Kurseinbruch Fed bringt Dax und Dow ins Wanken

Die Aktienmärkte hängen am billigen Geld: Die Aussicht, dass die US-Notenbank angesichts verbesserter Konjunkturprognosen den Geldhahn nicht weiter aufdreht, sorgt für einen Ausverkauf. Der Dax stürzt auf ein Monatstief.
Händler an der Börse in Frankfurt: Der Dax bricht kurz vor Ostern ein

Händler an der Börse in Frankfurt: Der Dax bricht kurz vor Ostern ein

Foto: REUTERS

New York/Frankfurt am Main - Die US-Notenbank Fed dreht den Geldhahn wohl nicht noch weiter auf und hat damit die Anleger an den europäischen Aktienmärkten in Aufregung versetzt. Immer weniger US-Notenbanker sprechen sich für eine zusätzliche Geldspritze zur Ankurbelung der US-Konjunktur aus, wie aus dem jüngsten Sitzungsprotokoll der Fed hervorgeht.

"Das ist für den Markt eine große Enttäuschung, die Aussicht auf billige und überbrodelnde Liquidität ist doch zu verlockend", sagte ein Händler. Zusätzlich belastet wurden die Börsen durch eine am Markt mit Enttäuschung aufgenommene Auktion spanischer Anleihen.

Dax verliert knapp 3 Prozent - Dow trotz guter Jobdaten schwächer

Der Dax (Kurswerte anzeigen) baute seine Verluste im Handelsverlauf kontinuierlich aus und schloss 2,8 Prozent tiefer bei 6784 Punkten. Damit markierte der Dax den tiefsten Stand seit rund einem Monat. Der MDax verlor 3,1 und der TecDax sackte um 2,8 ab.

Auch an den US-Börsen ging es bergab. Der Leitindex Dow Jones (Kurswerte anzeigen) lag im frühen Handel mit mehr als einem Prozent im Minus, und auch der Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) baute zuletzt seine Verluste auf 1,5 Prozent aus .

Unbeeindruckt zeigten sich die Börsen vom US-Arbeitsmarktbericht des privaten Anbieters ADP, demzufolge die Zahl der Stellen in der US-Privatwirtschaft im März um 209.000 gestiegen ist. Analysten hatten mit einem Plus von 200.000 Jobs gerechnet.

Spanien sorgt zusätzlich für Verunsicherung

Für Verunsicherung sorgte Spanien, das sich am Kapitalmarkt zu höheren Zinsen als zuletzt mit Geld eingedeckt hat. Neben den deutschen Aktien weiteten auch die Kurse zehnjähriger spanischer Bonds ihre Verluste aus. "Die Marktreaktion finde ich nicht ganz gerechtfertigt. Zwar lag das Emissionsvolumen am unteren Rand der Planung, aber schließlich hat Spanien in den vergangenen Wochen und Monaten meist so viel wie geplant verkaufen können", sagte Sebastian von Koss, Analyst bei HSBC Trinkaus.

Dass die Renditen gegenüber der letzten Auktion gestiegen seien, spiegele lediglich die Entwicklung am Sekundärmarkt wider.

EZB: Leitzins bleibt bei 1 Prozent

Auch die wegen der Osterfeiertage auf Mittwoch vorgezogene EZB-Sitzung hielt wenig Überraschungen bereit. Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ den Leitzins wie erwartet bei einem Prozent. Notenbankchef Mario Draghi sagte, dass die Abwärtsrisiken für den Wirtschaftsausblick in der Euro-Zone weiter bestehen blieben.

Finanztitel kommen unter die Räder

In dem nervösen Marktumfeld verkauften Anleger wahllos Einzeltitel. Besonders hart traf es konjunkturabhängige Aktien und die Banken. So verloren BASF (Kurswerte anzeigen)3,3 Prozent auf 63,55 Euro, Aktien von ThyssenKrupp (Kurswerte anzeigen) 3,5 Prozent auf 17,96 Euro, von HeidelbergCement 4,4 Prozent auf 43,34 Euro.

Bei den Finanztiteln verloren Commerzbank (Kurswerte anzeigen) 3,5 Prozent auf 1,78 Euro und die der Allianz 3,4 Prozent auf 87,07 Euro.

Autowerte sehr schwach

Unter die Räder kam auch der Automobilsektor. Hier verloren Aktien von Daimler  2,3 Prozent auf 44,70 Euro und VW-Titel 2,7 Prozent auf 129,40 Euro. Auch ein neuer Absatzrekord von BMW  im ersten Quartal half nicht: Das Papier verlor 2,1 Prozent auf 66,56 Euro. In dem schlechten Umfeld hätten die Zahlen kein Gehör gefunden, hieß es im Handel.

Infineon brechen ein - Umsatzwarnung von SanDisk

Tagesverlierer waren Infineon-Aktien mit einem Minus von 5,7 Prozent auf 7,43 Euro. Der Titel reagierte zusätzlich auf eine Umsatzwarnung von SanDisk. Für Fraport ging es um 3 Prozent auf 46,54 Euro nach unten.

Nachtflugverbot: Lufthansa gibt kräftig nach

Für Gesprächsstoff am deutschen Aktienmarkt sorgte das Verbot von Nachtflügen am Frankfurter Flughafen. Zwischen 23 Uhr und 5 Uhr seien keine Starts und Landungen an Deutschlands größtem Luftdrehkreuz erlaubt, urteilte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Lufthansa- und Fraport-Aktien weiteten daraufhin ihre Verluste aus. Am Nachmittag waren Lufthansa (Kurswerte anzeigen) im Dax mit einem Abschlag von rund 5 Prozent die größten Verlierer.

"Die Entscheidung ist nicht überraschend gekommen - für die Lufthansa wiegt sie aber schwerer als für den Flughafenbetreiber Fraport", sagte ein Händler. Ein Nachtflugverbot kostet Lufthansa Cargo nach eigenen Angaben im Jahr 40 Millionen Euro Gewinn. Die NordLB beließ die Aktien von Fraport nach dem Urteil weiter auf "Halten".

Euro stürzt auf Zweiwochentief

Die enttäuschende Auktion spanischer Staatsanleihen hat den Euro in Dollar  am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Wochen gedrückt. Zuvor hatten bereits Aussagen der US-Notenbank die europäische Gemeinschaftswährung auf Talfahrt geschickt. Innerhalb von 24 Stunden verlor sie mehr als zwei Cent. Zuletzt fiel der Euro bis auf 1,3107 Dollar.

Das Signal zum Euro-Abverkauf gab die US-Notenbank am Vorabend: Die Fed erteilte einer weiteren geldpolitischen Lockerung vorerst eine Absage, wie das Protokoll der letzten Sitzung zeigte. Nachdem Fed-Chef Ben Bernanke Anfang vergangener Woche in einer Rede betont hatte, wie fragil die jüngste Erholung der US-Wirtschaft insbesondere mit Blick auf den Arbeitsmarkt sei, hatten Anleger wieder verstärkt auf eine neue Runde der quantitativen Lockerung (QE3) gesetzt, also auf ein neues Anleihekaufprogramm. Doch darauf ließ das Protokoll nicht schließen:

"Während im Januar noch einige Geldpolitiker eine baldige Ausweitung der Aufkäufe forderten, fehlte diesmal diese Einschätzung", erklärte Lothar Heßler, Experte vom Bankhaus HSBC Trinkaus. Der Dollar erhielt daraufhin massiv Auftrieb.

cr/dpa-afx/dapd/rtr
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