Sonntag, 21. Juli 2019

Netzwerk Facebook stapelt tief beim Börsengang

Der Facebook-Börsengang steht bevor: Heute will das soziale Netzwerk den Prospekt für den Gang an die Börse einreichen
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Der Facebook-Börsengang steht bevor: Heute will das soziale Netzwerk den Prospekt für den Gang an die Börse einreichen

Der Startschuss für den Börsengang von Facebook steht unmittelbar bevor. Heute wird Facebook voraussichtlich die Papiere für das Börsendebüt einreichen. Das Emissionsvolumen für das soziale Netzwerk dürfte mit fünf Milliarden Dollar nur halb so hoch ausfallen wie erwartet - doch das Tiefstapeln hat System.

New York - Bereits am Mittwoch wolle Facebook die Papiere für das Aktienmarktdebüt einreichen, berichtete der zu Thomson Reuters gehörende Informationsdienst IFR unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen. Facebook kalkuliert dabei vorsichtiger als bisher: Der Schritt an die Börse soll dem Unternehmen fünf Milliarden Dollar einbringen. Am Wochenende hatten US-Zeitungen noch von zehn Milliarden Dollar berichtet - das gesamte Unternehmen wäre damit bis zu 100 Milliarden Dollar wert.

Das Emissionsvolumen könne bei starker Nachfrage der Investoren jedoch erhöht werden, merkten die Insider an. Erstmals auf dem Kurszettel könnte Facebook dann im Mai erscheinen. Es ist üblich, dass Firmen tiefstapeln, dann die Reaktion der Investoren abwarten und falls genügend Nachfrage besteht später den Preis erhöhen.

Ein Sprecher des im Silicon Valley ansässigen Konzerns wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Bei den fünf Konsortialführern für den Börsengang handelt es sich um Morgan Stanley, Goldman Sachs, Bank of America, Merrill Lynch, Barclays Capital und JP Morgan.

Größtes Internet-Börsendebüt aller Zeiten

Doch selbst mit 5 Milliarden Dollar wäre Facebook immer noch einer der größten Internet-Börsengänge aller Zeiten. Suchmaschinenprimus Google Börsen-Chart zeigen kam bei seinem Börsengang im Jahr 2004 auf Einnahmen von 1,7 Milliarden Dollar. Zusammen mit den Aktien, die bei den Alteigentümern verblieben, lag die Gesamtbewertung damals bei 23 Milliarden Dollar. Bis heute sind daraus 189 Milliarden Dollar geworden.

Allein die Hoffnung auf ein erfolgreiches IPO des mit 800 Millionen Mitgliedern weltgrößten Internet-Treffpunkts sorgte dafür, dass nach Jahren der Zurückhaltung jüngst wieder verstärkt Internet-Unternehmen an den US-Aktienmarkt strebten. Neben der Karriereplattform LinkedIn Börsen-Chart zeigen waren das Groupon und der Spiele-Programmierer Zynga.

In Deutschland ist von der neuen Euphorie noch nicht viel zu spüren. Zwar werden insbesondere Anbieter von Online-Spielen wie Bigpoint aus Hamburg oder das Berliner Startup Wooga immer wieder als Kandidaten gehandelt. Konkretes gibt es bislang nicht. Profitieren konnte jedoch ein bereits seit Jahren gelistetes Unternehmen: Die Aktien des Karrierenetzwerks Xing Börsen-Chart zeigen legten um 3,5 Prozent zu.

Investoren buhlen um Twitter & Co - neue Internet-Blase?

Viel größter ist die Zuversicht bei Startups in den USA. Dort überbieten sich Privatinvestoren, um bei Firmen wie Twitter einsteigen zu dürfen - immer in der Hoffnung auf ein späteres IPO, das ihnen einen Geldsegen bescheren würde.

Marktexperten sprechen angesichts astronomischer Bewertungen einiger Firmen von einer neuen Internet-Blase. Viele erinnern sich noch an die New Economy vor gut zehn Jahren. Es dauerte Jahre, bis sich die Wirtschaft vom Platzen der Blase erholte.

Der heute 27-jährige Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gründete den Online-Dienst 2004 in seiner Studentenbude in Harvard - kurz danach kehrte er der renommierten US-Universität den Rücken, um nach Kalifornien zu gehen und Facebook größer aufzubauen. Zuckerbergs Karriere wurde von Hollywood in "The Social Network" verfilmt. Der Publikumsmagnet gewann drei Oscars.

Börsengang kann noch Monate dauern

US-Medien gingen bislang davon aus, dass Facebook beim Börsengang mit 75 bis 100 Milliarden Dollar bewertet wird (57 bis 76 Mrd. Euro). Damit würde der Senkrechtstarter vom Firmenwert her in einer Liga mit dem Autokonzern Volkswagen Börsen-Chart zeigen oder dem Industriemulti Siemens Börsen-Chart zeigen spielen. Facebook stellt mit seinen mehr als 800 Millionen Mitglieder eine Macht im Internet-Werbegeschäft dar.

Von der Vorlage des Börsenprospekts bis zum eigentlichen Gang an die Börse kann es aber noch Monate dauern. In dieser Zeit wirbt die Facebook-Führung um Gründer Mark Zuckerberg bei Investoren für ihr Unternehmen. Hilfe erhält Zuckerberg dabei von der US-Investmentbank Morgan Stanley; laut US-Medienberichten steht das Wall-Street-Haus endgültig als federführende Bank fest.

Unklar ist nach Informationen des "Wall Street Journal" allerdings noch die Börse, an der Facebook gelistet wird. Infrage kommen die altehrwürdige New York Stock Exchange und die vergleichsweise junge Technologiebörse Nasdaq. Letztere hat keinen klassischen Parketthandel. Facebook könnte sich mit der Entscheidung Zeit lassen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf eingeweihte Personen. In die Entscheidung fließen etwa die Kosten für eine Listung ein.

wed/dpa-afx/rtr

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