Mittwoch, 18. September 2019

Umstrittenes Investment Strohfeuer der Bank-Aktien

Besser nicht hinsehen: Keine Anlagestrategie nach Lehrbuch, doch verlockend - zumindest manchmal

3. Teil: Das Dilemma der Profis

"Das Management der Bank hat sich mit der Ankündigung weit aus dem Fenster gelehnt", sagt Analyst Becker. "Ich denke, die sind sich ziemlich sicher, dass es unter den genannten Voraussetzungen auch zu schaffen ist."

Insgesamt ein vorsichtig optimistischer Ausblick also für beide deutschen Dax-Institute. Sollen Anleger also wieder zugreifen? Becker ist skeptisch. "Solange der Bankensektor mit all den Unwägbarkeiten behaftet ist, ist die weitere Entwicklung zu schwer zu kalkulieren", sagt er. "Wir raten daher derzeit von Aktienkäufen im Bankensektor ab." Eine düstere Prognose. Und sie wird selbst von jenen Experten unterstützt, die von Amts wegen eigentlich zu einem gewissen Optimismus mit Blick auf Bankenaktien verpflichtet wären - nämlich Fondsmanager auf Finanzwerte spezialisierter Fonds. Thomas Harmer beispielsweise, er verwaltet für die Espa unter anderem den Stock Finance, winkt ab. "Die zwischenzeitliche Erholung ist eher ein Basiseffekt, Bankaktien wurden zuletzt arg geprügelt", sagt er. "Und wenn die Sorgen sich verflüchtigen, dann werden die am meisten geprügelten auch am stärksten aufholen. Da wird die Commerzbank also eher dabei sein als die Deutsche Bank." Doch die wahren Probleme der Banken bleiben ungelöst.

Die Regulierung zum Beispiel, findet Patrick Lemmens. Er ist Fondsmanager des Robeco New World Financials. "Die Regulierung ist für Banken schon ein Problem, zum Beispiel die Hinterlegung mit Eigenkapital. Allerdings gibt es ja schon Überlegungen, die Einführung von Basel III zu verschieben. Auch ein entsprechendes Arbeitspapier aus Brüssel weist in die gleiche Richtung." Entwarnung will aber auch er nicht geben, ebensowenig andere Experten.

"Es ist eher so, dass aktuell die Erkenntnis gespielt wird, dass es schon nicht so schlimm kommen wird", sagt Oliver Flade, Bankenanalyst bei Allianz Global Investors. "Einige Hinweise dafür gibt es tatsächlich. Zum Beispiel hat die EZB den Banken zumindest ein Tailrisk abgenommen, in dem sie die LRG, also die Finanzierung über drei Jahre, sicherstellt." Aber das ändert in seinen Augen nichts an der grundsätzlichen Skepsis, mit der Banken zu betrachten sind. "Banken sind 'underowned', so wie noch nie. Und wenn dann ein paar Investoren entsprechende Werte kaufen, steigen die Kurse deutlich an. Vor allem jene, die so viel verloren haben. Griechische Banken haben zuletzt über 60 Prozent Plus gemacht. Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Wer jetzt investiert, tanzt nah an der Tür. Und wenn die Musik ausgeht, zum Beispiel wegen neuer schlechter Nachrichten, ist die Tanzfläche schnell leer." Nur - was bleibt den Fondsmanagers derart spezialisierter Produkte?

In ihren Augen so einiges. Noch einmal Lemmens: "Es gibt eine Reihe von Finanzunternehmen, die interessant sind, man muss allerdings nach ihnen suchen. Die klassischen Banken gehören nicht dazu. Man muss den Begriff daher weiter ziehen. Ebay Börsen-Chart zeigen zum Beispiel arbeitet verstärkt im Finanzbereich." Und sein Berufskollege Thomas Harmer ergänzt weitere Alternativen: "Assetmanager zum Beispiel oder Versicherer. Allerdings sind Assetmanager gehebelte Wetten auf den Markt. Läuft der gut, können die Kundengeld einsammeln und das ist gut für den Aktienkurs. Beispiel sind Aberdeen oder TRowe Price. Und Versicherer haben einen stabileren Cashflow, und geringere Risiken, wenngleich sie auch das Problem der Staatsanleihen haben." Begeisterung für einen Sektor klingt anders.

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