Börse Dax schließt auf Dreimonatshoch

Trotz der Herabstufung durch S&P hat der Euro-Rettungsfonds EFSF keine Probleme, 1,5 Milliarden Euro einzusammeln. Zudem helfen gute Konjunkturdaten aus China sowie ein Anstieg des ZEW-Index. Der Dow legt zu, und der Dax schließt auf dem höchsten Stand seit dreieinhalb Monaten.
Entspannung an der Börse: Der Dax knackt die Marke von 6300 Punkten

Entspannung an der Börse: Der Dax knackt die Marke von 6300 Punkten

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PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Der Dax  legte bis 17.45 Uhr um 1,8 Prozent zu und notierte zum Handelsschluss auf Xetra bei 6332 Zählern. Das ist der höchste Schlussstand seit Ende Oktober.

Auch an der Wall Street starteten die wichtigsten Indizes mit Gewinnen. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) legte bis zum Handelsschluss in Deutschland um 1,1 Prozent auf 12.552 Zähler zu, und der Nasdaq Composite  kletterte um 1,2 Prozent.

Nicht nur gute Konjunkturdaten aus China stützten die globalen Märkte. Für einen weiteren Schub sorgte auch die erfolgreiche Geldmarktauktion des EFSF. Die Herabstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's hält Anleger nicht davon ab, in den EFSF zu investieren.

Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren mit sechsmonatiger Laufzeit flossen dem EFSF am Dienstag wie angestrebt 1,5 Milliarden Euro zu. Mit 0,266 Prozent bewegen sich die Zinsen sogar auf niedrigerem Niveau als die Rendite der umlaufenden Dreimonatspapiere des EFSF. Die Nachfrage hätte ausgereicht, um das 3,1-fache der Papiere am Markt zu platzieren.

China meldet knapp 9 Prozent Wachstum

Bereits die asiatischen Märkte hatten deutliche Gewinne verbucht. Auslöser dafür war die Bekanntgabe neuer chinesischer Konjunkturdaten. Das Wirtschaftswachstum in China ist mit 8,9 Prozent im vierten Quartal höher als von Experten befürchtet ausgefallen.

Die "Erleichterung, dass die chinesische Wirtschaft nicht von 100 auf 0 abbremst und die Hoffnung, dass die Regierung wohl nun ihren Fokus zurück auf 'Wachstum' richten muss", hätten den asiatischen Märkten geholfen, sagte ein Händler. Die Widerstandsfähigkeit des Marktes sei beeindruckend und das Abschütteln der doch extrem negativen Nachrichten von Ende letzter Woche zeige, dass der Markt mittlerweile krisenmüde sei, hieß es.

Rundumschlag von S&P lässt Märkte kalt

Auch die weiteren Bemühungen der US-Agentur S&P, der Eurozone ein schlechtes Zeugnis auszustellen, fruchteten nicht. Nach neun Ländern der Euro-Zone hatte die US-Ratingagentur S&P am Montagabend auch den Krisenfonds herabgestuft. Da die bisherigen "AAA"-Staaten Frankreich und Österreich ihre Spitzenratings verloren hatten, war bereits erwartet worden, dass auch die EFSF die Topnote einbüßen wird.

ZEW-Konjunkturerwartungen stärker als erwartet

Zuvor hatten die überraschend positiven ZEW-Konjunkturerwartungen die Aufwärtsbewegung beschleunigt. Vor allem die stark verbesserten Zukunftserwartungen deutscher Finanzexperten seien positiv zu werten, sagte Händler Markus Huber von ETX Capital. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank kommentierte: "Es ist schön zu sehen, dass die befragten Finanzmarktakteure des ZEWs wieder bereit sind, die Krisen-Scheuklappen abzunehmen und auf das wirtschaftliche Umfeld zu schauen, das nicht schlecht aussieht."

Sorgen um Griechenland

Neues Stresspotenzial geht derzeit vor allem von Griechenlandaus. Die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt mit den privaten Gläubigern drohen zu scheitern. Während die europäische Schuldenkrise weiter schwelt, sind zumindest konjunkturseitig keine Negativmeldungen zu erwarten.

Autotitel gefragt - Daimler haussiert

Branchenseitig ragten die Autowerte hervor, die wie schon vortags von positiven Analystenkommentaren profitierten. Daimler (Kurswerte anzeigen) verteuerten sich um 3,81 Prozent auf 40,845 Euro. Für BMW  ging es um 3,47 Prozent hoch und die Volkswagen Vz.  gewannen 2,40 Prozent.

Beim Stahlkonzern ThyssenKrupp  sorgten anhaltende Hoffnungen auf einen Verkauf der Edelstahlsparte für Kursgewinne von 3,62 Prozent auf 20,305 Euro.

Deutsche Bank gefragt - trotz schwacher Zahlen der Citigroup

Die Aktien der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) retteten Gewinne von 2,22 Prozent ins Ziel, während Commerzbank sich kaum bewegt zeigten. Börsianer verwiesen auf Spekulationen über kurz bevorstehende Bonitätsabstufungen europäischer Banken. Einer betonte indes: "Auf Länderabstufungen folgten bisher quasi immer mechanisch auch Abstufungen von Banken, denn in deren Bewertung wird auch das Länderrisiko mit einkalkuliert." Somit würde ein solcher Schritt nicht überraschen. Derweil legte die US-Bank Citigroup  schwache Zahlen vor, wogegen Konkurrent Wells Fargo  trotz der Schuldenkrise einen Rekordgewinn erzielte.

Heidelberger Druck schwanken stark

Die Aktien von Heidelberger Druck (Kurswerte anzeigen) schwankten nach Zahlen und Aussagen zu einem Effizienzprogramm kräftig und schlossen 1,44 Prozent tiefer. Nach Einschätzung eines Börsianers wurden die Markterwartungen nicht erfüllt, obwohl diese schon nicht anspruchsvoll gewesen seien.

Metro legt Kaufhof-Verkaufsverhandlungen auf Eis

Die Papiere des Handelskonzerns Metro (Kurswerte anzeigen)legten um 4,11 Prozent auf 28,380 Euro zu, nachdem der Handelskonzern erste Indikationen für das Geschäftsjahr 2011 gegeben hatte. Händler sagten, dass die befürchtete Enttäuschung ausgeblieben sei.

Zudem hatte Metro mitgeteilt, dass die Gespräche über einen Verkauf seiner Warenhaustochter Kaufhof bis auf weiteres eingestellt würden.Der Handelskonzern hatte erste Indikationen für das Geschäftsjahr 2011 gegeben und mitgeteilt, die Gespräche über einen Verkauf seiner Warenhaustochter Kaufhof bis auf Weiteres einzustellen. Händler sprachen davon, dass die befürchtete Enttäuschung insgesamt ausgeblieben sei und nun einige Anleger in ihrer skeptischen Kurserwartung auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

Euro und Ölpreise steigen

Der Kurs des Euro in Dollar (Kurswerte anzeigen)stieg auf 1,2742 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,2790 (Montag: 1,2669) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7819 (0,7893) Euro gekostet.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,46 (Vortag 1,42) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel indes um 0,22 Prozent auf 131,61 Punkte und der Bund-Future sank um 0,13 Prozent auf 139,68 Punkte.

Auch die Ölpreise haben wieder zugelegt und ihren höchsten Stand seit drei Tagen erreicht. Der Grund liegt Händlern zufolge in einer weiteren Zuspitzung des Konflikts zwischen Iran und den westlichen Industrieländern. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) zur Lieferung im März kostete im frühen Handel 112,13 Dollar. Das waren 79 Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) zur Lieferung im Februar stieg um 1,69 Dollar auf 100,38 Dollar.

mg/dpa-afx
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