Börse Dax fällt unter 6000 Punkte

Die Unsicherheit ist zurück. Vor Beginn des EU-Gipfels zur Bewältigung der Schuldenkrise machen Anleger erst einmal Kasse. Die Bundesregierung warnt vor zu hohen Erwartungen. Börsianer erwarten außerdem, dass die EZB morgen erneut die Zinsen senkt.
Merkel, Sarkozy beim Vorgespräch in Paris: Die Erwartungen an den EU-Gipfel sind hoch - und damit auch das Potential für Enttäuschugen

Merkel, Sarkozy beim Vorgespräch in Paris: Die Erwartungen an den EU-Gipfel sind hoch - und damit auch das Potential für Enttäuschugen

Foto: AFP

Frankfurt am Main - Angesichts der hohen Erwartungen an den EU-Gipfel und die Europäische Zentralbank (EZB) haben Aktienanleger am Mittwoch kalte Füße bekommen. Einem Regierungsvertreter zufolge ist die Bundesregierung pessimistischer, bei dem Treffen der europäischen Spitzenpolitiker eine Einigung erreichen zu können.

Diese Aussage löste Verkäufe an den Aktienmärkten aus. Auch der Euro geriet unter Druck und notierte unter 1,34 Dollar. "Wenn sich die Kapitalmärkte zu viele Hoffnungen auf politische Entscheidungen machen, bekommt ihnen das nie gut", sagte ein Händler. Womöglich werde bei dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag trotz eventueller Marathonsitzungen gar nichts herauskommen.

Andere Börsianer verwiesen darauf, dass viele Investoren auf Nummer Sicher gehen wollten und zunächst einmal ihre Gewinne der vergangenen Woche einstrichen.

Dax und Dow knapp im Minus

Der Dax  schloss am Mittwoch 0,6 Prozent niedriger bei 5994 Punkten. Zeitweise hatten die Verluste im deutschen Leitindex sogar 1,6 Prozent betragen. Der EuroStoxx 50 (Kurswerte anzeigen) verlor 0,5 Prozent auf 2345 Zähler. Der europäische Bankenindex verlor 0,4 Prozent.

An den US-Börsen traten die Anleger ebenfalls auf die Bremse, der US-Leitindex Dow Jones (Kurswerte anzeigen) notierte am Abend knapp im Minus.

Anleger fordern von der Politik eine verstärkte, verbindliche Zusammenarbeit in der Euro-Zone. "Die angedrohte Herabstufung der Bonität Deutschlands und praktisch aller Euro-Länder (durch die Ratingagentur S&P) dürfte die Politiker zusätzlich aufgerüttelt haben", sagte Aktienstratege Ralf Grönemeyer von Silvia Quandt Research.

Ein deutscher Regierungsvertreter teilte diesen Optimismus dagegen nicht. "Aus den vielen Gesprächen der letzten Tage und Wochen haben wir den Eindruck, dass eine Reihe von Akteuren den Ernst der Lage noch nicht verstanden haben", sagte er.

Analysten erwarten Zinssenkung der EZB

Daneben gehen von Reuters befragte Analysten mehrheitlich davon aus, dass die EZB die Zinsen am Donnerstag um 25 Basispunkte auf ein Prozent senken wird. Außerdem rechnet die Mehrheit mit der Ankündigung weiterer Liquiditätsspritzen. Einige Börsianer spekulierten am Mittwoch sogar auf eine Zinssenkung um 50 Basispunkte. "Maßnahmen der EZB sind am Markt allerdings schon eingepreist, große Bewegungen gibt es im Vorfeld deshalb nicht mehr", sagte ein Aktienhändler.

Mögliche Trennung von Sparten belastet Deutsche Börse

Schlusslicht im Dax war die Aktie der Deutschen Börse  , die 5,5 Prozent auf 42,28 Euro einbüßte. Nach Reuters-Informationen könnte der Börsenbetreiber anbieten, diverse Derivate-Geschäfte abzuspalten und daraus einen neuen eigenständigen Konkurrenten bilden, um von der EU-Kommission doch noch grünes Licht für die Fusion mit der Nyse Euronext zu erhalten.

"Der Derivate-Bereich ist der Goldesel", sagte ein Händler. Wenn man daraus einen Konkurrenten formen wolle, sei es kein Wunder, dass die Aktie unter Druck gerate. Die Deutsche Börse teilte mit, dass sie die Fusion weiter anstrebe, aber nicht um jeden Preis. Die Anteilsscheine von Nyse Euronext notierten in New York 4,5 Prozent schwächer.

Lufthansa unter Druck: Branchenverband IATA warnt

Um 3,9 Prozent auf 9,11 Euro ging es für die Papiere der Lufthansa (Kurswerte anzeigen) bergab. Der Branchenverband IATA warnte davor, dass den Fluglinien 2012 ein Verlust von 8,3 Milliarden Dollar drohen könnte, falls die Politiker keine Lösung für die Euro-Schuldenkrise finden. Metzler-Analyst Jürgen Pieper stufte die Lufthansa-Aktien zudem herunter auf "sell" von "buy" und reduzierte das Kursziel auf 8,50 von zwölf Euro.

Nach Umsatzwarnung: Kursrutsch von Metro geht weiter

Die Aktien von Metro (Kurswerte anzeigen) litten weiter darunter, dass der Einzelhandelsriese am Dienstag seine Umsatz- und Gewinnprognose gekappt hatte. Die Prognose-Senkung werfe die Frage auf, auf welcher Basis das Management seine Gesamtjahresziele noch vor wenigen Wochen bekräftigt habe, monierte Analyst Mark Josefson von Silvia Quandt Research.

Zahlreiche Banken senkten ihre Kursziele für Metro oder stuften die Aktie herunter, die mit einem Minus von 2,7 Prozent bei 30,99 Euro schloss.

rei/dpa/reuters
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