-Konzerne haben ihre Dividenden für das Geschäftsjahr 2011 um rund 6 Prozent auf 27,5 Milliarden Euro gesteigert, die durchschnittliche Dividendenrendite des Dax liegt klar über der von Staatsanleihen.

Dividendenfonds dürften 2012 weiter an Bedeutung gewinnen, zeigt eine Studie von Blackrock. Umso wichtiger ist es für Privatanleger, einige Punkte bei der Jagd auf Dividenden zu beachten.

Geduld zahlt sich aus - warum Geduld US-Anlegern leichter fällt

Den Schwerpunkt auf Dividenden zu legen bedeutet auch, Zeit zu investieren. "Anleger bräuchten das, was Tolstoi die 'zwei mächtigsten Krieger' nannte: Geduld und Zeit", schreibt John Chatfeild-Roberts, CIO von Jupiter Asset Management. Drei bis fünf Jahre Geduld sollten Anleger mindestens mitbringen - schon deswegen, weil sich Dividendenzahlungen mit steigender Anlagedauer summieren. Kenneth French, Finanzprofessor an der Tuck School, hat ausgerechnet, wie sich Aktien aus dem S&P 500 seit 1926 entwickelt haben - einmal mit und einmal ohne Dividenden. Ohne Dividende lag die jährliche Rendite bei 5,35 Prozent, mit ihr bei 9,67 Prozent. Langfristig machen Dividenden daher das Gros der Aktienerträge aus.

In den USA ist die Strategie, Dividentitel langfristig zu halten, ohnehin verbreiteter als hierzulande. Dazu trägt auch der Ausschüttungsrhythmus bei: Unternehmen wie Microsoft  oder McDonald's  überweisen alle drei Monate einen Anteil am Gewinn an ihre Aktionäre - damit steigt der Anreiz für die Investoren, auf Grund der laufenden Zahlungen ihre Unternehmensbeteiligung langfristig zu halten. In Deutschland dagegen wird der Dividendensegen einmalig fürs Gesamtjahr ausgeschüttet - und direkt bei Auszahlung mit 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Kirchensteuer belegt.

Ein Unterschied mit Geschichte. "Dass US-amerikanische Unternehmen eine Quartalsdividende und deutsche Unternehmen eine jährliche Dividende ausschütten, ist historisch bedingt", erklärt Denise Kissner, Produktspezialistin für Dividendenstrategien bei der DWS. "Generell gilt: Unternehmen, die eine nachhaltige Dividendenpolitik verfolgen, binden per se die Aktionäre eher an sich, als Unternehmen, die keine Dividende zahlen." Die Zahlungsfrequenz spiele dabei eher eine untergeordnete Rolle, so Kissner.

Vorsicht bei optisch hohen Dividenden

Niemand sollte sich allerdings von zu hohen Dividenden blenden lassen. Denn die Kennzahl allein kann in die Irre führen. "Viele Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen mussten ihre Dividenden im Jahr 2009 infolge der globalen Finanzkrise senken", rechnet Stuart Rhodes von der britischen Fondsgesellschaft M&G vor. "Das markanteste Beispiel dafür sind Banken. Die hohen Renditen im Banksektor erwiesen sich als illusorisch."

Auch Dividendensteigerungen sind nicht unbedingt Ausweis erfolgreichen Wirtschaftens. Denn einige Unternehmen beschließen Mindestdividenden, die nicht durch die laufenden Gewinne gedeckt sind und damit auch nicht als Zeichen von Ertragsstärke gesehen werden können. Die Deutsche Telekom  beispielsweise legte sich 2010 auf eine Mindestausschüttung fest - und beschloss, für die Jahre 2010, 2011 und 2012 mindestens 70 Cent je Aktie auszuschütten. Unabhängig vom wirtschaftlichen Umfeld.

Das erfreut vielleicht den Großaktionär Bund, doch das Geld fehlt dann für Investitionen in einem umkämpften Umfeld. Eine nachhaltige Dividendenstrategie sieht anders aus.

Ein Hoch auf die Langweiler

An der Börse kann Langeweile entspannend wirken. Denn es gibt sie noch - die Unternehmen, die einem Uhrwerk gleich eine stete bis steigende Dividende an ihre Aktionäre überweisen. Allianz  gilt als so ein Fall. Und die Münchener Rück hat ihre Dividendenzahlungen seit 1969 nicht mehr gekürzt. Das beobachten auch Anlageprofis: "Zwei Titel haben die Dividende jedes Jahr gesteigert: Fresenius Medical Care und der Mutterkonzern Fresenius", sagt Peter Reichel, Leiter Private Vermögensverwaltung der Berenberg Bank. "Zwei weitere Aktien haben bis auf ein Jahr die Dividende immer gesteigert: Linde etwas mehr als Bayer."

Auch der Gesamt-Dax  ist kein schlechtes Pflaster für Dividendenjäger: 2002 lag die Dividendenrendite des Dax30 bei 2,4 Prozent und aktuell bei mehr als 3 Prozent.

Das Geschäftsmodell des Konsumgüterherstellers Henkel  zum Beispiel ist nicht unbedingt schillernd - die diesjährige Steigerung der Dividende um 11 Prozent auf 0,78 Euro je Aktie ist hingegen eindrucksvoll. Selbst wenn Euroland in diesem Jahr erneut in die Rezession rutschen sollte - das Geschäft mit Waschmitteln und Klebstoffen geht immer und gilt als vergleichsweise krisenfest. Auf diese Weise ist die Dividende durch ein nachhaltiges Ertragsmodell abgesichert. Langweilig, aber lohnend.

Das kommt an bei den Investoren. "Bei der Überprüfung der Kapitaldisziplin eines Unternehmens achten wir insbesondere auf die langfristige Dividendenhistorie", sagt zum Beispiel Fondsmanager Rhodes. "Üblicherweise halten wir nach Firmen Ausschau, die ihre Dividenden in mindestens zehn aufeinander folgenden Jahren anheben konnten."

Einlullen lassen darf sich aber niemand - denn auch Aktien mit guter Dividendenhistorie können Probleme bekommen. Zum Beispiel die langjährigen Dividendentitel RWE und Eon, die den rechtzeitigen Umstieg auf Erneuerbare Energien verschlafen haben. Ergebnis: Eon  musste das für das Jahr 2011 seine Dividende um ein Drittel kürzen, RWE  sogar um 43 Prozent.

Auf neue Dividendentitel achten

Doch was ist mit den "jungen Wilden"? Lässt sich nicht auch eine Aktie mit Wachstumspotential, mit einer frischen Geschichte kaufen? Ja. Denn inzwischen entdecken immer mehr Unternehmen die Beziehungspflege per Dividende. Apple  hat inzwischen einen Berg aus Bargeld in Höhe von gut 98 Milliarden Dollar aufgehäuft. Ausschüttungen an die Aktionäre lagen dem verstorbenen Firmenchef Steve Jobs fern: Er wollte das Geld für Wachstum nutzen. Sein Nachfolger Tim Cook brach mit dieser Tradition, er will erstmals Dividenden verteilen. Aktionäre belohnten diesen Schritt: Am Tag der Verkündung dieser Nachricht stieg die Apple-Aktie auf ein Rekordhoch.

Auch in Deutschland gibt es Fälle, in dem Konzerne ihre Dividendenstrategie ändern. Tom Tailor  zum Beispiel. Zwei Jahre nach dem Börsengang will das Modeunternehmen erstmals eine Dividende ausschütten. 17 Cent je Aktie sollen es sein.

Allerdings sagt eine Dividende noch nichts über die wirtschaftliche Gesundheit eines Unternehmens aus. Immerhin war es Börsenaltmeister Warren Buffett, dessen Unternehmen Berkshire Hathaway seinen Aktionären noch nie eine Dividende gegönnt hat. Das Unternehmen gilt als kerngesund. Buffetts Begründung - überschüssiges Kapital müsse in der Firma arbeiten. Geld in die Taschen der Aktionäre zu stopfen, empfände Buffett als unternehmerisches Versagen.

Wachsam bleiben

Sind Dividenden also der Schlüssel zum Börsenerfolg? Alleine sicherlich nicht. Das zeigt die jüngste Vergangenheit. So konnte sich der so genannte DivDax - er enthält die 15 Dax-Unternehmen mit der höchsten Dividendenrendite - 2011 nicht vom breiter aufgestellten Dax lösen. "Wir halten nie eine Aktie allein wegen der attraktiven Dividende", sagt Ian Kelly, Fondsmanager des Schroder ISF European Equity Yield Fund.

"Ok, wir schauen schon auf die Unternehmen, die eine höhere Dividende ausschütten als der Schnitt. Aber die Nachhaltigkeit und das Potential für weitere Steigerungen, das ist von großer Wichtigkeit." Was bleibt dem Anleger daher? Aufmerksam bleiben - wie immer.

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