Dienstag, 26. Mai 2020

Börse Metro und RWE drücken den Dax

Verluste: Der Dax rutscht Richtung 6000 Zähler

Die drohende Herabstufung der Bonität Deutschlands und praktisch aller anderen Euro-Länder hat Anleger zunächst wenig beeindruckt. Umso mehr lastete der Kurssturz von RWE und Metro auf dem Leitindex. An der Wall Street gehen Bankentitel auf Tauchstation.

Frankfurt am Main - Die Finanzmärkte haben die drohende Herabstufung der Bonität Deutschlands und praktisch aller anderen Eurozonen-Länder mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Der Dax Börsen-Chart zeigen rutschte am Dienstag zu Handelsbeginn um bis zu 1,6 Prozent ab, notierte am späten Nachmittag jedoch nur noch 0,6 Prozent schwächer bei 6076 Punkten. Erst eine Verkaufswelle im späten Handel drückte den deutschen Leitindex dann wieder zurück in Richtung 6000 Zähler: Der Index beendete den Xetra-Handel schließlich mit einem Verlust von 1,3 Prozent bei 6028 Zählern.

Einige Anleger nutzten die Warnung von S&P, um Geld vom Tisch zu nehmen: In der Vorwoche und am Montag hatte der Leitindex noch deutliche Gewinne verbucht. An der Wall Street notierte der Dow Jones Börsen-Chart zeigen zum Ende des Xetra-Handels in Deutschland mit 0,2 Prozent im Plus.

Wall Street gut behauptet - S&P erhöht Druck auf Europa

Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen legte in New York am Abend um 0,2 Prozent zu auf 12117 Zähler. Der Euro notierte knapp unter 1,34 Dollar.

"Aus Sicht des Marktes erhöht die Warnung von S&P den Druck auf die Politik, die Bekämpfung der Euro-Krise ernsthaft anzugehen", sagte Joe Rundle von ETX Capital.

Die Ratingagentur S&P hatte am späten Montagabend zu einem Rundumschlag in Europa ausgeholt. Sie warnte die bisher mit der Top-Bonitätsnote "AAA" bewertete Bundesrepublik, sie könnte wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone um eine Stufe abgewertet werden. Auch dem Euro-Rettungsschirm EFSF droht eine Abstufung der Kreditwürdigkeit.

Goldman Sachs: Timing von S&P "lächerlich"

Jim O'Neill, Chef der Vermögensverwaltung bei Goldman Sachs, bezeichnete den Zeitpunkt der S&P-Warnung kurz vor dem EU-Gipfel als "lächerlich": "Ich zweifle an der Relevanz der Entscheidung." Ähnlich äußerten sich auch andere Analysten und Volkswirte. Mit der S&P-Drohung dürfte der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag dennoch stärker in den Fokus der Anleger rücken.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatten am Montag erste Ideen präsentiert, wie sie für eine verbindlichere Einhaltung der Schuldengrenzen sorgen wollen. Auf dem EU-Gipfel soll entschieden werden, ob die Neuregelungen Teil des EU-Vertrages werden oder ob die Euro-Zone alleine voranmarschiert.

Rentenmarkt: Anleger bleiben gelassen

Am Rentenmarkt nahmen die Anleger den S&P-Warnschuss unaufgeregt zur Kenntnis. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen lag mit 2,184 Prozent nur leicht höher als im Vortagesgeschäft mit 2,162 Prozent. Die Reformanstrengungen Italiens drückten die Rendite der zehnjährigen Papiere des Landes erstmals seit Ende Oktober wieder unter die Sechs-Prozent-Marke.

US-Bankentitel auf Talfahrt

Mit der jüngsten Entwicklung in Europa stehen Finanzwerte auch in den Staaten wieder im Blick der Anleger. Die Aktien von JPMorgan Chase Börsen-Chart zeigen verloren knapp 2 Prozent, die der Citigroup Börsen-Chart zeigen gaben um mehr als ein Prozent nach.

Spitzenreiter im Dow war der Industriegigant General Electric Börsen-Chart zeigen mit mehr als zwei Prozent Zuschlag. Händler verwiesen auf einen positiven Analystenkommentar aus dem Investmenthaus Sanford Bernstein.

LinkedIn-Titel konnten ebenfalls von einem positiven Analystenkommentar profitieren und legten mit mehr als 4 Prozent stark zu. Die Experten der Investmentbank Morgan Stanley hatten die Papiere des Karrierenetzwerks empfohlen. Im Vormonat waren die Titel des Internetunternehmens um insgesamt 27 Prozent gefallen.

Dax: Kurssturz von Metro und RWE belastet den Index

Für Gesprächsstoff am deutschen Aktienmarkt sorgten neben der drohenden Herunterstufung Deutschlands vor allem RWE Börsen-Chart zeigen und Metro Börsen-Chart zeigen . Die Aktien des Energieversorgers fielen zeitweise um mehr als 12 Prozent und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. RWE hat bei einer milliardenschweren Kapitalerhöhung 400 Millionen Euro weniger eingenommen als erhofft. Der Bezugspreis der neuen Aktien wurde auf 26 Euro festgesetzt. Zum Handelsschluss auf Xetra konnte RWE sein Minus auf rund 8 Prozent begrenzen.

Die Papiere des Handelskonzerns Metro Börsen-Chart zeigen übernahmen von RWE am Nachmittag die rote Laterne im deutschen Leitindex, nachdem der Einzelhandelskonzern seine Umsatz- und Gewinnziele für 2011 kassiert hatte. Die Aktie sackte um bis zu 12,5 Prozent ab. Metro begründete die erwarteten Einbußen bei Umsatz und Gewinn unter anderem mit dem schlecht angelaufenen Weihnachtsgeschäft.

Defensive Titel gefragt - Merck und SAP vorn

Zu den Dax-Gewinnern gehörten zunächst defensive Werte wie der Pharmakonzern Merck Börsen-Chart zeigen und der Rohstoffkonzern K+S Börsen-Chart zeigen. Auch die Aktie des Softwareherstellers SAP Börsen-Chart zeigen legte wieder zu und erholte sich damit leicht von ihren Kursverlusten vom Vortag. Die geplanten Milliardeninvestitionen in den USA hatten die Aktie von SAP gestern unter Druck gesetzt.

Euro unter 1,34 US-Dollar, Ölpreis unter Druck

Der Euro Börsen-Chart zeigen ist am Dienstag unter der Marke von 1,34 US-Dollar gefallen. Der nach Einschätzung von Experten "beispiellose Rundumschlag" von S&P habe die Gemeinschaftswährung im frühen Handel auf 1,3375 Dollar gedrückt, hieß es von Händlern. Ein Dollar kostete damit 0,7481 Euro. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,3442 (Freitag: 1,3511) Dollar festgesetzt.

Auch die Ölpreise gerieten am Dienstag angesichts S&P-Entscheidung unter Druck. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent mit Auslieferung im Januar 109,41 US-Dollar und damit 40 Cent weniger als am Vortag. Ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate verbilligte sich um 34 Cent auf 100,65 Dollar.

rei/reuters/dpa

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