Weltweite Finanzkrise Euro fällt unter die Marke von 1,30 Dollar

Europas Politiker bemühen sich um eine Lösung der Schuldenkrise, doch den Akteuren an den Finanzmärkten reicht das nicht. Italien muss für frische Kredite erneut hohe Zinsen zahlen, der Kurs des Euro sinkt erstmals seit fast einem Jahr unter die Marke von 1,30 Dollar.
Euro-Münzen: Gemeinschaftswährung unter Druck

Euro-Münzen: Gemeinschaftswährung unter Druck

Foto: TONY GENTILE/ REUTERS

Frankfurt am Main - Der Euro gibt nach, Italien muss für frisches Geld extrem hohe Zinsen zahlen, und die Rezessionsängste in Europa nehmen zu. Trotz der Beschlüsse auf dem jüngsten EU-Gipfel zeichnet sich in der Schuldenkrise keine Entspannung ab. Das schlägt nun auch auf den Euro-Kurs durch. Die Gemeinschaftswährung sank am Mittwoch erstmals sei Mitte Januar unter die Marke von 1,30 Dollar. Am späten Nachmittag wurde der Euro  bei 1,2988 Dollar gehandelt.

Auch Italien bekam erneut das Misstrauen der Investoren zu spüren. Erstmals seit dem Gipfel besorgte sich das Land wieder Geld am Kapitalmarkt. Die Regierung in Rom musste bei einer Auktion fünfjähriger Staatsanleihen einen Zins von 6,47 Prozent zahlen. Das ist der höchste Zinssatz für Papiere mit dieser Laufzeit seit Beginn der Währungsunion. Mitte November hatte Italien für fünfjährige Anleihen noch 6,29 Prozent zahlen müssen. Immerhin hatte das Land bei der aktuellen Auktion keine Probleme, genügend Kreditgeber zu finden, und konnte mit drei Milliarden Euro so viel Geld einsammeln wie geplant.

Des einen Leid ist des anderen Freud: So profitiert Deutschland von der Verunsicherung der Investoren. Schließlich gelten Bundesanleihen immer noch als sicherer Hafen. Das zeigte sich erneut an diesem Mittwoch: Bei der letzten Auktion in diesem Jahr sammelte die Finanzagentur der Bundesrepublik knapp 4,2 Milliarden Euro bei Anlegern ein - zu einem Zins von nur 0,29 Prozent. Die Nachfrage nach den zweijährigen Anleihen, sogenannten Bundesschatzanweisungen, war so groß, dass der Bund sogar rund sechs Milliarden Euro hätte einnehmen können.

Die Bundesrepublik zahlt so niedrige Zinsen, weil Deutschland nach den USA der weltweit zweitgrößte Markt für Staatsanleihen ist und vergleichsweise solide Finanzen aufweist. Deshalb dürften die Zinsen selbst dann günstig bleiben, falls Deutschland, wie von Rating-Agenturen angedroht, sein Top-Rating verliert.

Standard & Poor's droht erneut

Andere Euro-Länder - besonders Italien, Spanien und Portugal - leiden bereits jetzt unter hohen Zinsen. Auch die Ankündigung der EU-Staaten, sich zu mehr Haushaltsdisziplin zu verpflichten, besänftigt Investoren nicht. Hinzu kam eine erneute Warnung der Rating-Agentur Standard & Poor's vor der Herabstufung von Staaten und Banken in Europa. Auf der Liste für eine mögliche Abwertung stünden inzwischen 25 Länder und 42 Banken aus Europa, teilte die US-Rating-Agentur mit.

Was Investoren zusätzlich verärgern dürfte: Auch über die jüngsten Gipfelbeschlüsse gibt es schon wieder Streit. So drohte Bundesbank-Chef Jens Weidmann damit, die vereinbarten Kredite der Notenbanken an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu blockieren. "Wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, dann können wir dieser Kreditlinie auch nicht zustimmen", sagte Weidmann. Außerdem lehnt er großangelegte Anleihenkäufe zur Stabilisierung der Euro-Zone weiter ab. Investoren und auch Rating-Agenturen fordern dagegen ein solches Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB).

In dieser Gemengelage schwindet bei Investoren die Hoffnung auf einen schnellen Lösungsansatz. "Die Krisensituation in Europa legt sich wie ein dunkler Mantel über die ganze Welt", sagte ein Analyst.

Hinzu kommt, dass Europa neben der Schuldenkrise bald auch ein Konjunkturproblem bekommen dürfte. Die Entwicklung in Deutschland gilt zwar immer noch als vergleichsweise robust. Doch auch hier senken Forscher laufend ihre Prognosen. So rechnet das Münchener Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut beispielsweise seit heute für 2012 nur noch mit einem Miniwachstum in der Bundesrepublik.

mmq/kst/dpa-afx/rtr
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