"Enorme Risiken für das Finanzsystem" EZB schickt Dax in den Keller

Die Finanzstabilität im Euroraum ist nach Einschätzung der EZB so stark gefährdet wie nie seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008. Der Dax taucht daraufhin in die Verlustzone und schließt nahe Tagestief. Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi vor dem Europaparlament belasten zusätzlich.
Börse in Frankfurt: Der Dax hat seit Jahresbeginn rund 17 Prozent an Wert verloren

Börse in Frankfurt: Der Dax hat seit Jahresbeginn rund 17 Prozent an Wert verloren

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Skeptische Aussagen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben den Dax  am Montag ins Minus gedrückt. Der Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il hingegen hatten den Leitindex nur kurz zu Handelsbeginn belastet. Nach einem langen Ausflug in die Gewinnzone schloss der Dax am Ende 0,54 Prozent tiefer bei 5670 Punkten.

Die EZB hatte betont, der Ausblick für die Euro-Zone sei mit sehr hoher Unsicherheit behaftet. Dies sei zwar nicht neu, könnte aber dennoch einige Anleger zum Verkauf ihrer Aktien bewogen haben, sagte Händler Norbert Empting von der Schnigge Wertpapierhandelsbank. Der Experte wollte das Minus aber nicht überbewerten. Nach dem großen Verfallstag an den Terminbörsen am Freitag und kurz vor den Weihnachtsfeiertagen seien die Umsätze eher dünn und die Kurse stark vom Zufall getrieben. "Viele Anleger haben ihre Bücher für die großen Aktienwerte schon geschlossen", ergänzte Empting.

Zudem hatte die Europäische Zentralbank in einem Bericht geschrieben, die Finanzstabilität im Euroraum sei so stark gefährdet wie nie seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008. Auch dies hat Börsianern zufolge auf die Stimmung gedrückt.

Auch die US-Börsen tendierten uneinheitlich, nachdem sie zunächst im Plus gelegen hatten. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) gab zuletzt 0,1 Prozent nach.

Draghi spricht von "morbider Spekulation" der Märkte gegen den Euro

Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi belasteten zusätzlich. Draghi sagte vor dem Europaparlament, dass die Spannungen an den Finanzmärkten die Wirtschaftsentwicklung in der Euro-Zone weiter dämpften. Die Märkte übten zudem zu lange ein "morbide Spekulation" auf den Euro aus, sagte Draghi. Dies habe für "aussergewöhnliche Kosten" gesorgt.

Der Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il und erneut schlechte Nachrichten aus der Eurozone hatten den Dax  bereits zum Handelsstart ins Minus gedrückt, der Index hatte sich jedoch kurzzeitig erholt. Die Kurserholung wurde mit Portfoliobereinigungen und den Nachwirkungen des großen Verfalls aan den Terminmärkten am Freitag begründet. Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt hätten, müssten nun in dem wieder freundlichen Markt nachkaufen, um ihre Gewinne zu sichern oder ihre Verluste zu begrenzen.

Metro und Henkel gegen den Trend fest

Aktien des Handelskonzerns Metro  haben sich am Montagnachmittag gegen den Trend an die Spitze des Dax  gesetzt. Die Titel legten rund 1 Prozent zu. "Die Aktie hat in diesem Jahr stark gelitten, deshalb sehen Anleger hier wohl noch Nachholbedarf", sagte ein Händler. Die Metro-Papiere haben 2011 fast die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Der deutsche Rentenmarkt tendierte zur Kasse etwas fester. Die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere sank auf 1,52 (Freitag: 1,54) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,06 Prozent auf 131,34 Punkte. Der Bund Future fiel um 0,25 Prozent auf 138,24 Punkte.

Öl-Preise steigen

Die Ölpreise sind am Montag gestützt durch freundliche Aktienmärkte gestiegen. Im Mittagshandel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Februar-Lieferung 103,98 US-Dollar. Das waren 63 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Januar-Lieferung kletterte um 37 Cent auf 93,90 Dollar.

Der Kurs des Euro hat sich am Montag nach Belastungen durch den Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il leicht erholt. Angesichts der Schuldenkrise im Währungsraum blieben die Sorgen jedoch hoch, sagten Händler. Im Anschluss an die Bekanntgabe des Todes von Kim Jong Il war die Gemeinschaftswährung im asiatischen Handel zwischenzeitlich bis auf 1,2984 US-Dollar gefallen. Gegen Mittag wurde der Euro  leicht erholt bei 1,3025 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,3064 (Donnerstag: 1,3019) Dollar  festgesetzt.

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Nordkoreas Kim Jong Il: Tod des "Geliebten Führers"

Foto: AFP/ KCNA
dpa/krk
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