Schuldengipfel "Der Euro wird überleben"

Es steht Spitz auf Knopf. Die EU-Lenker müssen die auflodernde Euro-Krise heute bekämpfen, sonst droht das Aus. Gelingt der Befreiungsschlag? Jörg Zeuner, Chefökonom der VP Bank, glaubt an die Euro-Zone. Bis eine Fiskalunion festgezurrt ist, müsse die EZB Zeit kaufen und die Märkte beruhigen.
Von Arne Gottschalck
Krisengespann: Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und Mario Monti

Krisengespann: Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und Mario Monti

Foto: Thomas Niedermueller/ Getty Images

mm: Herr Zeuner, können Sie das Thema Euro-Krise überhaupt noch hören?

Zeuner: Es hilft ja nichts, die Krise wird uns noch eine Zeit lang begleiten. Auch im ersten Halbjahr 2012 dürfte sie das dominierende Thema sein. Dann dürfte es etwas ruhiger werden.

mm: Warum?

Zeuner: Wir gehen davon aus, dass es den Politikern bis dahin gelungen sein wird, die Eckpunkte für eine Bewältigung der Probleme festzuzurren.

mm: Wie kann das gehen?

Zeuner: Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass der Euro überleben wird. Dazu werden sich die Regierungen zusammenraufen und eine Art Fiskalunion schaffen.

mm: Gehören dazu auch gemeinschaftliche Anleihen der Euro-Zone, die Bundeskanzlerin Angela Merkel bislang noch ablehnt, also Eurobonds?

Zeuner: Soweit würde ich nicht gehen. Aber es wird einen Rahmen geben, innerhalb dessen die EU für mehr Stabilität in den einzelnen Ländern sorgen wird.

mm: Und was ist mit Griechenland?

Zeuner: Griechenland ist ein Sonderfall. Das Land bedarf gesonderter Hilfe.

EZB als Vertrauenswerber

mm: Und die Aufgabe der EZB …

Zeuner: … liegt darin, um Vertrauen zu werben, bis die gefundenen Richtlinien angewendet werden können. Sie muss also auch am Sekundärmarkt tätig werden.

mm: Also an der Börse Anleihen kaufen.

Zeuner: Ja, sie befriedigt damit die Nachfrage von Investoren und sorgt für Vertrauen - es ist ja eine Vertrauenskrise.

mm: Wäre es nicht klüger, die EZB folgte dem Schweizer Modell - und erklärte, den Anleihenmarkt auf jeden Fall kontrollieren zu wollen, statt nur limitierte Kaufbereitschaft zu signalisieren?

Zeuner: Das wäre sicherlich eine Option. Denn mit diesem Modell kann es sein, dass eine Zentralbank günstiger fährt als mit den tatsächlichen Interventionen.

mm: Ist es für so ein Modell nicht schon zu spät?

Zeuner: Nein, ich denke nicht. Wir haben zwar eine Vertrauenskrise, ähnlich wie bei einer Bankenkrise. Im Gegensatz zu einer Bankenkrise, die in einem Run auf die Banken münden kann, verläuft diese Krise zwar stetig, aber langsam.

mm: Haben Investoren noch Verständnis für die quälend langsame Entwicklung der Politik?

Zeuner: Derzeit noch, ja, das ist unser Eindruck.

mm: Kann man vom EU-Gipfel in dieser Woche eigentlich viel erwarten? Immerhin stehen ja nicht nur wirtschaftliche Fragen auf der Agenda, sondern auch juristische.

Zeuner: Das ist in der Tat sehr komplex, insofern kann es am Freitag nur ein grundsätzliche Einigung geben, die dann Schritt für Schritt kodifiziert und umgesetzt wird.

mm: Was bedeutet das dann für den Anleger - etliche Experten raten ja bereits dazu, die Ersparnisse am Geldmarkt zu parken?

Zeuner: Cash ist keine schlechte Idee, es gehört auch für uns zur Vermögensallokation. Aber dazu raten wir auch zu Unternehmensanleihen und auch Aktien, wenn der Investor Mut hat und unserem Szenario des Fortbestands des Euro folgen mag.

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