Börse Dax-Rally setzt Anleger unter Zugzwang

Der Dax klettert den siebten Tag in Folge und hat seit Jahresbeginn knapp 21 Prozent zugelegt. Viele Anleger, die noch nicht investiert sind, geraten unter Zugzwang: "Mit jedem Punkt, den der Dax weiter steigt, wird der Schmerz größer", sagt ein Händler.
Börse in Frankfurt: Der Dax bleibt auf Höhenflug

Börse in Frankfurt: Der Dax bleibt auf Höhenflug

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - Der scheinbar unaufhaltsame Anstieg der europäischen Aktienkurse hat Börsianern zufolge am Donnerstag einige Anleger unter Zugzwang gesetzt. Viele hätten die bisherige Rally verpasst. "Und mit jedem Punkt, den der Dax  zulegt, wird der Schmerz größer", betonte ein Händler.

Der Dax legte 0,9 Prozent zu und notierte zum Xetra-Schluss bei 7144 Punkten. Der Dax  hat seit Anfang 2012 knapp 21 Prozent zugelegt - so stark wie noch nie zu Jahresbeginn.

Das Plus des EuroStoxx50 liegt mit rund elf Prozent zwar nur halb so hoch, für den pan-europäischen Index ist es aber immerhin noch der beste Jahresauftakt seit 1998.

Wall Street im Plus - S&P-Index erreicht Vierjahreshoch

Die Wall Street baute ihre Gewinne der vergangenen Tage ebenfalls aus. Der US-Standardwerteindex Dow Jones (Kurswerte anzeigen) lag bei Börsenschluss in Deutschland 0,3 Prozent im Plus.

In einem unruhigen Handel griffen US-Investoren bei Aktien aus der Halbleiterbranche zu und trieben den S&P-500 erstmals seit fast vier Jahren über 1400 Punkte.

Rückenwind gab das überraschende Anziehen der Industrie im wichtigen Bundesstaat New York im März. Zudem fiel die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche so niedrig aus wie seit vier Jahren nicht mehr. In den vergangenen acht Wochen habe die US-Wirtschaft zunehmend Stärke bewiesen, sagte Marktstratege Ryan Detrick von Schaeffer's Investment Research.

Apple erstmals über 600 Dollar

Bei den Einzelwerten stach die Aktie von Apple (Kurswerte anzeigen) hervor. Im frühen Handel kletterte das Papier erstmals auf 600 Dollar, büßte im Handelsverlauf aber leicht ein und lag 0,2 Prozent im Minus bei 590 Dollar. Damit kostete eine Apple-Aktie nur unwesentlich weniger als ein iPad des Konzerns mit WLAN und 32 Gigabyte Speicher, das für 599 Dollar angeboten wird.

In Australien kam die dritte Generation des beliebten Tablet-Computers bereits in die Läden. Die Papiere des Chipherstellers Advanced Micro Devices legten mehr als sechs Prozent auf 8,23 Dollar zu, nachdem Jefferies den Kauf der Aktie empfohlen hatte.

Zu den Verlierern gehörte dagegen das Papier von Cisco mit einem Abschlag von 1,4 Prozent. Der US-Netzwerkausrüster kauft für fünf Milliarden Dollar den Software-Entwickler NDS.

Liquidität der Zentralbanken treibt die Kurse

Getrieben wird die aktuelle Aktien-Rally hauptsächlich von den zusammengerechnet gut eine Billion Euro schweren Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie den verbesserten Aussichten für die US-Konjunktur.

Untermauert wurden letztere von den etwas geringer als erwartet ausgefallenen Erstanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Wochen. "Positiv zu beurteilen ist auch der sechste Anstieg des Empire-State-Index in Folge", betonte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. "Hoffnungen auf Industriewachstum im ersten Quartal 2012 werden dadurch gestärkt."

K+S und HeidelCement legen nach Zahlen stark zu

Für positive Stimmung sorgten am Donnerstag außerdem die Geschäftszahlen einiger Konzerne. So setzten sich die Aktien von K+S (Kurswerte anzeigen) mit einem Plus von 7,2 Prozent auf 39,16 Euro an die Dax-Spitze. Das Quartalsergebnis sei besser als erwartet, stellten die Analysten der LBBW und von Equinet übereinstimmend fest. Darüber hinaus haben die Papiere des Düngemittel- und Salzherstellers Nachholbedarf: Seit Jahresbeginn haben sie gerade einmal halb so stark zugelegt wie der Dax.

Investoren honorierten auch die Bilanz von HeidelbergCement (Kurswerte anzeigen) und verhalfen der Aktie zu einem Kursplus von 5,1 Prozent auf 44,57 Euro. Der operative Gewinn und die Ertragskraft des Bauindustrie-Zulieferers hätten sich besser entwickelt als bei den Konkurrenten wie Holcim oder Lafarge, schrieb WestLB-Analyst Ralf Dörper in einem Kommentar.

TecDax: Aixtron hebt ab

Im Technologie-Index TecDax  sorgten Aixtron (Kurswerte anzeigen) mit einem Kurssprung von 14,8 Prozent auf 14,40 Euro für Aufsehen. Die Experten der Deutschen Bank hatten die Papiere des Spezialmaschinenbauers zum Kauf empfohlen.

Ins Minus rutschten dagegen Lufthansa (Kurswerte anzeigen) . Die Aktien verloren 0,9 Prozent auf 10,42 Euro, nachdem die Fluggesellschaft einige Anleger mit einem zurückhaltenden Ausblick abgeschreckt hatte. "Aber wir würden das nicht überbewerten, Lufthansa ist bekannt für ihre konservative Prognosepolitik", erklärte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher.

Im MDax  gerieten Deutz nach enttäuschenden Bilanzzahlen unter Druck und verloren 4,2 Prozent auf 5,28 Euro. Der Motorenbauer kehrte 2011 zwar in die Gewinnzone zurück, lässt aber die Dividende erneut ausfallen.

mg/ts/dpa-afx
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