Börse Dax taucht ab, Commerzbank bricht ein

Die EZB senkt die Zinsen und stellt den Banken zusätzliche Hilfen in Aussicht. Dagegen offenbart der Stresstest der europäischen Bankenaufsicht Milliardenlücken bei Europas Geldhäusern.  Die Aktien von Commerzbank und Deutscher Bank tauchen im späten Handel ab.
Börse Frankfurt: Der Dax rutscht erneut unter 6000 Zähler

Börse Frankfurt: Der Dax rutscht erneut unter 6000 Zähler

Foto: Ralph Orlowski/ Getty Images

Frankfurt am Main - Belastet von der steigenden Nervosität vor dem EU-Gipfel und den jüngsten Meldungen über den Kapitalbedarf der europäischen Banken haben die deutschen Aktien am Donnerstag Verluste verbucht. Der Dax  schloss mit minus 2 Prozent auf 5874 Punkten und beendete den Handelstag damit so schwach wie zuletzt Ende November.

Der MDax  fiel schließlich um 2,05 Prozent auf 8.668,49 Punkte, der TecDax  verlor 1,64 Prozent auf 675 Punkte.

Vor dem EU-Gipfel zur Schuldenkrise hielten sich die Investoren angesichts möglicherweise weitreichender Entscheidungen für die Zukunft der Eurozone mit ihren Anlageentscheidungen zurück, sagten Händler. Als kurz vor Handelsschluss Daten zum gestiegenen Kapitalbedarf der europäischen Banken bekannt wurden, sackte der Index nochmalsab. Besonders starke Verluste verbuchten im Dax die Titel von Commerzbank  und Deutscher Bank .

EZB senkt Leitzins und verspricht Hilfe für die Banken

Am Mittag hatte die EZB noch mit der erwarteten Zinssenkung auf 1,0 Prozent sowie massiven zusätzlichen Hilfen für die europäischen Banken die Kurse kurzzeitig beflügelt. Sodann erteilte EZB-Präsident Mario Draghi jedoch dem erwarteten Einspringen der Zentralbank für die europäischen Staatsschulden eine Absage - dies wurde an der Börse mit Enttäuschung aufgenommen.

Banken-Stresstest: Sechs deutsche Banken durchgefallen

Grund für den Kurssturz der Bankentitel: Den europäischen Banken fehlen angesichts der Schuldenkrise in der Eurozone nach Berechnungen der Aufsichtsbehörde EBA Kreisen zufolge 115 Milliarden Euro, um die verschärften Anforderungen an das Kernkapital von Banken zu erfüllen.

Davon entfallen 13,1 Milliarden Euro auf sechs deutsche Institute, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag berichtete. Den größten Kapitalbedarf hat laut EBA die Commerzbank  mit rund 5,3 Milliarden Euro, der Deutschen Bank fehlen laut Bankenaufsicht 3,2 Milliarden Euro.

Mit dem Stresstest sollten die die Aufseher ermitteln, wie viel Geld den Banken fehlt, um auch bei einer Bewertung von Staatsanleihen zu Marktpreisen auf eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent zu kommen

In Bezug auf den EU-Gipfel schwanken die Anleger derweil weiter zwischen Zuversicht und Pessimismus. Über die Bedeutung herrscht indes kaum Zweifel: "Die nächsten 24 Stunden markieren eine wichtige Weggabelung im Verlauf der Krise Europas", konstatieren die Devisenexperten der Commerzbank.

Anleger hoffen auf Fortschritte beim EU-Gipfel am Freitag

Vor dem am Donnerstagabend beginnenden EU-Gipfel wagten sich Anleger am Aktienmarkt ohnehin kaum mit Zukäufen aus der Deckung. Deutschland und Frankreich wollen eine begrenzte Änderung des EU-Vertrages durchsetzen. Börsianer hoffen darauf, dass auf dem EU-Gipfel, der auch am Freitag noch andauert, durchschlagende Maßnahmen beschlossen werden, um der Schuldenkrise Herr zu werden.

Klares Schlusslicht im Dax waren die Anteilsscheine der Commerzbank  mit einem Minus von 9,5 Prozent auf 1,28 Euro. Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus fehlen nach Berechnungen der EU-Bankenaufsicht EBA allein 5,3 Milliarden Euro. Ende Oktober war die Kapital-Lücke der Commerzbank noch auf 2,9 Milliarden beziffert worden.

Bei der Deutschen Bank ist der Kapitalbedarf auf 3,2 Milliarden Euro gestiegen, sie geht aber davon aus, dass sie die Zielmarke der EBA bereits Ende des Jahres erreichen wird. Die Aktie der Deutschen Bank  beendete den Handel mit einem Abschlag von 4,3 Prozent bei 28,25 Euro. Der europäische Bankenindex gab um 3,1 Prozent nach.

Die 71 größten Banken in Europa müssen ihr Kapital bis Juni 2012 um zusammen 114,7 Milliarden Euro aufstocken, um auch dann noch ein Kapitalpolster von neun Prozent zu haben, wenn sie die Staatsanleihen in ihrem Bestand auf Marktwerte abschreiben müssten.

rei/ak/dpa/rtr
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