Börse Dax schließt nach EU-Gipfel im Plus

Anleger setzen weiter auf eine Rettung des Euro - an der britischen Insel soll das Projekt Europa nicht scheitern. Auch an der Wall Street bauen die Indizes ihre Gewinne aus. Aktien der Deutschen Bank gehören zu den größten Gewinnern im Dax.
Händler in Frankfurt: Die Unsicherheit ist aus den Märkten gewichen - zumindest vorübergehend

Händler in Frankfurt: Die Unsicherheit ist aus den Märkten gewichen - zumindest vorübergehend

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Nach einer turbulenten Berg- und Talfahrt während des EU-Gipfels hat der deutsche Aktienmarkt am Freitag im Plus geschlossen. Der Leitindex Dax  stieg um 1,91 Prozent auf 5986 Punkte. Die europäischen Politiker wollen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusätzliche 200 Milliarden Euro an Hilfsgeldern zur Verfügung stellen.

Anfang der Woche hatte die Hoffnung auf Fortschritte in der Schuldenkrise den Dax noch auf den höchsten Stand seit Ende Oktober steigen lassen. In der Wochenmitte ging er dann bereits unter der Marke von 6000 Punkten aus dem Handel. Der MDax legte zum Wochenende 1,15 Prozent auf 8768 Punkte zu, der TecDax gewann 0,62 Prozent auf 679 Punkte.

Börsianer können den Beschlüssen auf dem EU-Gipfel in Brüssel und auch den jüngsten Beschlüssen der EZB positive Aspekte abgewinnen. Dass Großbritannien bei der geplanten Änderung der EU-Verträge nicht mitmache, sei erwartet worden. Am Nicht-Euro-Land Großbritannien werde das europäische Projekt nicht scheitern, sagte ein Börsianer: Großbritannien brauche Europa, aber Europa sei nicht auf die britische Insel angewiesen.

US-Börsen eröffnen mit Gewinnen

Die Wall Street hat am Freitag ebenfalls mit Erleichterung auf die Beschlüsse des EU-Gipfels reagiert. "Der Plan bietet mehr Positives als Negatives. Er erweckt den Eindruck, dass die Staats- und Regierungschefs das Ausmaß des Problems erkannt haben und wissen, wie sie reagieren müssen", sagte Rick Fier von Conifer Securities. Vor allem Bank-Aktien konnten dank der Gipfel-Beschlüsse einen Teil ihrer Vortagesverluste wettmachen.

Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) notierte zum Xetra-Schluss in Deutschland 1,4 Prozent höher bei 12166 Punkten. Der Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) gewann 1,00 Prozent auf 2622 Punkte.

Die europäischen Politiker hatten in einer Nachtsitzung beschlossen, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusätzliche 200 Milliarden Euro an Hilfsgeldern zur Verfügung zu stellen. Mit diesem Geld sollen weitere Flächenbrände in der europäischen Schuldenkrise eingedämmt werden. Die Absicht der 17 Eurostaaten und weiterer EU-Mitglieder, einen neuen Stabilitätspakt in Form einer erweiterten Fiskalunion auf die Beine zu stellen, konnte am Markt ebenfalls Gefallen finden.

Auch US-Konjunkturdaten stützten. Das von der Uni Michigan ermittelte US-Verbrauchervertrauen konnte positiv überraschen. Der Indikator für das Konsumklima war mit 67,7 Punkten stärker gestiegen als erwartet.

Bundesbank und China stützen den Euro

Grund für die Kauflaune in Europa sind außerdem neue Ansätze in der Schuldenkrise: Die Bundesbank zeigt sich grundsätzlich offen für bilaterale Kredite an den Internationale Währungsfonds (IWF), der dann wiederum mehr Mittel für die Schuldenstaaten hätte. Über eine solche Maßnahme war zuletzt schon häufiger spekuliert worden. Allerdings zeichneten sich nun konkrete Schritte ab: Laut der Bundesbank werden mit der Bundesregierung bereits Gespräche über die Modalitäten geführt.

Weiter heißt es am Markt, auch China und andere asiatische Staaten könnten dem IWF Geld zur Lösung der Schuldenkrise in der Euro-Zone leihen. Die Stimmung stabilisiert haben auch Spekulationen, China könnte nach dem kräftigen Rückgang der chinesischen Inflationsrate die Geldpolitik lockern.

Deutsche Bank an der Dax-Spitze

Aktien der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) sind nach anfänglichem Verlusten ins Plus geklettert und haben zuletzt an der Dax-Spitze mehr als 4 Prozent gewonnen. Börsianer zeigten sich erleichtert, dass es von Seiten der Stresstestergebnisse keine neuen Hiobsbotschaften gegeben habe. Der Belastungstest für die Branche sei erwartungsgemäß ausgefallen.

Auch europaweit zählten Banken zu den Favoriten: Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Banks rückte 1,20 Prozent vor. Als Ergebnis der jüngsten Ermittlungen der Europäischen Bankenaufsicht EBA müssen sich viele Großbanken in Europa frische Milliarden besorgen. Auch Versicherer zählten zu den Gewinnern, was Händler mit leichter Entspannung an den Rentenmärkten der Euro-Zone begründeten.

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise sind leicht zurückgefallen und haben damit an die deutlichen Verluste vom Vortag angeknüpft. Der Kampf gegen die hohe Verschuldung der europäischen Staaten könnte das Wirtschaftswachstum und damit auch die Nachfrage nach Rohöl bremsen, heißt es von Händlern. Am frühen Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) mit Auslieferung im Januar 107,55 Dollar. Das sind 56 Cent weniger als am Vortag. Ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich leicht um 37 Cent auf 97,97 Dollar.

mg/dpa-afx
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