Donnerstag, 23. Januar 2020

Trotz schlechter Nachrichten Metro-Aktie hebt ab

Neuer Metro-Chef Olaf Koch: Verkauf von Kaufhof nicht um jeden Preis

Obwohl Metro den Kaufhof-Verkauf absagt und von schwachem Umsatz berichtet, steigt die Aktie um 6 Prozent. Händler sprachen von Short Covering: Einige Anleger seien in ihrer skeptischen Kurserwartung auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Manche finden auch Lob für den Kurs des Konzerns.

Frankfurt am Main - Deutschlands größter Handelskonzern hat am Morgen mitgeteilt, die Verkaufsgespräche für die Warenhaustochter Kaufhof auf Eis zu legen. Zudem lieferte der Einzelhändler erste Zahlen für das Geschäftsjahr 2011. Die Aktie Börsen-Chart zeigen notierte zeitweise an der Dax-Spitze, wo sie sich um bis zu 6 Prozent auf 28,885 Euro verteuerte. Im frühen Geschäft wurde ein Tief bei 27,00 Euro markiert. Der Dax Börsen-Chart zeigen stieg um 1,5 Prozent.

Ein Börsianer sagte zu den Kaufhof-Nachrichten: "Das ist sehr schlecht, denn einige Investoren hatten auf die Ausschüttung einer Sonderdividende nach dem Verkauf spekuliert." Die ersten Zahlen zum Geschäftsverlauf 2011 seien indes in Ordnung und der vorläufige Umsatz 2011 falle einen Tick besser aus als erwartet. Ein anderer Börsianer schlug in die gleiche Kerbe: "Der Stopp des Verkaufs von Kaufhof ist negativ, da es Metro nicht schafft das Portfolio zu verkleinern."

Andererseits verweisen einige Händler darauf, dass die Aktie bereits am Boden liege und nun wohl alle schlechten Nachrichten bekannt seien. Das limitiere das Risiko und die jüngsten Tiefs um 27 Euro hätten zunächst gehalten. Es könne auch positiv interpretiert werden, dass Kaufhof in dem schlechten Marktumfeld "nicht zu jedem Preis verschenkt" wird. Das könnte das Management sogar stärken. Zudem sei die große Enttäuschung ausgeblieben und die schwach erwarteten Geschäftszahlen hätten sogar leicht positiv überrascht. Nun starte der Aktienkurs eine Aufholbewegung und sicherlich würden auch einige Anleger, die mit Leerverkäufen auf weiter fallende Kurse gesetzt hätten, verdrängt und zu Käufen gezwungen.

Analyst Herbert Sturm von der DZ Bank spricht auch von einer "weiteren schlechten Nachricht". Neben dem Stopp des Kaufhof-Verkaufs sei auch das Weihnachtsgeschäft insgesamt enttäuschend verlaufen. Der Nettoumsatz liege zwar etwas über den Marktprognosen, das Management habe aber seine schlechte Ergebnisprognose für 2011 erneuert. Sturm rechnet mit kurzfristigem Druck auf die Aktien und stellt seine Schätzungen "Under Review".

"Während der wohl schlechte Preis für Kaufhof zunächst enttäuscht, sehen wir es positiv, dass Metro hier auf ein besseres Umfeld warten kann und nicht auf einen kurzfristigen Verkaufserlös, sondern auf ein gutes Ergebnis setzt", sagte dagegen Analystin Barbara Ambrus von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Der Umsatz sei etwa wie erwartet ausgefallen und der Ausblick bleibe unverändert. Ambrus bewertet Metro mit "Halten" und dem Ziel 33 Euro. Analyst Christopher Hogbin von Bernstein Research betonte in seinem aktuellen Kommentar, dass Metro ein "fundamental attraktives" Unternehmen sei. Vor allem der neue Konzernchef Olaf Koch könnte neue Ideen für weitere Veränderungen des Geschäftes bringen.

ak/dpa-afx

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