Dienstag, 17. September 2019

Umstrittenes Investment Strohfeuer der Bank-Aktien

Besser nicht hinsehen: Keine Anlagestrategie nach Lehrbuch, doch verlockend - zumindest manchmal

2. Teil: Das Kreuz mit dem Kernkapital

Hintergrund: Anfang Dezember 2011 veröffentlichte die europäische Aufsicht EBA die Ergebnisse ihres jüngsten Bankenstresstests. Demzufolge kommt die Deutsche Bank auf eine Kapitallücke von 3,2 Milliarden Euro, die sie bis Mitte dieses Jahres schließen muss. Bei der Commerzbank sind es deutlich schwerer wiegende 5,3 Milliarden.

Um diese Löcher zu stopfen könnten die Banken Kapitalerhöhungen durchführen. Das wollen die Institute aber in der Regel vermeiden, weil sie damit ihre bestehenden Aktionäre verprellen, deren Gewinnanteile verwässert werden. Also bleiben nur noch zwei Möglichkeiten: Sie senken die "risiko-gewichteten Aktiva" in der Bilanz, sprich: Sie bauen Kreditvolumen und andere riskante Engagements ab. Oder sie steigern das Kernkapital ohne frisches Geld von außen, beispielsweise indem sie Gewinne einbehalten. Auch die Erhöhung des Gewinnpotenzials beispielsweise durch Kosteneinsparungen (Stichworte: Personalabbau, Gehaltskürzungen) wirkt in diese Richtung.

"Die Deutsche Bank dürfte auf der ganzen Klaviatur dieser Möglichkeiten spielen", sagt Becker. Der Verkauf der englischen Teile der Fondstochter DWS und anderer Töchter wurde schon angekündigt. Die Warnstreiks bei der Postbank zeigen zudem, dass es auch dort zur Sache geht." Ende vergangenen Jahres waren bei der neuen Deutsche-Bank-Tochter Postbank mehrere Mitarbeiter kurzzeitig in den Ausstand getreten, um gegen mehr Arbeit für weniger Geld zu protestieren.

Hinzu kommt, dass auch von der Regulierungsseite künftig weitere Anforderungen auf die Banken zukommen. "Die Deutsche Bank ist zwar wie nur wenige andere mit der Krise fertig geworden", sagt Experte Becker. "In den Quartalen eins und zwei dieses Jahres könnten jedoch durchaus neue Belastungen in der Bilanz entstehen."

Schlimmer noch steht jedoch wohl die Commerzbank da. Ihren Kapitalbedarf bezifferte die EBA auf 5,3 Milliarden Euro, der ebenfalls bis zum Sommer gedeckt werden muss. Die Bank selbst gab sich zwar kürzlich optimistisch, dieses Ziel aus eigener Kraft zu erreichen. Man sei in der Lage, sogar 6,3 Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital aufzubringen, dazu stehe mit der Allianz Börsen-Chart zeigen noch ein Helfer für den Notfall im Hintergrund bereit. Nicht wenige bezweifeln jedoch, dass die Bank das Kapitalziel tatsächlich im Alleingang erreichen wird - die Option einer weiteren Staatshilfe, die Commerzbank-Chef Martin Blessing um jeden Preis vermeiden will, steht nach wie vor im Raum.

Klar ist: Um auf die angepeilten 6,3 Milliarden Euro zu kommen, muss die Bank nicht nur die für das vierte Quartal 2011 avisierten 1,2 Milliarden Euro verdient haben. Der gleiche Betrag muss vielmehr auch im ersten Halbjahr 2012 als Gewinn übrig bleiben. Und: Eine erneute Verschärfung der Krise würde das Vorhaben wohl ebenfalls zum Scheitern bringen.

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