S&P senkt Ausblick Bankentitel schütteln Ratingdrohung ab

Nach Europas Staaten attackiert die US-Ratingagentur Standard & Poor's nun auch Europas Banken und die EU selbst. Doch Investoren stört dies nicht wirklich. Aktien der Deutschen Bank legen kräftig zu, Titel der Commerzbank reagieren mit leichten Abschlägen auf die drohende Abstufung.
Bankenviertel Frankfurt: Die Ratingagentur S&P droht deutschen Instituten mit einer Abstufung ihrer Bonität

Bankenviertel Frankfurt: Die Ratingagentur S&P droht deutschen Instituten mit einer Abstufung ihrer Bonität

Foto: Andreas Rentz/ Getty Images

Frankfurt am Main - Ein Rating-Rundumschlag von S&P gegen die europäischen Banken erweist sich sich bei den Aktien ihrer deutschen Vertreter am Donnerstag nicht als ernsthafte Belastung. Im Gegenteil, Papiere der Deutschen Bank  kletterten mit einem Aufschlag von mehr als 2 Prozent an die Spitze des Dax . Aktien der Commerzbank  notierten am Vormittag 0,7 Prozent leichter auf 1,41 Euro.

Die Deutsche Bank  und die Commerzbank  stehen wie auch andere europäische Institute unter verschärfter Beobachtung ("CreditWatch") in den kommenden drei Monaten. Die Kreditwürdigkeit der Instititute könnte in diesem Zeitraum gesenkt werden, teilte die Agentur am Mittwochabend mit. Die Deutsche Bank wird von S&P derzeit mit "A+" bewertet, Deutschland zweitgrößtes Geldhaus Commerzbank mit "A".

Erst Ende November hatte S&P den Ausblick für den deutschen Branchenprimus auf "negativ" von zuvor "stabil" geändert, was eine mögliche Senkung der Bonität innerhalb von sechs Monaten impliziert. Damals war der Schritt mit einer Generalüberholung der Ratingkriterien begründet worden. Durch die neue Aktion dürfte eine Entscheidung deutlich früher fallen.

Der Schritt von S&P ist die logische Folge aus der Ankündigung vom Montag, die Ratingeinstufung von 15 Euro-Ländern wegen der schwelenden Schuldenkrise zu überprüfen. Deutschland oder auch Frankreich könnten dabei ihre Topbonität von "AAA" verlieren. Ob dies passiert, hängt entscheidend vom Ausgang des EU-Gipfels an diesem Donnerstag und Freitag ab. S&P verlangt greifbare Lösungen für die Schuldenkrise.

Der EU droht ebenfalls eine Abstufung

S&P erhöhte den Druck auf Europas Politiker noch zusätzlich durch die Warnung, möglicherweise auch die sehr gute Kreditwürdigkeit ("AAA") der Europäischen Union um eine Stufe abzusenken. Die Ratingagentur begründete den Schritt damit, dass sich die politischen, finanziellen und monetären Probleme in der Euro-Zone verschärft hätten. Auch der Rettungsfonds EFSF könnte sein Topbonität verlieren.

S&P hat nun 90 Tage Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Die Agentur will zuerst über die Staaten entscheiden und dann über die Banken. Vor der Deutschen Bank und der Commerzbank hatte S&P bereits die Bonitätsnote der in Frankfurt sitzenden Förderbank KfW infrage gestellt. Auch die britische Großbank Barclays , die französischen Institute BNP Paribas und Crédit Agricole oder die italienische Unicredit müssen um ihr Rating bangen.

Das Vorgehen von S&P ist durchaus üblich: In der Regel verknüpft die Agentur ihre Länderratings mit Bewertungen relevanter Unternehmen. Die Aktionen liegen meist nur ein paar Tage auseinander. Das Problem: Ein gutes Rating ist die Voraussetzung dafür, dass sich Staaten oder auch Firmen zu günstigen Konditionen frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen können.

rei/dpa/reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.