Mittwoch, 23. Oktober 2019

US-Handelsplattform Bats Albtraum-Börsengang trifft Apple-Aktie

Apple-Store in New York: Wegen des Bats-Fiaskos wurden Papiere des Konzerns kurzfristig vom Handel ausgesetzt

Die alternative US-Handelsplattform Bats hat ihren Börsengang nach einem katastrophalen ersten Handelstag abgebrochen. Apple-Aktien wurden in Mitleidenschaft gezogen. Nun ermittelt die Börsenaufsicht.

New York - Der Börsengang der drittgrößten US-Handelsplattform BATS Global Markets ist am Freitag zum völligen Fiasko geraten. Der Marktbetreiber zog die Notbremse und verabschiedete sich nach einer Serie von technischen Pannen und einem Kurseinbruch noch am Tag seines Debüts von der Börse. "Angesichts der heutigen Schwierigkeiten, die den Handel mit bestimten Aktien und Bats-Anteilsscheinen betrafen, glauben wir, dass es angemessen ist, den Börsengang zurückzuziehen", sagte Bats-Chef Joe Ratterman.

Die Bats-Aktie, die am Freitag erstmals an der eigenen Plattform Bats Exchange notierte, fiel zur Eröffnung um 4,7 Prozent auf 15,25 Dollar. Wegen technischer Schwierigkeiten mussten zudem diverse Transaktionen storniert werden. Der Handel mit den Bats-Anteilsscheinen wurde daraufhin gestoppt. Der Fernsehsender CNBC sprach von einem "Albtraum".

Zwischenzeitlich wurde für die Bats-Aktie zur Verwirrung der Anleger auf der Kurstafel sogar nur noch ein Preis von unter einem Penny angezeigt. Ein negativer Medienbericht über Untersuchungen der US-Börsenaufsicht, die Bats ins Visier nehmen, kam bei den Anlegern ebenfalls nicht gut an. Von den technischen Problemen war auch der Handel mit Aktien von Apple Börsen-Chart zeigen betroffen.

Mangelnde Kompetenz

Laut der Finanznachrichtenagentur Bloomberg wurde ein Umsatz von 100 Apple-Aktien zu 542,80 Dollar auf Bats gemeldet. Dieser Kurs lag rund neun Prozent unter dem aktuellen Kursniveau. Entsprechend löste das schnell annullierte Geschäft eine Handelsunterbrechung bei Apple wegen zu großer Kursschwankungen der Aktie aus.

Der Misserfolg bei der Erstemission ließ Experten an der Kompetenz des Börsenbetreibers zweifeln. "Ich denke, dass einige Firmen nun sagen könnten: Wenn sie ihren eigenen IPO nicht auf die Reihe kriegen, wie wollen sie es dann bei anderen Unternehmen schaffen?", sagte Dennis Dick von Bright Trading LLC. Jason Weisberg von Seaport Securities stieß ins gleiche Horn: "Das Letzte, was man als börsennotiertes Unternehmen tun sollte, ist seinen eigenen IPO zu vermasseln".

Die Bats wollte ihr Heil im Börsengang suchen, um sich im immer schärferen Wettbewerb der Handelsplätze besser behaupten zu können. Der Ausgabepreis lag bei nur 16 Dollar und damit am unteren Ende der Preisspanne. Weltweit stehen Handelsplattformen unter Druck, sich wegen sinkender Preise neue Geldquellen zu erschließen. Viele streben danach, sich mit Hilfe von Übernahmen oder Fusionen fit für die Zukunft zu machen. Das gelingt nicht immer: Der geplante Zusammenschluss von Deutscher Börse und Nyse Euronext scheiterte am Nein der EU-Kommission. Auch die in Kansas ansässige Bats folgt der Strategie, sich durch den Kauf kleinerer Rivalen zu stärken und breiter aufzustellen. Im November genehmigten die britischen Behörden die Übernahme von Wettbewerber Chi-X Europe für 300 Millionen Dollar.

Dem Börsenprospekt zufolge hatte Bats im vergangenen Jahr einen Anteil von 11,3 Prozent am US-Aktienhandel und war mit einer Beteiligung von 3,1 Prozent am Optionsmarkt präsent. Bei dem IPO werden demnach alle Aktien von Anteilseignern verkauft. Dem Unternehmen fließen keine Einnahmen zu.

SEC ermittelt

Bats wurde 2005 von Großbanken als Alternative zu den etablierten Börsen wie NYSE Börsen-Chart zeigen und Nasdaq Börsen-Chart zeigen gegründet. Plattformen wie Bats haben den etablierten Börsenbetreibern in den vergangenen Jahren massiv Marktanteile im Aktienhandel abgenommen. Erst im vergangenen Sommer hatte die US-Börsenaufsicht SEC Bats genehmigt, Emissionen abzuwickeln. Zuvor war das Geschäft auf den Handel mit Aktien beschränkt gewesen.

Die SEC nimmt unterdessen einem Zeitungsbericht zufolge auf den Hochfrequenzhandel spezialisierte Firmen unter die Lupe. Geprüft werde, ob sich die Unternehmen durch ihre engen Beziehungen zu Börsen unfaire Vorteile verschafften, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise. Im Blick habe die SEC insbesondere computergesteuerte Handelsplattformen wie Bats Global Markets.

Hintergrund der Prüfung ist dem Blatt zufolge ein Vorfall aus dem Mai 2010, der als "Flash Crash" in die Börsengeschichte einging. Damals brach der US-Leitindex S&P 500 innerhalb weniger Sekunden um fast zehn Prozent ein, um sich kurz darauf schnell wieder zu erholen. Als Grund dafür haben Experten den extrem schnellen Kauf und Verkauf von Wertpapieren über Computer ohne menschliches Zutun ausgemacht. Im Hochfrequenzhandel werden Orders in Sekundenbruchteilen über die Bühne gebracht. Ziel ist es, aus kurzzeitigen Preisunterschieden Gewinn zu schlagen.

ts/rtr/dpa-afx

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