Investments Was sich 2011 rentierte ... und was nicht

Die Flucht in Sicherheit war der Anlagetrend des ausgehenden Jahres. Nicht immer gelang sie. 2011 brachte viele Investoren um große Geldsummen. Starke Gewinne waren auch drin, aber oft an überraschenden Orten. So manche Anlagegewissheit wurde auf den Kopf gestellt. Ein Überblick.
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Hamburg - Für den Dax  endet ein schwaches Jahr. Zum Börsenschluss am Freitagnachmittag notierte der Leitindex am deutschen Aktienmarkt mit 5898,35 Punkten, 14,7 Prozent weniger als zu Jahresbeginn. Anlegern, die Ende 2010 einen Betrag von 10.000 Euro in die 30 wichtigsten Aktien des Landes investiert hatten, bleiben nun gerade mal 8500 Euro - trotz der mitunter in Rekordhöhe ausgefallenen Milliardengewinne vieler Konzerne, die oft auch große Beträge als Dividende an ihre Anteilseigner ausschütteten.

Doch das ist nur der Blick in den Rückspiegel - die Sorge um die Perspektive für das mit Rezessionsvorhersagen eingeläutete Jahr 2012 bestimmt die Börsenkurse. Auch die im europäischen Vergleich noch gute deutsche Konjunktur hat dem Dax nicht viel geholfen.

International steht der Index, der in den Vorjahren herausragend stark gestiegen war, mit seiner Performance besonders schlecht da - abgesehen von ausgemachten Krisenherden wie Griechenland, wo der Leitindex der Athener Börse ASE ein Minus von 52 Prozent verbuchte. Hier wie dort stießen die Anleger besonders Bankaktien ab. Starke Gewinne gab es nur an exotischen Börsenplätzen wie Venezuela. Der Index IBC verdoppelte seinen Wert von 65.337 auf 116.917 Punkte.

In den ebenfalls von Konjunktursorgen geplagten USA schaffte es der wichtigste Börsenindex S&P 500  am letzten Handelstag des Jahres immerhin auf 1258 Punkte und damit den gleichen Stand wie vor zwölf Monaten. Kaufen und liegen lassen, könnte also das Resümee des turbulenten Börsenjahres lauten.

Hinter dem Durchschnittswert verbergen sich aber heftige Bewegungen der einzelnen Aktien. Während Starbucks-Papiere  fast die Hälfte an Wert gewannen, mussten die ohnehin gebeutelten Aktionäre von Finanzkonzernen wie AIG  oder Bank of America  60 Prozent Kursverlust hinnehmen - darunter auch prominente Hedgefondsmilliardäre wie John Paulson, der 2010 noch sagenhafte fünf Milliarden Dollar verdiente und nun zu den Verlierern des Jahres zählen dürfte.

Anleihen: Börsenstar Bill Gross verpasst die Chance des Jahres

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Selten standen Anleihen so im Fokus der Finanzpresse wie 2011. Die Schuldscheine der Staaten dienten als wichtigstes Barometer der Euro-Krise. Vor allem die Renditen griechischer Staatsanleihen stiegen in astronomische Höhen. Für Papiere mit zweijähriger Laufzeit verelffachten sie sich von 12,24 auf 135,8 Prozent. Steigende Anleihenrenditen sind schlechte Nachrichten nicht nur für die Staaten als Emittenten, deren Schuldendienst sich verteuert, sondern auch für die Halter der Papiere, weil im Gegenzug die Kurse sinken. Wer Ende 2010 im Vertrauen auf den europäischen Rettungsschirm griechische Anleihen kaufte und auf die stolze Rendite von 12 Prozent hoffte, sah sich bitter enttäuscht.

Während die Athener Papiere schon damals als Zockerpapiere galten, erwischte es im Lauf des Jahres auch den wesentlich größeren italienischen Markt und damit Massen von Sparern. Für Anleihen der italienischen Republik mit zehnjähriger Laufzeit stieg die Rendite um fast die Hälfte, von 4,8 Prozent auf zuletzt noch mehr als 7 Prozent - trotz der inzwischen als Hoffnungsträger der Märkte angetretenen Expertenregierung von Mario Monti.

Jenseits der Krisenländer aber zählten Staatsanleihen zu den gewinnträchtigsten Investments überhaupt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sank um satte 38 Prozent von knapp 3 Prozent auf 1,83 Prozent. Der Rentenindex Rex , der verschiedene deutsche Staatsanleihen abbildet, erreichte am Freitag den Rekordstand von 423 Punkten, ein Plus von 8,25 Prozent auf Jahressicht.

Noch größere Gewinne konnten Anleger mit britischen Anleihen (Gilts) oder solchen aus den USA (Treasuries) erreichen, die ebenfalls erstmals unter 2 Prozent rentierten - obwohl Amerika die Note "AAA" für beste Kreditwürdigkeit der Ratingagentur Standard & Poor's verlor. Auch diese Entwicklung erwischte Börsenstars auf dem falschen Fuß. Anleihenguru Bill Gross, der für die Allianz-Tochter Pimco den weltgrößten Rentenfonds Pimco Total Return verwaltet, verkündete zu Jahresbeginn den Ausstieg aus Treasuries wegen der hohen Schuldenlast der USA und verpasste so die größte Rally des Jahres.

Devisen: Die Schweizer Nationalbank weist Fluchtkapital ab

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Der Schweizer Franken  hätte das Investment des Jahres werden können. Vor allem europäische Anleger bunkerten ihr Geld aus Angst vor der Euro-Krise zunehmend in der Alpenrepublik. Von knapp 80 Euro-Cent stieg die Währung der Eidgenossen bis Anfang August um ein gutes Fünftel auf 97 Cent.

Doch dann zog die Schweizer Nationalbank die Notbremse, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft zu verteidigen. Sie versprach unbeschränkt Franken auf den Markt zu werfen, um den Kurs von 1,20 zum Euro zu halten. Die Worte zeigten Wirkung, ohne dass die Zentralbank tatsächlich die Notenpresse hätte anwerfen müssen. Heute ist der Franken-Wert mit 82 Euro-Cent wieder annähernd auf dem Stand des Vorjahres.

Auch zum US-Dollar hielt sich der Euro trotz Krise beinahe stabil, auch nach den Wechselkursverlusten der letzten Tage des Jahres. Der Dollar  legte auf Jahressicht 3,4 Prozent zu. Stärker gewannen der japanische Yen, der am Freitag erstmals mehr als einem Euro-Cent entsprach, und der chinesische Yuan mit jeweils gut 8 Prozent plus zum Euro. Gerade Chinas Währung wird langfristiges Aufwertungspotenzial nachgesagt. Wegen der strengen Kapitalkontrollen ist ein Investment in Yuan für Ausländer aber fast unmöglich.

Etliche Währungen, vor allem in Osteuropa und Lateinamerika, verloren aber auch an Wert gegenüber dem Euro. Für die türkische Lira ging es um knapp 17 Prozent abwärts - ein Problem auch für viele deutsche Sparer, die mit Tages- und Festgeldkonten in Lira hofften, dem Zinstief hierzulande ausweichen zu können.

Rohstoffe: Der Kater nach dem Goldrausch

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Wer sich regelmäßig über die Preisanzeige an der Tankstelle ärgert, wird Rohstoffinvestments für eine gute Idee halten. Der Rogers-Index, der verschiedene Rohstoffpreise erfasst, weist für 2011 aber ein Minus von 7 Prozent aus.

Dafür sorgte unter anderem der Preisverfall für Erdgas dank neuer Fördertechnik, am US-Spotmarkt Henry Hub um rund 20 Prozent. Allerdings hatten die meisten deutschen Gaskunden wenig davon, weil das hier genutzte Erdgas zumeist in langfristigen Verträgen an den Ölpreis gekoppelt ist - und der stieg zumindest im wichtigen Nordseemarkt um 20 Prozent, erstmals war europäisches Öl deutlich teurer als das neuerdings im Überfluss vorhandene US-Öl.

Für Anleger wichtiger sind die Edelmetalle. Der Preis einer Feinunze Gold  stieg um 13,5 Prozent auf etwas mehr als 1200 Euro. Im September war er aber schon bis auf 1370 Euro gestiegen. Wer im Sommer noch vom Goldrausch erfasst wurde, hat Kursverluste von rund 20 Prozent erlitten. Andere Metalle, die stärker industriell genutzt werden, sind wegen der schwachen Nachfrage auch auf Jahressicht deutlich billiger geworden, Silber  etwa um 8 Prozent. Kupfer , das zu Jahresbeginn noch fast 10.000 Dollar pro Tonne kostete, verbilligte sich um 19 Prozent.

Die Bilanz der "Soft Commodities", der Agrarrohstoffe, fällt gemischt aus. Vor allem Fleisch wurde teurer, Mastrinder beispielsweise um ein Viertel, der vor einem Jahr auf Rekordniveau gestiegene Baumwollpreis dagegen fiel um ein gutes Drittel auf 70 Euro-Cent je Pfund.

Immobilien: Zurück zur eigenen Scholle

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Wer hoffte, nach fünf Verlustjahren müsse es am US-Immobilienmarkt, wo die ganze Krise ihren Anfang nahm, doch auch einmal wieder aufwärts gehen, wurde enttäuscht. Der Case-Shiller-Index wies zuletzt einen weiteren Wertverlust für Eigenheime um 3,4 Prozent aus. Trotz Zinstief wagen sich nur wenige Käufer hervor.

Anders in Deutschland: Hier war 2011 das erste Boomjahr für die Branche seit mehr als einem Jahrzehnt. Der HPX Hauspreisindex stieg zuletzt um 4,9 Prozent. Im Vergleich zur vorherigen Stagnation und angesichts der kaum wachsenden Bevölkerung kommt dieser Anstieg schon einem regelrechten Kaufrausch gleich. Immer mehr Deutsche setzen auf die eigenen vier Wände - auch als Reaktion auf den Anlagenotstand, weil nichts anderes mehr sicher erscheint. Nur die wenigsten allerdings dürften Immobilien als Investment gekauft und die Teuerung als Anlagegewinn eingestrichen haben.

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Gewinner und Verlierer 2011: Die 30 Dax-Werte im Vergleich

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