Dienstag, 26. Mai 2020

Nach Kapitalerhöhung RWE-Aktien verlieren mehr als 10 Prozent

RWE-Chef Großmann: Schickt die Aktien des Energieversorgers auf Talfahrt

Eine milliardenschwere Kapitalerhöhung hat bei den Aktien von RWE zu einem heftigen Kurseinbruch geführt. Der Energieversorger hat sein Ziel, rund 2,5 Milliarden Euro einzunehmen, verfehlt.

Essen - Die Aktien von RWE Börsen-Chart zeigen brachen nach einer Kapitalerhöhung um 11,55 Prozent auf 26,48 Euro ein. Der Versorger setzt seine angekündigte Kapitalmaßnahme um und bietet institutionellen Anlegern insgesamt 80,4 Millionen Aktien im Zuge eines beschleunigten Platzierungsverfahrens an - 52,3 Millionen neue Aktien sowie 28,1 Millionen eigene Aktien.

RWE hatte die Kapitalerhöhung bereits im August angekündigt. Die Aktien wurden zu 26 Euro pro Stück plaziert, womit der Konzern insgesamt 2,1 Milliarden Euro erlöste. Das ursprünglich anvisierte Volumen von rund 2,5 Milliarden Euro hat der Konzern nicht erreicht. Die Differenz werde der Konzern durch zusätzliche Effizienzmaßnahmen ausgleichen, sagte eine Sprecherin.

Die Essener brauchen das Geld dringend, um sich die wegen des Atomausstiegs zu stemmenden Investitionen leisten zu können. Daher hatte der noch bis Mitte 2012 amtierende RWE-Chef Jürgen Großmann immer wieder betont, den Verkauf trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten bis Ende dieses Jahres über die Bühne bringen zu wollen.

Spekulationen über Stellenabbau

Die RWE-Papiere gehören in diesem Jahr wegen der Atomkatastrophe in Japan und dem daraufhin beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland zu den größten Verlierern im Dax. Zuletzt konnte die Aktie allerdings wieder etwas zulegen. Diese Erholung nutzt das Unternehmen jetzt, um Kasse zu machen. Der Energiekonzern will sich zudem von Randgeschäften im Volumen von acht Milliarden Euro trennen.

Die Maßnahmen sind wichtige Bestandteile eines Gesamtpakets, mit dem das Unternehmen seine finanzielle Basis stärken und so Spielräume für künftiges Wachstum schaffen will. Bei RWE brodelt es derzeit ebenso wie beim Konkurrenten Eon. Erst am Wochenende hatte die "Rheinische Post" berichtet, dass bei RWE mehr als 8000 der 72.000 Stellen wegfallen sollen. Die Gewerkschaft Verdi rechnet dagegen nicht mit Überraschungen beim Stellenabbau.

Verdi-Landesfachbereichs-Leiter Peter Lafos, Mitglied im RWE-Aufsichtsrat, sagte, er erwarte keinen höheren Personalabbau über das bekannte Maß hinaus. "Wir werden bei der Aufsichtsratssitzung in der kommenden Woche fragen, was an den Medienberichten dran ist, aber ich erwarte nichts Überraschendes im Moment." Lafos zufolge setzt sich die in der "Rheinischen Post" genannten Zahl aus einer Reihe schon beschlossener Maßnahmen zusammen.

mg/dpa-afx

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung