Börse Dax und Dow taumeln weiter abwärts

Die Zinsen für italienische Anleihen steigen erneut. Das Ifo-Institut senkt seine Konjunkturprognose. Nachrichten aus China belasten Autotitel. An der Wall Street drückt die Gewinnwarnung von First Solar auf die Stimmung. Der Dax fällt unter die Marke von 5700 Zählern.
Börse in Frankfurt: Die Regierungserklärung von Bundeskanzlerin könnte am Nachmittag neue Impulse bringen

Börse in Frankfurt: Die Regierungserklärung von Bundeskanzlerin könnte am Nachmittag neue Impulse bringen

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - Anleger ziehen sich zurück: Der Dax (Kurswerte anzeigen) baute bis zum Nachmittag seine Verluste auf 1,5 Prozent aus und fiel auf 5685 Zähler. Seit seinem Anfang letzter Woche erreichten Hoch hat der deutsche Leitindex bereits fast 8 Prozent an Wert verloren.

Laut Thilo Müller von MB Fund Advisory schürte unter anderem eine für 2012 gesenkte Konjunkturprognose des Ifo-Instituts die Sorgen um die Wirtschaftslokomotive Deutschland.

Zusätzlich verwiesen Börsianer auf die weitere Unsicherheit wegen der europäischen Schuldenkrise. Die Bundesbank zum Beispiel stellt Bedingungen für die geplante Ausweitung der Kreditlinien des IWF.

Zinsen für italienische Anleihen steigen auf 6,4 Prozent

Auch am Anleihemarkt bleibt es unruhig. Das hochverschuldete Euro-Land Italien hat am Mittwoch beim Verkauf langfristiger Schuldtitel zwar drei Milliarden Euro erlöst, jedoch den höchsten Zinssatz seit 1997 bezahlen müssen. Für fünfjährige Anleihen verlangten die Investoren einen durchschnittlichen Zinssatz von 6,47 Prozent. Er lag damit 0,17 Prozent höher als zuletzt bei einer ähnlichen Auktion.

Die italienische Zentralbank hatte auf einen Erlös von 4,25 Milliarden Euro gehofft. Der massive Schuldenberg Italiens hat die Zinsen des Landes in den vergangenen Monaten drastisch ansteigen lassen.

Wall Street startet mit Verlusten - Gewinnwarnung von First Solar

Die Sorgen um die nur schwer zu kontrollierende europäische Schuldenkrise haben die New Yorker Aktienmärkte zum Handelsstart erneut ins Minus gedrückt. Am Dienstag hatte die Absage der US-Notenbank an weitere Konjunkturhilfen die Wall Street belastet. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) gab im frühen Handel 0,5 Prozent nach und fiel unter die Marke von 12.000 Punkten. Der Nasdaq Composite  verlor im frühen Handel 0,9 Prozent an Wert.

Schlechte Nachrichten kommen zudem aus dem Solarsektor. Schwergewicht First Solar (Kurswerte anzeigen) senkte bereits zum dritten Mal in diesem Jahr die Prognose. Statt eines Gewinns von 6,60 bis 7,50 US-Dollar je Aktie rechnet der Konzern nun nur noch mit 5,75 bis 6,00 Dollar je Anteilsschein, hieß es von dem Solarmodul-Hersteller. Für das kommende Jahr rechnen Gründer und Interims-Vorstandschef Mike Ahearn mit keiner schnellen Besserung. Der Kurs brach zweistellig ein. In Deutschland hatte zudem das Solarunternehmen Solon (Kurswerte anzeigen) Insolvenzantrag gestellt.

Autowerte wegen China unter Druck

Die Aktien der Autobauer waren die größten Verlierer im Dax. BMW (Kurswerte anzeigen) und Volkswagen (Kurswerte anzeigen) verloren verloren jeweils zwischen 4 und 5 Prozent. Der europäische Branchenindex Stoxx 600 Autos & Parts stellte mit minus 1,84 Prozent den mit Abstand schlechtesten Sektor.

Einen Auslöser für die Abgaben sahen Börsianer vor allem in der Meldung, dass China Importzölle auf einige US-Modelle erheben wolle. Zudem hatte Peugeot (Kurswerte anzeigen) für das zweite Halbjahr hohe Verluste in der Autosparte angekündigt.

Finanzwerte schlugen sich im Dax etwas besser als der Markt: Titel der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) hielten sich knapp mit 0,13 Prozent im Plus. Nach einer Kurszielerhöhung von Barclays gehörten zudem die Aktien des Versicherers Allianz (Kurswerte anzeigen) zu den Gewinnern. Die Aktien der Commerzbank  erholten sich mit einem Plus von 2,5 Prozent nur minimal von dem Kurseinbruch der vergangenen Tage.

Tui überraschend mit Gewinn

Im MDax (Kurswerte anzeigen) konnten sich die Aktien von Tui (Kurswerte anzeigen) mit einem kräftigen Aufschlag von 8,02 Prozent auf 4,20 Euro gegen das Marktumfeld stemmen. Europas größter Reisekonzern erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz Nordafrika-Krise und Problemen in der Containerschifffahrt überraschend einen Gewinn. Dennoch sollen die Aktionäre wie in den Vorjahren auf eine Dividende verzichten, wie es im Geschäftsbericht heißt. "Insgesamt ist die Bilanz leicht positiv und auch der vorsichtige Optimismus des Unternehmens stützt die Aktie", sagte ein Börsianer.

Solarbranche: Solon stellt Insolvenzantrag

Im TecDax (Kurswerte anzeigen) lenkte die Pleite eines ehemaligen Indexkollegen die Aufmerksamkeit auf die Solarwerte: Solon (Kurswerte anzeigen) hatte am Vorabend mitgeteilt, den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt zu haben. Die Solon-Titel verloren daraufhin mehr als die Hälfte ihres Werts. Analystin Lauren Licuanan von der Commerzbank sprach deshalb von einem Auftakt zu einer Marktbereinigung und äußerte insbesondere Bedenken bei Q-Cells, dessen Aktien am Ende vom TecDax 4,48 Prozent verloren. Aktien des Konkurrenten Solarworld (Kurswerte anzeigen) waren dagegen nach einem schwachen Auftakt mit 2,08 Prozent ins Plus gedreht.

Ölpreise leichter

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hat sich am Mittwoch nach starken Verlusten am Vortag knapp über der Marke von 1,30 Dollar gehalten. Gegen Mittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,3010 Dollar und damit in etwa so viel wie am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagmittag auf 1,3181 (Montag: 1,3251) Dollar festgesetzt.

Die Ölpreise haben nach starken Vortagsgewinnen etwas nachgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) zur Januar-Lieferung 109,21 Dollar. Das waren 29 Cent weniger als am Dienstag. Ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich ebenfalls leicht um 17 Cent auf 99,97 Dollar.

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mg/dpa-afx
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