Mittwoch, 11. Dezember 2019

Euro-Krise Frankreich droht Verlust der Topbonität

Händler in Frankfurt: Gegenwind aus den USA

Gerüchte, die Ratingagentur S&P werde in Kürze mehrere Euro-Staaten abstufen, drücken den Dax ins Minus. Frankreich und Österreich droht der Verlust der Topbonität. Dies hätte Folgen für den Euro-Rettungsschirm EFSF. Der Euro rutscht ab.

New York / Frankfurt am Main - Die Furcht vor einer Ausbreitung der Schuldenkrise hat den europäischen Börsen am Freitag einen Schlag versetzt. Spekulationen auf eine unmittelbar bevorstehende Herabstufung mehrerer Euro-Staaten durch die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) sowie auf ein Scheitern der Verhandlungen über die Beteiligung privater Investoren an der Sanierung Griechenlands ließen die europäischen Aktienmärkte einen Großteil ihrer Gewinne der vergangenen Tage wieder abgeben.

Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen verabschiedete sich mit einem Kursminus von 0,6 Prozent bei 6143 Punkten ins Wochenende. Zeitweise hatte der Index sogar 1,6 Prozent an Wert verloren.

An der Wall Street notierte der US-Standardwerteindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen bei Xetra-Schluss in Deutschland 0,7 Prozent schwächer. "Die Rahmenbedingungen haben sich eindeutig verschlechtert", sagte Finanzmarkt-Stratege Mike Moran von Standard Chartered. "Der Druck verlagert sich langsam von den Peripherie-Staaten zu den nordeuropäischen Volkswirtschaften."

Bonität von Frankreich und Österreich wackelt - Euro gibt deutlich nach

Nach Angaben aus europäischen Regierungen wollte S&P noch am Freitag die Kreditwürdigkeit mehrerer Euro-Staaten schlechter benoten. Deutschland werde seine Top-Bewertung "AAA" aber behalten. Als Kandidaten für eine Herabstufung galten Frankreich und Österreich.

Daraufhin zogen die Renditen der jeweiligen zehnjährigen Anleihen an. Im Gegenzug rutschten die Leitindizes der Börsen in Paris und Wien ins Minus. Der Euro Börsen-Chart zeigen fiel zeitweise auf 1,2623 Dollar und war damit so billig wie zuletzt im August 2010.

Griechenland-Verhandlungen vor dem Ende?

Daneben gerieten die Verhandlungen über die Beteiligung privater Investoren an der Sanierung Griechenlands ins Stocken. Insider beurteilten die Chancen für eine Einigung pessimistischer. Die griechische Regierung drohte damit, unwillige Anleihe-Eigner per Gesetz zu einem erheblichen Forderungsverzicht zwingen. Vor diesem Hintergrund steuerten weitere Investoren den "sicheren Hafen" Bundesanleihen an und verhalfen dem Bund-Future damit zu einem Rekordhoch von 140,23 Punkten.

Italien-Auktion beruhigt Märkte nicht

Zuvor hatte bereits die als eher ernüchternd gewertete Emission italienischer Anleihen die Kauflaune der Investoren gedämpft. Nach den starken Ergebnissen der Platzierung vom Vortag seien die hoch gesteckten Erwartungen einiger Anleger enttäuscht worden, sagte Zinsstratege Marc Ostwald. Er werte die Auktion trotz der mäßigen Nachfrage aber positiv.

Italien sammelte bei Investoren knapp fünf Milliarden Euro ein und musste den Investoren nicht mehr ganz so hohe Zinsen bieten wie zuletzt. Die dreijährigen Papiere waren allerdings nur 1,2-fach überzeichnet. Die Renditen der zehnjährigen italienischen Bonds notierten am Abend fast unverändert bei 6,661 Prozent.

SAP meldet Rekordergebnis - Aktie gegen den Trend fest

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten SAP Börsen-Chart zeigen , deren Aktien sich nach Bekanntgabe eines Rekord-Ergebnisses um 3,6 Prozent auf 42,94 Euro verteuerten. Umsatz und Gewinn des vierten Quartals hätten über den Erwartungen gelegen, sagte ein Analyst.

Lufthansa sackten vorübergehend um 3,6 Prozent ab. Börsianer verwiesen zur Begründung auf einen Agenturbericht, demzufolge das operative Ergebnis hinter den eigenen Zielen zurückbleiben werde. Die Lufthansa hatte ihre Gewinnerwartungen bereits im Herbst gesenkt. Diese Aussage wiederholte Konzernchef Christoph Franz in der Mitarbeiterzeitung "Lufthanseat" am Freitag.

JP Morgan belastet Wall Street

Die Aktien der großen US-Banken haben unterdessen die Indizes an der Wall Street im frühen Handel belastet. Die Großbank JPMorgan gab am Freitag vor Handelsbeginn einen deutlichen Gewinnrückgang bekannt und schickte damit seine Aktien zur Eröffnung ins Minus. Andere Branchentitel wurden mit in die Tiefe gezogen.

Gewinne von Commerzbank und Deutscher Bank

Commerzbank-Aktien Börsen-Chart zeigen stiegen zeitweise um 4 Prozent, gaben zuletzt aber einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Sie verzeichneten somit bereits den vierten Tag in Folge mit Kursgewinnen. Händler werteten die Nachricht des Handelsblatts, dass die teilverstaatlichte Bank ohne Staatshilfe auszukommen versuche, als nicht neu. Die Pläne würden aber etwas konkreter.

Auch die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen legten zu. Auf Grund der Sorgen um eine Abstufung weiterer Euro-Länder gaben die beiden Bankentitel einen Großteil ihrer Gewinne am Nachmittag wieder ab.

Ölpreise leicht erholt

Die Ölpreise haben von einer höheren Risikobereitschaft der Anleger im Zuge der Entspannung in der Euro-Schuldenkrise profitiert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen zur Lieferung im Februar kostete am Morgen 112,31 Dollar. Das waren 1,05 Dollar mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 1,08 Dollar auf 100,39 Dollar.

Zudem habe ein drohender Streik von Ölarbeitern in Nigeria die Ölpreise zum Wochenschluss gestützt, heißt es weiter. Das westafrikanische Land zählt zu den wichtigen Öllieferanten mit einem Produktionsvolumen von etwa 2,5 Millionen Barrel pro Tag. Schließlich sorge auch die drohende Eskalation im Atomstreit zwischen dem Förderland Iran und den westlichen Industriestaaten für vergleichsweise hohe Ölpreise.

mg/dpa-afx

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