Sonntag, 22. September 2019

Euro-Krise Standard & Poor's wertet neun Euro-Länder ab

Protest: In Paris protestierten Bürger gegen die Herabstufung durch S&P.

Die Nachricht von der Herabstufung Frankreichs und acht weiterer Staaten durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat dem Kampf gegen die Schuldenkrise in Europa einen weiteren Schlag versetzt. Deutschland bleibt hingegen verschont.

Paris - Am Freitag senkte S&P die Bonitätsnoten für langfristige Anleihen von gleich neun Euroländern. Frankreich und Österreich verloren ihre Bestnote AAA. Auch das Rating für die Bonität Italiens und Spaniens wurde gesenkt. Die Schuldverschreibungen von Portugal rutschten auf Ramschniveau. Deutschland behielt hingegen seine Spitzenbewertung.

Die Bonitätsnoten von Frankreich und Österreich wurden von AAA um eine Stufe auf AA+ gesenkt. Die Kreditwürdigkeit Italiens wurde von der Note A um zwei Stufen auf BBB+ gesenkt. Die Kreditwürdigkeit Spaniens wird statt wie bisher mit AA- fortan mit der Note A bewertet. Die Bewertung von Portugal und Zypern wurde ebenfalls um zwei Stufen gesenkt. Betroffen von einer Herabstufung waren auch Malta, die Slowakei und Slowenien.

"Unserer Ansicht nach waren die politischen Initiativen der vergangenen Wochen nicht ausreichend, um den anhaltenden systemischen Belastungen der Eurozone angemessen zu begegnen", hieß es in der Begründung von S&P. Bereits im Dezember hatte die Ratingagentur 15 europäische Staaten vor einer Abstufung gewarnt und mehr Einsatz im Kampf gegen die Schuldenkrise gefordert.

Verlust der Bestnote für Baroin keine "Katastrophe"

Der französische Finanzminister François Baroin sagte im Fernsehsender France-2 Television, der Verlust der Bestnote AAA sei keine Katastrophe und betonte, Frankreich verfüge noch immer über die solide Bonitätsnote AA+. "Die Vereinigten Staaten, die größte Volkswirtschaft der Welt, wurde im vergangenen Sommer herabgestuft", sagte Baroin. "Man muss da verhältnismäßig bleiben und die Ruhe bewahren. Es ist wichtig, das französische Volk nicht zu verängstigen."

EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte, er bedauere die Entscheidung von S&P und nannte die Herabstufung "inkonsistent". Eurogruppen-Präsident Jean-Claude Juncker erklärte, die Staaten der Eurozone hätten bereits weitreichende Maßnahmen ergriffen, um die Finanzmärkte zu beruhigen.

Bereits vor der Veröffentlichung der neuen Bonitätsnoten hatten am Freitag entsprechende Gerüchte für Verluste an den Börsen gesorgt. In New York gab der Dow-Jones-Index um 0,5 Prozent nach, in Deutschland sank der DAX um 0,6 Prozent, in Großbritannien schlossen die Börsen mit einem Verlust von 0,5 Prozent und in Frankreich büßten die Aktienkurse 0,1 Prozent ein.

Auch in Japan wurde die Herabstufung der europäischen Staaten als Warnung verstanden. Ministerpräsident Yoshihiko Noda hielt sein Land zum Sparen an. Japan müsse angesichts der Senkung der Bonitätsnoten in Europa seine Schulden in den Griff bekommen, wolle es nicht das nächste Ziel der Ratingagenturen werden, sagte Noda am Samstag in einer Talkshow im Fernsehen. Die Krise in der Eurozone sei nicht "das Problem von jemand anderem".

Noda hatte am Freitag sein Kabinett in der Hoffnung umgebaut, damit die Opposition für eine Anhebung der Mehrwertsteuer gewinnen zu können. Japan könne den Abbau seines Haushaltsdefizits nicht länger aufschieben, sagte der Regierungschef.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung